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04/12/2016 08:52 CET | Aktualisiert 05/12/2017 06:12 CET

Erst Apple TV, dann Streaming-Dienst: Wie ein Nachzügler die Konkurrenz noch besser macht

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Bildrechte: pisaphotography @ Shutterstock

Die Vorstellung neuer Apple-Produkte ist gekonnt inszeniert und daher immer wieder ein ganz besonderes Ereignis. Doch wohl selten war ich selbst so gespannt auf ein Keynote aus Kalifornien wie am gestrigen Abend. Denn schon seit geraumer Zeit war bekannt, dass Apple auch sein neues Apple TV präsentieren würde. Aus dem einstigen Hobby „TV-Box" wird damit ein ernsthafter Angriff auf die Konkurrenz.



Mit der Set-Top-Box, der ein neues Betriebssystem, ein AppStore und die universelle Sprachsuche über Siri spendiert wurden, liefert Apple zwar letztlich keine spektakulären Innovationen. Dafür bietet die Hardware aber endlich eine Grundlage für das, was noch kommen soll: ein eigenes Streaming-Angebot.



Auf dem Weg zum Streaming-Dienst: Apple flirtet bereits mit Hollywood


Erst in der vergangenen Woche wurde bekannt, dass Apple bereits mit Hollywood-Produzenten flirtet und künftig eigene Filme und Serien produzieren möchte - so wie es Netflix und Amazon bereits erfolgreich praktizieren. Die Gerüchte um einen Streaming-Dienst aus dem Hause Apple halten sich schon länger - und wurden durch die Einführung von Apple Music Mitte des Jahres noch einmal genährt.

„Motivator für Netflix & Co. - Wie Streaming-Nachzügler Apple die Konkurrenz noch besser macht."

Der Musik-Dienst gilt vielen als Einstieg in das Streaming-Segment, aus dem nach und nach weitere Inhalte wie Videos, Filme und Serien strömen werden. Apple möchte hierfür nun nicht nur die Rechte amerikanischer TV-Programme erwerben und diese einbinden, sondern eben auch Eigenproduktion. Hinzu kommt wohl ein mehrstufiges Bezahlmodell, das sich bereits bei Amazon Instant Video bewährt hat.



Der Software-Riese setzt damit klar auf die Erfolgsrezepte von Netflix & Co. - und er hat mit 200 Mrd. Dollar genug Geld auf der hohen Kante, um den Video-on-Demand-Markt mit eigenen Inhalten aufzumischen. Dass man sich dort als branchenfremder Player etablieren kann, hat Amazon unlängst mit „Transparent" bewiesen.



Netflix & Co. haben einen gehörigen Vorsprung


Der Erfolg der Serie zeigt allerdings auch: Amazon und Netflix, das mit „House of Cards" einen absoluten Verkaufsschlager landete, haben sich einen gehörigen Vorsprung erarbeitet. Und beide Unternehmen verbessern stetig ihre Services. Noch bevor Apple überhaupt einen eigenen Dienst starten konnte, machen seine Streaming-Pläne die Konkurrenz bereits ein wenig besser.



Amazon Instant Video erweiterte sein Angebot Anfang des Monats um einen Offline-Modus für iOS- und Android-Geräte. Meine Lieblingsserie kann ich ab sofort also auch ohne stabile Internet-Verbindung in Bus, Bahn oder Flugzeug auf dem Smartphone sehen. Außerdem sicherte sich der Versandriese die Dienste von Altmeister Woody Allen und der ehemaligen BBC-Stars der Top-Gear-Crew, die ihre neue Show exklusiv bei Amazon starten werden. Letztere lehnten im Übrigen ein Angebot von Apple ab.



Auch Netflix hat zahlreiche neue Eigenproduktionen im Köcher, u.a. gleich vier Filme mit Schauspieler Adam Sandler und die Satire „War Machine" mit Brad Pitt in einer der Hauptrollen. Mit den Inhalten „Marke Eigenbau" hat Netflix sich in zahlreichen Ländern etabliert und ging jetzt auch in Japan an den Start, einem riesigen Markt und einer Zielgruppe, die eine besonders starke Markentreue aufweist.



Im Kampf der Streaming-Dienste zählen nur Alleinstellungsmerkmale


Der Konzern aus Los Gatos ist mittlerweile sogar so selbstbewusst, dass er seinen Vertrag mit dem Network Epix nicht verlängerte - und damit auf Filme wie „Transformers" oder „Die Tribute von Panem" in seinem Angebot verzichtet. Die Lizenzgebühren, die Netflix auf der einen Seite einspart, werden künftig in attraktivere Deals gesteckt. So kann Netflix bspw. ab 2016 neue Walt-Disney-Produktionen vor allen anderen Pay-TV-Diensten zur Verfügung stellen. Zusätzlich plant das Unternehmen, gemeinsam mit dem Animationsstudio Dream Works, die Entwicklung neuer Shows.

„Der Streaming-Trend ist deutlich: Am Ende helfen nur Alleinstellungsmerkmale."

Die Konzentration auf eigene Produktionen und exklusive Lizenz-Deals verdeutlicht einen klaren Trend. Im härter werdenden Kampf der Streaming-Dienste helfen am Ende nur Alleinstellungsmerkmale. Die Verhandlungen mit Hollywood zeigen, dass die „Nachzügler" aus Cupertino diese Gesetzmäßigkeit bereits verstanden haben - und ich freue mich schon jetzt auf das erste Serien-Highlight aus dem Hause Apple.

Allerdings sehe ich auch, dass der Vorsprung von Amazon und insbesondere Netflix bis dahin von Monat zu Monat größer wird. Apple sollte sich trotz neuer Set-Top-Box beeilen, wenn es die „Zukunft des Fernsehens" bieten will. Es bleibt eine spannende Entwicklung.

Die Erstveröffentlichung meines Beitrags finden Sie auf: martinbaumannblog.de

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