BLOG
29/11/2015 05:30 CET | Aktualisiert 29/11/2016 06:12 CET

Ich wusste nicht, dass ich introvertiert bin. Ich dachte einfach, ich hasse Menschen

Thinkstock

Ich muss euch ein Geständnis machen. Ich bin nicht so, wie ihr denkt. Ich bin in Wahrheit nicht so geistreich und unverblümt wie es hier scheint. Sicher, ich bin lustig, sogar urkomisch, aber nicht von Anfang an.

Anfangs bin ich eher die, die unbeholfen herumsteht und merkwürdigen Smalltalk macht, der allen unangenehm ist. Ich sage Dinge, ohne sie vorher zu durchdenken oder ich stehe stumm da und grinse wie ein Idiot.

Je älter ich werde, desto mehr wird mir das bewusst. Ich weiß, wie ich mich verhalte, ich sehe die Schwachstellen darin, aber ich mache trotzdem weiter.

Meistens hasse ich es, an gesellschaftlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Ich hasse Smalltalk und ich weiß nie, mit wem ich reden soll. Ich mag es nicht, auf Menschen zuzugehen und ein Gespräch anzufangen. Ich war nie gut darin, mit Fremden zu quatschen. Ehrlich gesagt dachte ich, dass ich Menschen eben einfach nicht leiden kann.

Nicht euch natürlich, aber andere Leute.

Doch je mehr ich über mich lerne, desto mehr wird mir klar, dass es nicht daran liegt, dass ich die Menschen nicht mag. Ich liebe sie! Die meisten jedenfalls. Die Menschen sind nicht das Problem, ich möchte einfach nur nicht in ihrer Nähe sein.

Ich bleibe lieber zu Hause , unter einer Decke auf dem Sofa, weit weg von den Menschen. Ich mag die Menschen in kleinen Dosen und danach brauche ich eine lange Pause von den Menschen.

Ich bin introvertiert und das wusste ich gar nicht.

Jahrelang bin ich davon ausgegangen, das ich extrovertiert bin. Weil ich laut bin, weil ich mich unter meinen Leuten pudelwohl fühle und weil ich gerne auf Partys gehe.

Aber ich möchte auf Partys nicht mit Menschen sprechen. Ich möchte mit meiner kleinen Gruppe von Freunden laut sein und alle anderen ignorieren. Ich dachte immer, ich bin nur eine unhöfliche Extrovertierte.

Nope, ich bin introvertiert. Und es hat einige Persönlichkeits-Tests gebraucht, bis ich das endlich akzeptieren konnte. Als ob es eine Schande wäre, introvertiert zu sein.

Ich wollte die einladende, freundliche und gütige Person sein, die überall hingehen und mit jedem sprechen kann. Doch alleine diesen Satz zu tippen, lässt mich schaudern.

Ich möchte das eigentlich gar nicht, ich dachte nur, es wäre cool, so zu sein. (Ihr wisst schon, wenn ich darüber tagträume wie cool ich bin, weil ich an einem Freitagabend seit fünf Stunden mit einem Buch in meinem Bett sitze. Ich will mein Haus oder sogar mein Bett gar nicht verlassen, aber wenn ich es täte, Gott stehe euch bei, dann würde ich die Party rocken.)

Zu realisieren, dass ich introvertiert bin, war befreiend. Ich muss keine Angst haben, dass mit mir etwas nicht stimmt, wenn ich nicht drei mal hintereinander ausgehen möchte. Wenn ich mich einfach nur nach einem Abend mit meiner kleinen Familie und meinem kuscheligen Hund sehne. Wenn ich mich sogar an dem meisten Abenden danach sehne.

Okay, wenn ich das jeden Abend möchte.

Ich bin gerne zu Hause und mache etwas zu essen (oder bestelle Pizza, lasst uns ehrlich sein). Ich sortiere gern meinen Schrank und ich mag es, bei einem guten Buch einzuschlafen. Ich mag es, in meinem Büro zu sitzen, nachdem die Mädchen eingeschlafen sind, und stundenlang zu schreiben.

Ich mag es, dass mein Mann den ganzen Abend fernsehen möchte, sodass ich alles tun kann, was mein kleines Herz begehrt. (Wisst ihr, was mein Herz am meisten begehrt? Herumwerkeln. Ich mag es am Haus herumzuwerkeln, irgendwelche Dinge zu tun, total stumpfsinnig, aber beruhigend.)

Irgendwann entstand dieser Gedanke, dass es falsch ist, diese Dinge zu wollen. Vielleicht ist es einfach das Alter, das mir hilft, mich mit mir selbst wohler zu fühlen. Ein introvertierter Mensch, der lieber wenige enge Freunde hat als eine Million Sozusagen-Freunde. Jemand der Energie daraus zieht, mit sich selbst allein zu sein.

Und das ist schwer, wenn man zwei kleine Mädchen hat, die ihre Mama die ganze Zeit wollen. Und das ist schwer, wenn ich den ganzen Tag Kinder unterrichte, die nie aufhören, meinen Namen zu sagen und ihre Hände zu heben, weil sie Fragen haben. Und das ist schwer, weil das Leben geschäftig ist, dein Leben ist geschäftig und mein Leben ist geschäftig.

Aber jetzt, da ich weiß, wer ich bin und was ich brauche, belebt und inspiriert es mich, das zu einer Priorität zu machen. Ich bin also hier, um voller Stolz zu sagen, dass ich introvertiert bin und ich mag es, ich selbst zu sein.

Puh, bin froh, dass ich das loswerden konnte.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Gina Louisa Metzler aus dem Englischen übersetzt.

Lesenswert:

Video:Psychologen enthüllen: Wenn Sie auf diese neun Dinge verzichten, werden Sie sofort erfolgreich

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite