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04/12/2016 08:19 CET | Aktualisiert 05/12/2017 06:12 CET

Warum in der "Höhle der Löwen" so oft ängstliche Persönlichkeiten sitzen

dpa

Der Gründergeist greift auch in Deutschland um sich. Das Thema Startup ist in aller Munde - Zumindest wenn man Fernsehen schaut, Zeitungen liest und die Startup-Initiativen der Politik beachtet. Die Popularität wird auch an Sendungen wie "Höhle der Löwen" deutlich, die nach dem amerikanischem Vorbild "Shark Tank" gestrickt ist. 3 Millionen Menschen schauen im Durchschnitt die Sendung.

Damit nicht genug. Während die Politik keine Träume und Zukunfsvisionen mehr bietet, sondern nur noch Krisen und tägliche Schadensbegrenzung, nehmen Unternehmer wie Richard Branson, Steve Jobs, Elon Musk und Jeff Bezos den Status von Helden ein. Sie sind die Vorbilder junger Gründer und ihre Träume reichen sprichwörtlich bis zum Mars.

The hero's journey

Während das mediale Heldenbild locker gekleidete Milliardäre zeigt, wird gerne vergessen, was diese Helden erst zu Helden machte. Die Heldenreise. Oder Hero's Journey.

Das bedeutet, Helden fallen nicht vom Himmel, sondern gehen durch einen intensiven Prozess, in dem sie sich ihren tiefsten Ängsten, Herausforderungen und Emotionen stellen müssen. Das Thema des Helden, der sich auf eine Reise in die Unterwelt begibt, ist nicht neu. Vermutlich ist es so alt wie die Menschheit selbst. Mit der ersten Schritt tauchen gleich die ersten Heldenmythen auf.

Mehr zum Thema: "Die Höhle der Löwen": Warum der größte Deal der Sendung nie zustande kam

Das Muster ist immer ähnlich: Der Held erhört den Ruf zum Abenteuer. Er begibt sich auf eine Reise in die Unterwelt. Dort begegnen ihm Dämonen und lebensbedrohliche Gefahren. Er schafft es an den Schatz zu kommen. Flüchtet, steigt aus der Unterwelt und kommt als Sieger nach Hause zurück.

Genauso spüren Gründer den Ruf zum Gründen. Sie stürzen sich in den Abgrund des Unbekannten. Jede Veränderung in der Firma birgt Gefahren und konfrontiert den Gründer mit seinen Ängsten, Emotionen und dem wer er/sie glaubt zu sein. Wächst der Gründer in diesem Prozess über sich hinaus wird er zum erfolgreichen Helden.

Diesen Herausforderungen stehen Gründer gegenüber:

Angst

Hinauswachsen geschieht aber nicht planbar im sicheren Rahmen. Wachstum erfordert Mut. Mut, einen Schritt ins Leere zu tun. Man stürzt sich in etwas Neues. Das fühlt sich oft wie luftleerer Raum mit viel Unsicherheit an. Die Angst des Überlebens ist eine der größten Ängste von Gründern, die dort zum Vorschein kommt. Alles Finanzielle ist damit automatisch verknüpft. Die emotionale Belastung ist nicht zu unterschätzen.

Wie in einer Tierdoku geht es in der Business Welt ums Überleben. Viel Raum für Fehler gibt es für Gründer nicht.

Dazu kommt die Angst zu versagen. "Was passiert wenn ich pleite gehe und mein eigenes Baby sterben muß?", "Was werden die anderen von mir denken?"

Ein Teil dieser Ängste ist völlig berechtigt und real. Gleichzeitig hat Angst die Eigenschaft sich zu verselbständigen. Sie wird zur "Angst vor der Angst" und macht Menschen handlungsunfähig. Hier hilft, nicht den letzten eigenen Cent in das Unternehmen zu investieren und genau zu überlegen, was man im schlimmsten Fall für Optionen hat. Damit ist der Verstand beruhigt und das Risiko wird kalkulierbar.

