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23/04/2015 07:23 CEST | Aktualisiert 23/06/2015 07:12 CEST

Ein Mann wollte die illegalen Müllberge nicht länger akzeptieren - und fand eine geniale Lösung

Wir wissen es alle: Müll ist ein großes Problem für unsere Umwelt. Umso mehr, wenn wir ihn nicht ordentlich entsorgen, sondern einfach auf den Boden oder in die Natur werfen. Aber was tun gegen illegale Müllberge in unseren Wäldern oder auf dem Meeresboden? Ein estnischer Unternehmer suchte nach Antworten.

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Wir wissen es alle: Müll, besonders Plastikmüll ist ein großes Problem für unsere Umwelt. Umso mehr, wenn wir ihn nicht ordentlich entsorgen, sondern einfach auf den Boden oder in die Natur werfen. Aber was tun gegen illegale Müllberge in unseren Wäldern oder auf dem Meeresboden?

Genau diese Frage stellte sich 2007 auch Rainer Nõlvak. Der Unternehmer aus Estland hatte grade seine erfolgreichen Firmen verkauft und wollte es sich in seiner neu gekauften Villa gemütlich machen. Aber das konnte er gar nicht: Die Sache mit dem Müll in seiner Heimat ließ ihn nicht los. Ein paar Bekannte brachten ihn auf die Idee, eine Kampagne zu starten, und mit den Einwohnern gemeinsam Müll zu sammeln und die Natur zu schützen.

Doch einfach nur Müll wegräumen reichte ihm nicht: Der gesamte Müll, und zwar an einem Tag, sollte es sein! Die Idee für Let's Do it! war geboren. Zuerst entwickelte Rainer zusammen mit Ahti Heinla, einem der Gründer von Skype, eine Welt-Müllkarte und eine App, in die jeder, der illegalen Müll sieht, ihn fotografieren und die Position hochladen kann.

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Übersicht des illegalen Mülls in Berlin. Quelle: trashout.me

Als nächstes mobilisierte er erst ein kleines Team von Kampagnenmachern, und dann halb Estland, gemeinsam einen Tag lang aufräumen zu gehen. 50.000 Menschen machten sich auf den Weg zu den auf der Karte markierten Punkten und sammelten in nur fünf Stunden gemeinsam 10.000 Tonnen Müll. Hätte stattdessen die Regierung diesen Job übernommen, wären Kosten von über 22 Millionen Euro zusammengekommen. So viel können Menschen in kurzer Zeit gemeinsam bewegen, und dabei auch noch Spaß haben.

Und die Idee war ansteckend. In den kommenden Jahren schlossen sich 112 andere Länder der Bewegung an und veranstalteten ihre eigenen Cleanup Days - unter anderem Russland, Indien, Brasilien und Portugal. Und das sehr erfolgreich: 11 Millionen Freiwillige haben mittlerweile mitgeholfen. Das kleine Slowenien hat letztes Jahr ganze 14 Prozent der Bevölkerung auf einmal mobilisiert, über 270.000 Menschen. Und das Team in Rumänien hat sogar einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde geschafft.

Aufräumen im Kopf

Let's Do it World beschränkt sich dabei aber nicht auf das Einsammeln von Müll. In den meisten Ländern kämpfen die Teams auch dafür, dass Müll gar nicht erst produziert oder illegal entsorgt wird. So hat der Kosovo es zum Beispiel geschafft, dass umweltfreundliche Gesetze eingeführt wurden, und das Team in Estland ist stolz, dass die Esten von allen Bewohnern in der EU sich am meisten für Umweltschutz engagieren. So wird das Aufräumen in den Wäldern auch zum Aufräumen im Kopf.

Mittlerweile kümmern sich einige Ländern an ihren nationalen Aufräum-Tagen auch um andere Probleme und pflanzen Bäume, bauen neue Spielplätze und helfen Menschen in ihrer Nachbarschaft.

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Meelika Hirmo, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit bei Let's Do It! World

Nun bereiten die Macher der Initiative den letzten Schritt vor: 2018 sollen 350 Millionen Freiwillige auf einmal an nur einem Tag den gesamten illegalen Müll ihrer Länder entsorgen. Dafür arbeitet das Team in Estland gemeinsam mit allen Länder-Initiativen zusammen und koordiniert deren Einsatz.

Nur ein deutsches Team fehlt noch.

Photo galleryLet's Do It! weltweit: Fotos der Clean-Ups See Gallery

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe "lab around the World".

Weitere Informationen finden Sie hier.


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