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25/08/2014 08:39 CEST | Aktualisiert 25/10/2014 07:12 CEST

Innovationsfinanzierung in Deutschland

Fortschritt durch Forschung und Entwicklung, das ist unser Motor. Diese Kurzformel bringt auf den Punkt, was wir schon lange wissen: Nur durch konsequente Innovation bleibt die deutsche Wirtschaft stark und kann sich im internationalen Wettbewerb durchsetzen.

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Vorschläge für die Verbesserung der Finanzierung von Forschung und Entwicklung im innovativen Mittelstand

Fortschritt durch Forschung und Entwicklung, das ist unser Motor. Diese Kurzformel bringt auf den Punkt, was wir schon lange wissen: Nur durch konsequente Innovation bleibt die deutsche Wirtschaft stark und kann sich im internationalen Wettbewerb durchsetzen. Was aber, wenn die Finanzierung dieser Innovationsanstrengungen nicht hinreichend funktioniert?

Deutschland - als Land der Denker und Erfinder - liegt (noch) mit an der Spitze im globalen Innovationswettlauf.

Es gilt diese Spitzenstellung zu sichern, um als Hochlohnland auch künftig mit hochwertigen, innovativen Produkten, Verfahren und Dienstleistungen einen attraktiven Technologiestandort darzustellen, der die Grundlage für Wachstum, Arbeitsplätze und Wohlstand bildet.

Dabei ist der innovative Mittelstand das Rückgrat der deutschen und europäischen Wirtschaft als Hauptträger von Beschäftigung und Nährboden für neue Geschäftsideen und Entwicklungen. Diese Innovationen und deren Entwicklung müssen zunächst finanziert werden, ehe sie sich positiv auf die Wirtschaft auswirken können.

In der Finanzierung von Spitzentechnologien bestehen hierbei zum Teil erhebliche Probleme in Deutschland. Es gibt nicht genügend Kapital für die Finanzierung von jungen, innovativen Wachstumsunternehmen, da diese, aus Sicht der Investoren, ein zu hohes Risiko darstellen.

Auf der anderen Seite tragen diese Unternehmen das Potenzial in sich, hohe Renditen zu erwirtschaften. Dies hat auch die Bundesregierung erkannt und im Koalitionsvertrag festgehalten:

„Wir wollen die Attraktivität von Beteiligungsinvestitionen insbesondere bei neu gegründeten Unternehmen steigern. Dazu werden wir entsprechend der vorhandenen Mittel die Rahmenbedingungen für Investoren verbessern, die mit ihrem Geld junge, wachstumsstarke Unternehmen vor allem im High-Tech-Bereich unterstützen. Mit dem High-Tech Gründerfonds steht ein gutes Instrument für die Frühphasenfinanzierung zur Verfügung, das auskömmlich fortgesetzt werden soll. Wir wollen die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapital international wettbewerbsfähig gestalten und Deutschland als Fondsstandort attraktiv machen. Hierfür ist ein eigenständiges Regelwerk erforderlich."

Maßnahmen zur Verbesserung der Beteiligungsinvestitionen sind in Deutschland dringend notwendig. Während Deutschland bei vielen Standortfaktoren im internationalen Vergleich gut abschneidet, sind die Rahmenbedingungen für die Finanzierung von jungen Wachstumsunternehmen schlecht.

Ausweislich der Erhebung von VC-Investitionen für 2013 im europäischen Vergleich der Europäischen Eigenkapital und Venture Kapital Organisation (EVCA) belegt Deutschland nur einen Platz im Mittelfeld. Lediglich 0,026 % des Bruttoinlandprodukts (BIP) konnten als Venture Kapital (privates Beteiligungskapital) eingeworben werden.

Andere Länder Europas warben 0,06 Prozent des BIP ein, in den USA gingen 0,17 Prozent in Israel sogar 0,39 Prozent des BIP in innovative Wachstumsunternehmen (EVCA, OECD). Betrachtet man speziell die Venture Kapital Investitionen in Biotechnologieunternehmen, belegt Deutschland im europäischen Vergleich den letzten Platz der Top Ten mit 0,55 Mio. US $ pro Biotech-Unternehmen, während die Biotechfirmen in den USA fast vier Mal so viel Kapital (2,07 Mio US Dollar) zur Verfügung haben (EY Biotechnologie Report 2014).

Seit dem Auslaufen der Boomjahre für High-Tech Neugründungen um die Jahrtausendwende beklagen vor allem Firmen aus dem Bereich der roten, medizinischen Biotechnologie die großen Probleme, Eigenkapital (z. B. aus Venture Kapital) einzuwerben.

