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05/07/2015 11:19 CEST | Aktualisiert 06/07/2016 07:12 CEST

Bargeld wird es bald nicht mehr geben

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© Hubert Burda Media

Schweden führte 1661 als erstes europäischen Land das Papiergeld ein und wird wohl auch das erste Land sein, dass es wieder abschafft. An fast allen Kneipen oder Supermärkten kann man lesen: „Vi hanterar ej kontander" ("Wir akzeptieren kein Bargeld"). Im Einzelhandel wird bereits 95 Prozent des Umsatzes bargeldlos abgewickelt. Selbst die Strassenhändler in Stockholm haben portable Kreditkarten-Terminals.

"Bargeld braucht nur noch deine Oma - und der Bankräuber" heißt der Slogan der Kampagne „Bargeld jetzt". Und die Botschaft ist klar: Münzen und Scheine passen nicht mehr in die moderne Welt - Bargeld ist uncool geworden. Die anderen skandinavischen Länder blasen ins gleiche Horn. Wenn es stimmt, dass der Norden oftmals eine Vorreiterrolle bei Gesellschaftlichen Entwicklungen einnimmt - immerhin führte Finnland 1906 auch als erstes europäisches Land das Frauenwahlrecht ein - ist klar, wohin die Reise geht.

Generationenwechsel

„Es kann doch nicht angehen, dass wenn ich abends noch ein Bier in der Kneipe um die Ecke trinken will, ich den Umweg über den Geldautomaten machen muss, um noch ein paar Scheine abzuholen, die ich dann der Bar übergebe. Das ist so 1980. Die junge Generation will das nicht mehr„ sagt Joachim Penk von dem FinTech-Startup figo. Was uns beim Thema Bezahlen möglicherweise erwartet, wenn junge IT-Profis sich über die Zukunft des Bankings Gedanken machen, zeigen die Entwicklungen die jüngst auf dem Burda Hackday in Kooperation mit der HypoVereinsbank zum Thema „Future of Finance" vorgestellt wurden.

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© Hubert Burda Media

Rund hundert junge Coder, Designer und Finanzexperten arbeiteten zwei Tage an neuen Apps und Features, die das Bezahlen wie wir es heute kennen revolutionieren könnten. Die Ergebnisse waren beeindruckend.

Beispiel: Man stelle sich eine Gruppe von Freunden beim Italiener um die Ecke vor. Bargeld hat natürlich niemand dabei. Einer zahlt also mit seiner Bankkarte und bekommt das Geld von seinen Freunden mit der PocketMoney-App ohne Zeitverzögerung überweisen. Sogar an eine Version für die Apple Watch haben die Entwickler gedacht.

Oder mit der Idee von Puls'ation sollen Kalorien künftig zu Cash werden. Das Konzept: Ein Sportgeschäft bietet beispielsweise für die neuesten Laufschuhe einen Rabatt von 20 Prozent wenn der Kunde mit Puls'ation eine bestimmte Anzahl Kalorien verbrannt hat.

Kaum Bedenken

Thomas Bümsen, Innovationmanager der HypoVereinsbank, sieht einen klaren Trend hin zum mobilen Bezahlen und vergleicht die Entwicklung mit den Umwälzungen, die Printmedien durch die Digitalisierung erfahren haben. Und die Bedenken? Klar gäbe es Sorgen wegen Big-Data und zunehmender Überwachung, hört man bei den Teilnehmern aber die Vorteile würden doch klar überwiegen.

"Überall Bargeldlos bezahlen wäre echt cool", sagt einer der Programmierer. "Security steht gegen Convinience. Und da ist der Gewinner klar: Die Leute haben heute einfach kein Interesse an mehr Sicherheit, wenn dadurch der Komfort einer Anwendung leidet", sagt Penk und zudem sei die Technik inzwischen soweit, dass dank neuester Verschlüsselungsverfahren auch das Bezahlen mit dem Smartphone relativ sicher ist. Ganz auf das Bargeld verzichten will so mancher Teilnehmer aber dann doch nicht: "Bargeld ist schon gut, wie soll mir meine Oma sonst etwas zustecken."


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