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29/08/2015 19:32 CEST | Aktualisiert 29/08/2016 07:12 CEST

5 Tipps für den Umzug in den hohen Norden

Diese (unvollständige) Liste soll euch über einige Aspekte des Alltagslebens in den nordischen Ländern Norwegen, Schweden und Finnland informieren. (Ja, ich weiß, dass ich Dänemark und Island außen vor gelassen habe, aber ich bin mit diesen Ländern nicht so vertraut und konzentriere mich lieber auf die anderen drei - auch wenn es viele Gemeinsamkeiten gibt.)

1. Horrende Immobilienpreise

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Obwohl der Norden auf Touristen wie eine friedliche Bilderbuchlandschaft voller urwüchsiger Schönheit wirken mag, zieht eine wachsende Zahl von Einheimischen das Großstadtleben vor, sodass die Preise auf dem Wohnungsmarkt weiter steigen.

Letztere sind vor allem in den letzten Jahren steil angestiegen. Natürlich hat eine hohe Lebensqualität so ihren Preis, aber es gab einige heftige Debatten darüber, ob hier eine Immobilienblase entsteht.

Ob dies nun der Fall ist oder nicht - alle, die in nächster Zeit in die nordischen Länder ziehen, sollten sich darauf einstellen, weitaus mehr für Wohnraum zu bezahlen (sofern sie nicht aus London oder New York kommen).

IKEA

Sobald ihr endlich zu einem halbwegs anständigen Preis eine Wohnung halbwegs in Nähe der Innenstadt gefunden habt, solltet ihr es euch keinesfalls anders überlegen. Nach dem Umzug gilt: ab zur nächstgelegenen IKEA-Filiale, um günstige Möbel zu erstehen.

Wenn ihr aber wundersamerweise noch Geld übrig haben solltet, könnt ihr euch für die noblere Variante in exklusivem Design entscheiden. An hochwertigen Designermöbeln (zu hohen Preisen) herrscht kein Mangel - die nordischen Länder sind für schlichte und zeitlose Einrichtungsgegenstände bekannt.

Seid ihr jedoch willens, ein Eremitendasein in der Wildnis zu akzeptieren, fallen die Immobilienpreise wesentlich erschwinglicher aus. Viele Gemeinden in den nördlichen Landesteilen leiden unter Bevölkerungsschwund, weshalb der Immobilienmarkt auf dem Land stark nachgibt.

2. Unterkühlte Einheimische

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Der Bevölkerung all dieser Länder haftet der Ruf an, schüchtern und distanziert zu sein. Je nachdem woher ihr kommt und wo ihr hinzieht, bergen diese Klischees mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit in sich.

Egal ob Finnland, Schweden oder Norwegen: wenn ihr zusammen mit Einheimischen Aufzug fahrt, ist es ratsam, keine höfliche Konversation zu beginnen. Sonst haftet euch schnell der Ruf an, aufdringlich oder "komisch" zu sein.

Stattdessen starrt man angestrengt auf seine Füße, an die Decke oder auf das Smartphone. Ein verhaltenes Lächeln ist eine nette Geste, aber nicht zwingend erforderlich. In großen Städten wie Stockholm ist die Atmosphäre natürlich lockerer und multikultureller als auf dem Land.

Auf ein Schwätzchen

Gelegentlich könnte es sogar passieren, dass ihr mit einer wildfremden Person ein Schwätzchen haltet. Doch im Vergleich zu anderen Ländern sind solche Momente rar. In größeren Städten leben glücklicherweise viele Expats; Netzwerke wie InterNations helfen euch, neue Freunde zu finden.

Obgleich etwas wortkarg, sind die meisten Leute doch sehr höflich und verfügen über gute Fremdsprachenkenntnisse (auch wenn sie ein wenig zaghaft sind, wenn sie diese unter Beweis stellen sollen).

Gute Umgangsformen gelten als selbstverständlich, und sich in einer Schlange vorzudrängeln oder in der Hektik jemanden anzurempeln ist ein kultureller Fauxpas.

Im Allgemeinen sind die schweigsamen Einheimischen jedoch aufgeschlossen gegenüber Menschen aus anderen Ländern und Kulturen.

3. Mitternachtssonne und Winterdepressionen

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In Norwegen, Schweden und Finnland kann man alle vier Jahreszeiten in vollen Zügen genießen. Eisige Winter und milde Sommer lassen euch die ganze Vielfalt der nordischen Landschaft entdecken - vorausgesetzt, ihr habt das Richtige an.