Selbstbild

Die Ideale, Ideen und Visionen eines Gründers werden sich mit der Realität dort draußen messen müssen. Schnell kann sich Ernüchterung einstellen, ist dieses Feedback von Kunden, dem Marktumfeld und Investoren anders als erwartet. Der häufigste Fehler ist, sich das so zu Herzen zu nehmen, dass man glaubt, es hätte mit einem selbst als Mensch etwas zu tun: "Offensichtlich bin ich ein Anderer, als ich von mir dachte". "Wenn das so ist, muss ich ein schlechter und liebenswürdiger Mensch sein."

Da unser Selbstbild sehr hartnäckig ist und stark von unserer Herkunftsfamilie geprägt ist, ist das eine der schwierigsten Aufgaben für Gründer. Zu lernen wer sie eigentlich sind und zu lernen, ihre Identität nicht mit dem Erfolg des Business gleichzusetzen.

Sinn

Sinnkrisen tauchen in schwierigen Situationen automatisch auf. Sie zielen auf das Selbstbild und den Selbstwert. Man stellt sich und das eigene Tun grundlegend in Frage. "Warum mach ich das alles überhaupt?", "Was erwarte ich überhaupt von der Welt?"

Ist die ehrliche Antwort "Geld, Einfluss, Status oder um Mama oder Papa stolz zumachen", wird man in der Krise keinen echten Sinn finden. Warum? Weil die Zielbilder und die Motivation extern liegen. Wer diese Fragen vor einer Gründung grundlegend für sich klärt, hat es einfacher, durch die Krise zu kommen.

Echter Sinn kommt von Innen. Sinn entsteht durch das Bedürfnis, sich selbst als Wesen auszudrücken. Korrekter Selbstausdruck ist immer durch Freude und Leichtigkeit zu erkennen. Im echten Selbstausdruck wird Arbeit zum Flow und Beruf zur Berufung.

Alleinsein

Wenn man mit seinen tiefsten Ängsten, dem Lebenssinn und dem, wer man zu sein scheint, konfrontiert wird, stellt sich schnell ein Gefühl von Alleinsein ein. Andere, die nicht auch durch diese tiefen Täler wandern, verstehen einen nicht wirklich.

Man fühlt sich isoliert und hat die Tendenz sich zurückzuziehen, weil die Welt gefühlt aus ihren Fugen geraten ist. Rückzug macht es in der Regel schlimmer, da in der Stille das Gedankenkarussell sich noch schneller dreht.

Was hilft, ist sich frühzeitig ein Netzwerk von Menschen in der gleichen Situation aufzubauen. Ehrlicher Austausch mit befreundeten Gründern und Geschäftsführern, bei dem die Ängste und Schwierigkeiten offen thematisiert werden, schafft Verbindung und Gemeinsamkeit.

Außerdem hilft es, sich bewusst Zeit für Hobbies, den Partner, Kinder und Freunde zu nehmen. Das Problem vieler Gründer ist, dass sie zu viel arbeiten und sich selbst dadurch kaputt machen. Leben braucht Ausgleich. Es kommen neue Impulse, Entspannung und man merkt, dass man nicht alleine ist.

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Damit kommen wir zum letzen Punkt. Menschen wissen intuitiv, dass Unternehmertum große Risiken birgt. Das ist der Grund, warum ein Großteil lieber in vermeintlich sicheren Angestelltenpositionen arbeitet.

Gleichzeitig muss ein Unternehmer den Mut haben, in die eigene Unterwelt hinabzusteigen und sich den Dämonen zu stellen. Das garantiert zwar nicht zwangsläufig den Unternehmenserfolg, aber es garantiert das eigene Wachstum.

Menschen, die sich dieser Herausforderung gestellt haben und immer wieder stellen, wirken spürbar anders auf ihre Mitmenschen. Deshalb ist es nicht das Geld oder der Erfolg, das den Helden von anderen Menschen unterscheidet, sondern der Mut sich sich selbst zu stellen und daran zu wachsen.

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