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16/03/2014 04:56 CET | Aktualisiert 16/05/2014 07:12 CEST

Clusterpolitik und Masterplan des Berliner Senats

Berlin betreibt seit Ende der 1990er Jahre eine aktive Wirtschaftspolitik, um einzelne Branchen in der Region zu fördern. Dies wird in Form einer Clusterförderung in der deutschen Hauptstadt umgesetzt. Aber Berlin hat wirtschaftspolitisch noch viel zu tun.

Berlin betreibt seit Ende der 1990er Jahre eine aktive Wirtschaftspolitik, um einzelne Branchen in der Region zu fördern. Dies wird in Form einer Clusterförderung in der deutschen Hauptstadt umgesetzt. Dem liegt die Idee zugrunde, die Stärken der Berliner Wirtschaft stetig weiterzuentwickeln. Ein Clusterkonzept verfolgt grundsätzlich die Strategie, regionale Stärken zu bündeln, die beteiligten Akteure zu vernetzen und dadurch die vorhandenen Potenziale besser zu nutzen.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts begründete Alfred Marshall die Herausbildung von Clustern durch einen spezialisierten Arbeitspool, der Technologieübertragung innerhalb einer Region und die Infrastruktur, die in der Summe die Anreize zur räumlichen Konzentration von Unternehmen erhöhen. Paul Krugman erklärte Anfang der 1990er Jahre mit der Neuen Ökonomischen Geographie die Entstehung von Clustern durch steigende Skalenerträge bei den Unternehmen, ungleiche Mobilitätskosten bei Konsumenten und Arbeitskräften, die zur Auswahl des Arbeits- und Wohnortes beitragen, sowie den Handels- und Transportkosten, die die Entscheidung eines Unternehmens bei der Standortwahl beeinflussen. Unternehmen gruppieren sich nach der Neuen Ökonomischen Geographie regional, da dadurch für sie Skalenerträge durch sinkende Durchschnittskosten aufgrund von Spezialisierungsvorteilen erzielt werden können. Durch diese positiven Effekte gewinnen Unternehmen in Clustern an Wettbewerbsfähigkeit und können sich im globalen Umfeld besser positionieren.

Am 21. Juni 2011 verabschiedeten der Senat von Berlin und die Regierung des Landes Brandenburg eine gemeinsame Cluster-Strategie, um die Innovationspotenziale und Synergien der beiden Bundesländer effizient auszuschöpfen. Die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg fördert fünf Cluster:

1) die Gesundheitswirtschaft

2) die Informations- und Kommunikationswirtschaft, Medien und Kulturwirtschaft

3) die Mobilität, den Verkehr und die Logistik

4) die Energietechnik

5) die optischen Technologien (einschließlich Mikrosystemtechnik)

Für jeden dieser Cluster existiert ein länderübergreifendes Clustermanagement, das in enger Abstimmung der beiden Bundesländer die Entwicklung der strategischen Wirtschaftsfelder umsetzt.

Ziele der gemeinsamen Cluster-Strategie von Berlin und Brandenburg sind die Sicherung der Innovationsfähigkeit der Region, der Ausbau des Dialogs zwischen der Wirtschaft und der Wissenschaft, die Bündelung themenbezogener Kompetenzen, die Gewährleistung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, die Berücksichtigung standortspezifischer Prägungen, die Priorisierung nachhaltiger Innovationen, die Schaffung dauerhafter Strukturen, die Einbeziehung relevanter Ressourcen sowie die Sicherstellung von Transparenz und einer Erfolgsmessung.

Es wurden für die fünf Cluster jeweils Handlungsfelder definiert, die Schwerpunktbereiche der Branchen darstellen und regional aktiv gefördert und weiterentwickelt werden sollen. Die Berliner Cluster werden durch die Wissenschaftseinrichtungen der Hauptstadt gestützt. Die Cluster haben ganz besonders zur guten wirtschaftlichen Entwicklung Berlins in den vergangenen Jahren beigetragen und die Vernetzung des Wissenschaftspotenzials mit dem Know-how der regionalen Wirtschaft verstärkt.

Unterstützt wird diese Cluster-Strategie durch den „Masterplan Industriestadt Berlin 2010 - 2020" des Berliner Senats. Dieser soll eine Grundlage für eine moderne Industriepolitik in der Hauptstadt legen und in den vier Aktionsfeldern Rahmenbedingungen, Fachkräfte, Innovationen und Standortkommunikation neue Impulse für ein stärkeres Wirtschaftswachstum geben. Das Land Berlin hat in diesem Masterplan sechs Leitlinien zur Förderung der Industriepolitik in der deutschen Hauptstadt formuliert:

1) Das Bewusstsein für die Bedeutung der Berliner Industrie fördern: Damit soll das Handeln der Politik, Wissenschaft, Verwaltung und Bevölkerung stärker auf diese Unterstützung der lokalen Unternehmen ausgerichtet werden.

2) Die Industriepolitik als Querschnittaufgabe umsetzen: Dadurch soll die Zusammenarbeit ressortübergreifend verbessert werden.

3) Die Innovationsfähigkeit der Berliner Industrie stärken: Dabei soll der Technologietransfer in der Region gestärkt werden.

4) Eine integrierte Standortpolitik in der Hauptstadtregion vorantreiben: Die Vernetzung mit dem Bundesland Brandenburg soll ausgebaut werden, um Synergieeffekte zu erzielen und Mehrfachstrukturen zu vermeiden.

5) Unternehmensnetzwerke am Standort Berlin fördern: Diese regionale Zusammenarbeit soll im globalen Wettbewerb Vorteile bringen.

6) Die Akteursvielfalt nutzen und Dialoge fördern: Anregungen für die weitere Entwicklung des Wirtschaftsstandortes können so in den Prozess mit einbezogen werden.

Trotz dieser Anstrengungen der Berliner Wirtschaftspolitik gehörten die Cluster in der deutschen Hauptstadt laut einer Studie von McKinsey aus dem Jahr 2010 allerdings nicht zu den herausragenden nationalen und internationalen Standorten. Das bedeutet: Berlin hat wirtschaftspolitisch noch viel zu tun. Und die Cluster-Strategie wird sich erst Stück für Stück bezahlt machen.

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