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13/06/2014 07:21 CEST | Aktualisiert 09/02/2015 06:57 CET

Wageck - frischer Wein und Wind aus der Pfalz

Wir Weinschreiberlinge sind gerne Trüffelschweine. Es ist keine große Kunst, bekannte und teure Winzer vorzustellen und in den Himmel zu loben. Nicht dass die Weine nicht toll wären, keinesfalls. Aber es benötigt weder Mut noch intensive Kenntnis der Materie, um Bekanntes an die Oberfläche zu heben. Ein Trüffel jedoch hat seinen Wert u.a. deswegen, weil es so aufwendig ist, ihn auszumachen und auszugraben. So ist es auch mit unbekannten Winzern. Heute kommt sozusagen eine Trüffelempfehlung.

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Dass Deutschlands Winzerschaft im Umbruch ist, wäre eine Übertreibung. Noch immer ist das typische Weingut in Deutschland ein eher kleiner Familienbetrieb ohne durchprofessionalisierte Strukturen. Da hilft die Oma im Weinverkauf und der Papa fährt den Traktor, auch wenn der Sohn oder die Tochter bereits vor Jahren das Weingut übernommen hat. Das alles wirkt zweifelsohne sympathisch, verhindert aber leicht auch Innovationen und Dynamik. Denn die Alten geben ungerne ab - so haben wir es schon immer gemacht -, und die Jungen benötigen eine gehörige Portion Rotzigkeit und Trotzigkeit, um sich gegen die Eltern durchzusetzen.

Umso überraschender ist es dann, wenn man auf einmal von einem Winzer, von dem man noch nie gehört hat, eine neue Flaschenkollektion sieht, bei der allein schon die Etiketten sich vom Einheitsbrei abheben. Sie sind schön, sie sind modern und dennoch sind sie, wie es sich für Wein gehört, sinnlich. Kein professionelles Designlabor oder eine Medienagentur hat die Weine zu verantworten, sondern ein junger, redseliger und sympathischer Winzer. Halt, so jung ist Thomas Pfaffmann nun auch nicht mehr!

Was man, wie es heißt, an der Ausstattung der Weine sofort sieht und spürt, ist ein neuer Wind und ein starker Wille, nicht nur Weine zu erzeugen, sondern dem Weingut ein neues Konzept zu verpassen. Weg vom regionalen Weingut, das seine Kunden direkt bedient und sich aus der Menge nur schwer abheben kann, hin zu einem Weingut mit nationalem Anspruch. Allein das Etikett signalisiert schon: hier entsteht Premiumwein.

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Und, können die Weine halten, was die Etiketten versprechen? Im Gegensatz zu vielen Weinen, deren Etiketten von klugen Marketingstrategen entworfen wurden, die dann aber nicht halten, was sie versprechen, sind die Weine von Thomas Pfaffmann sogar noch schöner und sinnlicher als die Etiketten. Aber der Reihe nach.

Das Weingut, um das es geht, liegt im Pfälzer Norden in Bissersheim, also nicht im zentralen Teil der Pfälzer Weinstraße, wo sich die Besucherscharen versammeln und jeder Wein wie geschnitten Brot den Winzern aus den Händen gerissen wird. Der Pfälzer Norden liegt etwas ab vom Schuss. Meist beginnt dort die Innovation, weil man, um seine Weine verkaufen zu können, besser sein muss als die Weine aus den Touristenorten.

Strenggenommen heißt das Weingut Wageck Pfaffmann, trägt also durch Einheirat einen dieser spröden Doppelnamen. Mit der Neuausrichtung ist Thomas Pfaffmann zum traditionellen Namen zurückgekehrt und seitdem prangt nur noch der Name Wageck in goldenen Lettern auf den Flaschen. Und die Wageck-Weine haben es in sich. Bereits die Weine der Basislinie „Tertiär" zeigen Schmelz und ein klares Rebsortenprofil, ohne dass die Weine simpel wären.

Vor allem der Sauvignon Blanc 2013 steht exemplarisch für den neuen Qualitätsanspruch: dem animierend-frischen Stachelbeeraroma, das so typisch für die weiße Rebsorte Sauvignon Blanc ist, wurde durch den gekonnten Holzeinsatz eine leicht nussige und erdige Note beigesellt, die dem Wein Volumen und Seriosität verleiht. Mit 12,5% Alkohol ist der Wein gut strukturiert und eignet sich perfekt zu leichten Gerichten mit frischen Aromen oder einer gebratenen Jakobsmuschel auf Zitronengras.

Mit solchen Weinen und Winzern macht die Pfalz so richtig Spaß!

Sauvignon Blanc 2013 "Tertiär", Weingut Wageck, EUR 9,90 ab Hof, mehr Infos unter: http://www.wageck-weine.de/

Noch kein Weinliebhaber? Die Huffington Post empfiehlt das Wein-Special der Kollegen von FOCUS Online: www.focus.de/kultur/wein