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03/05/2015 08:53 CEST | Aktualisiert 03/05/2016 07:12 CEST

"Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern"

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Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch in unserer Gesellschaft soziale Verantwortung übernehmen sollte. Als ehemaliger Leistungssportler und selbst gehandicapt sehe ich bei der Laureus Sport for Good Stiftung eine gute Möglichkeit, mich und meine Geschichte einzubringen, um die Idee von Laureus weiter voranzubringen und in die Welt hinauszutragen.

Laureus setzt sich für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche ein. Ich gehöre aufgrund meiner körperlichen Behinderung selbst einer Gruppe von Schwächeren an und habe erlebt, wie wichtig der Sport für jeden einzelnen in unserer Gesellschaft, vor allem aber für die Menschen ist, die es in ihrem Leben nicht so leicht haben.

Ich habe nach meinem Unfall mit Diagnose Querschnittlähmung erst über den Breitensport und dann über den Leistungssport ins Leben zurückgefunden, habe meine persönliche Position in der Gesellschaft gefunden und Selbstvertrauen und Lebensfreude gewonnen.

Unser Schirmherr Nelson Mandela hat der Stiftung den Leitsatz „Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern" mit auf den Weg gegeben. Daran glaube ich. Denn nicht die reine sportliche Leistung spielt die Hauptrolle, sondern die Werte, die man durch den Sport lernt: Mentale Vitalität, wie man sich in einer Gruppe bewegt, der spielerische Umgang mit Zielsetzung, Erfolg und Misserfolg.

Die Kinder werden durch den Sport selbstbewusster. Am Anfang sind sie oft noch von Unsicherheit geprägt, aber ich merke bei meinen Projektbesuchen deutlich, dass die Kids beim Sport sehr schnell auftauen. Allerdings verfallen sie auch oft in alte Gewohnheiten zurück und lassen sich bei Misserfolg schnell entmutigen. Aber in den Projekten lernen sie, wie man mit Enttäuschungen umgeht, nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen, sondern mit Geduld und Motivation einem Ziel nachzueifern. Erreichen sie es dann, sind sie unheimlich stolz, dass sie es geschafft haben.

Man braucht immer im Leben Vorbilder oder Menschen an seiner Seite, die einen zur rechten Zeit motivieren und in aller Ehrlichkeit und Offenheit Ratschläge geben oder auf Entwicklungen hinweisen, wenn sie in die falsche Richtung gehen.

Ich hatte viele Menschen in meinem Umfeld, die mir auf ihre Art und Weise geholfen haben. Ich denke an einen Diplomsportlehrer aus meiner Reha zurück, der mit seiner unglaublich positiven Art geschafft hat, mich wieder zu motivieren und in jeder Trainingseinheit alles zu geben. Das hat mich viel Kampfgeist gelehrt. Er hat immer gesagt: „Bemühe dich so stark es geht, deine Ziele zu erreichen."

Das versuche ich nun an die Kinder und Jugendlichen zurückzugeben, bei Laureus Projektbesuchen wie bei KidSwing, für das ich als Botschafter auch zugleich Schirmherr bin. KidSwing ist ein Golfprojekt für körperbehinderte Kinder. Einmal die Woche treffen sich die Kids mit einem Golflehrer auf der Driving Range in Brunnthal, um dort ein paar Bälle zu schlagen.

Neben der Bewegung an der frischen Luft steht vor allem die koordinierte Bewegung im Vordergrund. Und es fördert die Integration in die Gesellschaft - denn wie viele Menschen in Rollstühlen sieht man sonst auf einem Golfplatz?

Ich persönlich nehme sehr viel von meinen Projektbesuchen mit. Ich sehe, wie die Kinder sich entwickeln, wie sie miteinander umgehen. Wenn ich dann mit den Betreuern spreche und erfahre, mit welchen Problemen die Kinder im Alltag zu kämpfen haben oder aus welch schwierigen Situationen sie kommen, ist das besonders beeindruckend.

Und es erdet mich selbst, denn ich weiß wie schnell es sich manchmal drehen kann. Mein eigener Unfall ist 20 Jahre her, aber es geht mir wieder sehr gut. Ohne Sport wäre ich nicht der, der ich bin. Nicht nur ein Mensch mit einer langen Liste von sportlichen Erfolgen, sondern der Sport hat mir geholfen, die Kraft und Energie für mein selbstbestimmtes Leben zu gewinnen.

Mein persönlicher Laureus Moment ist ein Mädchen, das einige Zeit in einem Paragolfer (spezieller Golf-Rollstuhl) Golf gespielt hat und durch das Projekt gelernt hat, sich gezielt koordinativ zu bewegen.

Als ich das Projekt mal wieder besucht habe, hat sie im Stehen ohne Rollstuhl gespielt, weil sie es über das Training und die Physiotherapie geschafft hat, nun ohne Hilfe so stabil zu stehen, dass sie den Paragolfer nicht mehr braucht. Ein großartiger Erfolg, den ich bewundere, und der mir zeigt, was man bewegen kann.