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26/02/2014 03:14 CET | Aktualisiert 28/04/2014 07:12 CEST

Die Wiedervereinigung: Zusammenbruch und Aufstieg Berlins zur deutschen Hauptstadt

In Berlin kam es mit der deutschen Wiedervereinigung zu einer deutschen Besonderheit: Zwei nicht marktwirtschaftliche Teilwirtschaften mussten sich nun einem globalen Wettbewerb stellen. West- und Ost-Berlin hatten dabei jeweils ihre eigenen, recht unterschiedlichen Probleme.

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In Berlin kam es mit der deutschen Wiedervereinigung zu einer deutschen Besonderheit: Zwei nicht marktwirtschaftliche Teilwirtschaften mussten sich nun einem globalen Wettbewerb stellen. West- und Ost-Berlin hatten dabei jeweils ihre eigenen, recht unterschiedlichen Probleme. In Berlin haben sich aufgrund der Wiedervereinigung und der Globalisierung tiefgreifende strukturelle Veränderungen ergeben. Diese Veränderungen werden an folgenden Zahlen sehr verständlich: Von den 297.000 Arbeitsplätzen des Jahres 1991 im verarbeitenden Gewerbe waren zehn Jahre später noch 90.000 geblieben, in Ost-Berlin waren in den Altbetrieben von 110.000 Beschäftigten nur noch 7.900 an ihrem alten Arbeitsplatz.

In West-Berlin fand ein Umbau, in Ost-Berlin ein Neuaufbau der regionalen Wirtschaft statt. Dabei sind 90 Prozent der Unternehmen im Berliner Osten seit 1990 neu entstanden. Auch heute leidet Berlin weiterhin an den Folgen der Wiedervereinigung mit dem Mangel an Industriearbeitsplätzen. Da jeder Arbeitsplatz in der Industrie in etwa drei weitere im Dienstleistungsbereich nach sich zieht, hat Berlin auch deswegen eine der höchsten Arbeitslosenquoten im bundesweiten Vergleich.

Die West-Berliner Wirtschaft wurde in Zeiten der Teilung durch die Berlinförderung unterstützt. Nach der Wiedervereinigung wurde diese finanzielle Unterstützung schnell abgebaut. Der Fonds Deutsche Einheit, der Länderfinanzausgleich und der Solidaritätszuschlag konnten nur einen Teil der Mindereinnahmen auffangen. „Berlin ist so lange, wie sich die finanzhistorischen Quellen zurückverfolgen lassen, keine Kommune gewesen, die sich aus sich selbst heraus hätte finanzieren können", fasste die Senatsverwaltung für Finanzen die Schuldengeschichte der Stadt zusammen.

Der Aufschwung der Berliner Wirtschaftsleistung umfasst den Zeitraum nach der Wiedervereinigung bis zum Jahr 1995. Nach anfänglich hohen Wachstumsraten setzte eine Phase der Stagnation ein, verbunden mit einem deutlichen Rückgang des preisbereinigten Bruttoinlandsproduktes von 1996 bis 2004. Die Wirtschaft in der Hauptstadt wuchs anschließend ab dem Jahr 2005 fast durchgängig über dem Bundesdurchschnitt. Auch die Wirtschafts- und Finanzkrise konnte diese Entwicklung nicht unterbrechen. Im Gegenteil - Berlin ist durch seine Wirtschaftsstruktur stärker aus der Krise hervorgegangen als die Bundesrepublik Deutschland.

Durch die Wiedervereinigung wurde ein Einheitsboom im neuen Groß-Berlin bewirkt. Der Fall der Mauer führte in West-Berlin zu einem Nachfrageschub. Nach der Wiedervereinigung stieg in den ersten vier Jahren das gesamtostdeutsche Bruttoinlandsprodukt einschließlich Berlin mit jährlichen Wachstumsraten von bis zu 9,3 Prozent. Es wurde erwartet, dass dieser wirtschaftliche Aufschwung anhalten und zu einer neuen Blüte Berlins führen würde. Doch es zeigte sich, dass die aus der Zeit der deutschen Teilung stammenden Strukturdefizite der Berliner Wirtschaft schwerwiegender waren als angenommen.

Zwischen den Jahren 1996 und 2004 schrumpfte das preisbereinigte Berliner Bruttoinlandsprodukt um mehr als neun Prozent, während es sich bundesweit um etwa elf Prozent erhöhte. In diesem Zeitraum entwickelte sich die Berliner Wirtschaft somit um über 20 Prozent schlechter als im übrigen Bundesgebiet. Diese negative regionale wirtschaftliche Entwicklung war u.a. auf den Zusammenbruch der Ost-Berliner Wirtschaft, die nicht wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstrukturen in West-Berlin, den raschen Abbau der Berlinförderung, die Betriebsverlagerungen in das Umland sowie Abwanderungen in andere Regionen zurückzuführen. Durch den Wegfall traditioneller Handelspartner und den Abbau von Subventionen verloren zahlreiche Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe in Ost- und West-Berlin Aufträge, so dass der Umsatz, die Beschäftigung und die Zahl der Betriebe zurückgingen.

Seit dem Jahr 2005 zeichnet sich ein positiver Trend der Berliner Wirtschaft ab. Gerade im globalen Krisenjahr 2009 ist das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt Berlins in Relation zum Bundesdurchschnitt wesentlich geringer gesunken. Nur ein geringer Teil dieses Aufschwungs lässt sich auf gezielte Investitionen und stärkere Ausgaben des Landes Berlin zurückführen. Von größerer Bedeutung waren der Zuzug von neuen Unternehmen und die wirtschaftliche Entwicklung der bereits vorhandenen Berliner Unternehmen in diesem Zeitraum. Die deutsche Hauptstadt konnte dabei auch von der guten konjunkturellen Entwicklung Deutschlands profitieren. Vor allem die Dienstleistungen waren ein Wachstumstreiber für den wirtschaftlichen Aufschwung Berlins. So hat der Zusammenbruch der Berliner Wirtschaft nach der Wiedervereinigung zu einem Aufbau von Neuem geführt und damit zu einer nachhaltig positiven Entwicklung in der deutschen Hauptstadt.