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Die Infrastruktur ist auch darauf ausgerichtet, unter Extrembedingungen zu funktionieren. Der Pendlerverkehr gerät (normalerweise) nicht zum Erliegen, und drinnen bleibt es beim stärksten Schneesturm warm.

Tag- und Nachtzeit

In der Tat stellen zumeist nicht Klima oder Temperaturen Neuankömmlinge vor das größte Problem. Durch die Nähe zum Polarkreis hängt das Verhältnis von Tag- und Nachtzeit stark von der Jahreszeit ab. Im Sommer geht die Sonne kaum unter (oder scheint gar rund um die Uhr), und im Winter gibt es nur wenige Stunden Tageslicht.

Diese Besonderheit wirkt sich natürlich auf den Schlaf-Wach-Rhythmus aus: wer nicht gewohnt ist, um zwei Uhr morgens vom Sonnenschein geweckt zu werden, ist zunächst komplett verwirrt. Und wenn man bedenkt, wie sehr die Lichtverhältnisse unsere Stimmung beeinflussen, überrascht es nicht, dass saisonal-affektive Störungen (umgangssprachlich "Winterdepressionen") leider weit verbreitet sind.

4. Sozialdemokratie und Familienförderung

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Die nordischen Länder, die sich vor hundert Jahren das Konzept der Sozialdemokratie zu Eigen machten, verfügen mit über die besten Sozialversicherungssysteme und sozialen Einrichtungen weltweit.

Vor allem Familien mit Kindern profitieren davon, dass sie -- kostenlos oder mit vertretbarem Aufwand - Kinderbetreuung, Schulen und medizinische Versorgung in Anspruch nehmen können. Es gibt auch internationale Privatschulen, aber Eltern, die einen längeren Aufenthalt anstreben, sei empfohlen, ihre Kinder einfach an einer staatlichen Schule anzumelden.

Progressive Steuersätze

Durch progressive Steuersätze, die mit wachsendem Einkommen stark ansteigen, betreiben die Regierungen gezielt Umverteilungspolitik. Dieser Faktor spielte eine große Rolle bei der Entwicklung der Staaten zu den egalitärsten Gesellschaften weltweit.

Ziel ist, möglichst gleiche Chancen für alle Bürger zu schaffen. Familien aus höheren Einkommensschichten müssen daher darauf gefasst sein, einen Großteil des Gehalts direkt an den Fiskus abzutreten. Steuern auf kommunaler Ebene und Kapitalertragssteuern haben aber zumeist konstante Steuersätze.

5. Raus an die frische Luft!

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Obwohl Schönheit im Auge des Betrachters liegt, zweifelt wohl niemand an der geradezu magnetischen Anziehungskraft der nordischen Landschaft: Norwegens atemberaubende Fjorde, das malerische Åland in der Ostsee, Lapplands arktische Bergketten... Kein Wunder, dass die Einheimischen das Leben in der freien Natur lieben.

Auf Neu-Deutsch heißt das "outdoor", in Skandinavien sagt man friluftsliv. Fast jede Familie hat eine Hütte für die Sommerfrische -- sei es in den norwegischen Bergen, den schwedischen Schärenlandschaften oder an einem von Finnlands 42.200 Seen.

Sogar dicht besiedelte Ballungsräume wie Stockholm, Oslo und Helsinki haben überall im Stadtgebiet ausgedehnte Grünflächen, die sich gerade bei Familien und Studenten großer Beliebtheit erfreuen. Stockholms Hagapark, Oslos Frognerpark und der Kaivopuisto in Helsinki sind besonders zu empfehlen.

Wintersportler

Obwohl nicht alle begeisterte Wintersportler sind (und Babys nicht mit Skiern an den Füßchen geboren werden), bleiben Wintersportarten dennoch das Lieblingshobby der breiten Bevölkerung. Also keinesfalls die Gelegenheit auf eine Skitour verpassen! Die Pisten können nicht wirklich mit den Alpen konkurrieren, aber Langlauffans kommen voll auf ihre Kosten. Im Sommer geht man wandern oder segeln.

Egal wohin genau es euch verschlägt, wir gratulieren zu eurer Entscheidung! Ihr werdet sie bestimmt nicht bereuen.


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