Entwicklungen von Therapeutika sind grundsätzlich langwierig (im Durchschnitt 12 Jahre) und haben einen hohen Finanzierungsbedarf (ca. 1 Mrd. Euro). Während die so genannte Seed-Phase am Beginn der Unternehmensgründung noch vergleichsweise leicht zu finanzieren ist und hierfür geeignete Fördermittel der Bundesregierung zur Verfügung stehen, fehlt für die anschließenden Wachstums- und Proof of Concept-Phasen mit teurer klinischer Prüfung das Geld. Diese Tatsache wird auch gerne mit Begriffen wie „Marktversagen", „Tal des Todes" oder „Grand Canyon" umschrieben.

Weil Venture Kapital im Moment nicht nur für die Biotechnologieunternehmen in Deutschland weitgehend unerreichbar ist und auch andere innovative mittelständische Branchen unter der Zurückhaltung der Investoren leiden, hat BIO Deutschland eine Analyse angefertigt, die Möglichkeiten aufzeigt, wie Anreize für Venture Kapital Investitionen in Deutschland effektiver erfolgen können.

Untersucht wurden: eine Befreiung von der Abgeltungssteuer für Kapitaleinkünfte der Investoren (1), wie sie auch außerhalb der Spekulationsfrist für Kursgewinne von Beteiligungen unter 1 % vor der Unternehmenssteuerreform 2008 Anwendung fanden.

Diese Maßnahme würde die Rendite ausschließlich im Erfolgsfall erhöhen. Als bereits etablierte Maßnahme wurde das Programm „INVEST-Zuschuss für Wagniskapital" ebenfalls in die Analyse eingeschlossen (2).

Außerdem wurde die Einführung eines deutschen Innovationsfonds (DIF) (3) analog zu französischen bzw. englischen Bürgerinnovationsfonds betrachtet, der die Effekte der Alternative (1) und (2) bündelt. Als letzte Maßnahme wurde die Einführung von Steuergutschriften (Tax Credits) in unterschiedlicher Höhe für innovative KMU (4) in den Vergleich mit einbezogen.

Jeder dieser Vorschläge birgt individuelle Vor- und Nachteile sowohl für Investoren, Biotechunternehmen und den Staat. Grundsätzlich haben die Maßnahmen mit Steuervergünstigungen für den Staat immer den Nachteil, dass die finanziellen Auswirkungen a priori schwerer kalkulierbar sind, als wenn beispielsweise eine Fördersumme festgesetzter Größe zur Verfügung gestellt wird.

Bei der Analyse wurde zum einen die Wirkung für das Unternehmen bzw. den Investor unter Betrachtung des Gewinns, der Internal Rate of Return und der Rendite-Risiko-Relation sowie die Wirkung für den Staat unter Effizienzgesichtspunkten betrachtet.

Im Ergebnis schlägt der Verband vor, das bestehende Programm „INVEST - Zuschuss Wagniskapital" zu erweitern und deutlich aufzustocken. Es richtet sich bisher insbesondere an Business Angels.

Die Investoren in junge, innovative Unternehmen erhalten einen Zuschuss von 20 Prozent des Investitionsbetrags bei Anteilserwerb. Sinnvoll wäre eine Erweiterung für alle Investoren in innovative Unternehmen sowie das Programm volumenmäßig aufzustocken.

Zum untersuchten Bürgerinnovationsfonds hat sich der Verband an den Initiativen in Frankreich und Großbritannien orientiert. In Frankreich als „Fonds Commun de Placement dans l'Innovation" schon seit 1997 etabliert und in Großbritannien als „Citizens' Innovation Funds" für 2015 geplant, sollen diese Maßnahmen Privatanleger mit mittlerem bis großem Vermögen motivieren, ihr Vermögen in Hightech-Fonds zu investieren.

Sie erhalten dafür als Anreiz steuerliche Abschreibungen in einer bestimmten Höhe des Investments sowie Steuerfreiheit für die Rendite. In der BIO Deutschland Analyse zeigt sich, dass ein Deutscher Innovationsfonds (DIF) für Investoren unter dem untersuchten Rendite-Risiko-Verhältnis die vorteilhafteste aller untersuchten Maßnahmen darstellen würde.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass interessante Vorschläge und konkrete Konzepte für eine Fortentwicklung bestehender Maßnahmen ebenso wie die Einführung neuer Maßnahmen vorliegen. Die Maßnahmen sind geeignet, die derzeit schlechte Finanzierungssituation in Deutschland signifikant zu verbessern.

Politik und Unternehmer sind sich diesbezüglich einig, dass Verbesserungen notwendig sind, damit Innovationen „Made in Germany" im internationalen Wettbewerb auch weiterhin vorn dabei sind.