BLOG
23/10/2013 10:37 CEST | Aktualisiert 23/12/2013 06:12 CET

Social Media ist ein Praktikantenjob - oder doch nicht?

Obwohl ich die Gesichter beim Lesen der Titelzeile nicht sehen kann, bin ich mir der großen Augen hier und da durchaus bewusst. Diese sind natürlich auch gewollt, denn es gibt so einige Punkte, die anscheinend bezüglich der Social Media Einordnung in Unternehmen unterschiedlich eingeschätzt werden. Also, nicht gleich kratzen, nicht gleich schreien und keine Messer wetzen, Erklärung folgt:

Jobsuche und Jobmarkt

In einem Gespräch mit einer alten Studienkollegin war ihre Unsicherheit bezüglich ihrer aktuellen Karrierestufe schnell auszumachen. In einer solchen Situation könnte sie online einen Schnelleinstufungstest ausfüllen oder sich die Zeit sparen und sich in Bewerbungen stürzen. Mein Vorschlag an meine damalige Kommilitonin war, sich auf Stellen in den zwei Karrierestufen zu bewerben, die sie für wahrscheinlich hält und dann zu sehen, wie die Rückläufe von den Firmen ausfallen. Der Markt entscheidet also mit fast unsichtbarer Hand, welche Art von Arbeitskraft gebraucht wird.

Warum erzähle ich von diesem Gespräch? Meine Studienkollegin hat ihre Karrierestufe gefunden, weil der Jobmarkt sie in eine gewisse Kategorie eingestuft hat. Das kann sicher mal nicht ganz mit der eigenen Wahrnehmung übereinstimmen, doch mit einer Auswahl von 30 (also je 15 pro Karrierestufe) Bewerbungen kann man recht sicher sein, dass eine Einladung im Senior Level gegenüber sechs Einladungen im Bereich Consultant etwas über seinen eigenen Marktwert aussagt.

„Social Media ist ein Praktikantenjob" - das ist sicher eine steile These und ich kann aus persönlichen Erfahrungen nicht zustimmen. Doch wird der deutsche Jobmarkt im Bereich Social Media näher beleuchtet, werden auch hier die Augen ganz groß.

Eine LinkedIn Suche nach Social Media in Deutschland ergab folgendes Bild:

screenshot

Zahlreiche deutsche Unternehmen nutzen Social-Media-Plattformen nach wie vor zur Verbreitung von Pressemitteilungen oder posten mal zum Weltkatzentag ein nettes Katzenfoto mit einem mehr oder weniger zum Produkt/Unternehmen passenden Text. Dabei ist zu bemerken, dass die Unternehmen im Screenshot alle nicht nur Praktikanten ihre Social Media Aktivitäten ausführen lassen.

Doch ist Spiegelung der Pressearbeit, was Social Media ausmacht? Wollen wir wirklich einen neuen Kanal aufmachen (noch schlimmer: mehrere), nur um einfach mit bei der neuen Technologie dabei zu sein? Manchmal scheint es so. Und da sind wir beim Kern des Problems. Und ganz ehrlich, auch wenn es wehtut: Dann ist Social Media ein Praktikantenjob. Dann hätte die Markteinschätzung an dieser Stelle recht ...

Denn um Texte bei Facebook mit einem Fotopost attraktiver zu machen oder bei Twitter einen Link einzufügen, brauchen Unternehmen auch nicht mehr als einen Praktikanten, einen Volo oder einen Absolventen eines zweitägigen Social-Media-Kurses. Dazu wird vor allem eines benötigt: Plattformwissen. Wie und wann poste ich bei Facebook einen Link, damit er am häufigsten geklickt wird? Mit welchen Hashtags muss ich meine Instagram-Bilder versehen, um mehr Follower zu bekommen? Das ist so simpel wie einfach zu erlernen. Monkey see, Monkey do ...

Was, wenn der Jobmarkt sich irrt?

Plattformwissen. Das kann doch nicht alles sein. Wahrlich ist es das nicht. Ganz im Gegenteil. Unternehmen, die sich langfristig mit den Vorteilen, aber auch den Risiken der Online-Kommunikation beschäftigen, werden schnell die neun/zehntel des Eisbergs klar, die noch unter dem Plattformwissen hängen.

Vielleicht kommt es doch auf mehr an, als der Jobmarkt denkt. Wie ist es mit Vernetzung innerhalb der Branche? Wie mit der Einordnung von Social Media im Unternehmen? Und wie ist es mit einem strategischen Plan, in dem die Social-Media-Präsenz mit der gesamten Kommunikationsstrategie Hand in Hand in die Zukunft spaziert? Oder die Stichworte: Rechtliches, Monitoring oder Krisenmanagement? Diese und viele weitere Punkte kann und darf ein Unternehmen nicht von Praktikanten erwarten. Der Job erfordert sie jedoch.

Jeder, der in dem Bereich arbeitet, weiß, wie viel Arbeit Social Media auch unternehmensintern erfordert. Dabei steht man nicht selten zwischen zwei oder drei Abteilungen, die interessiert beobachten (und meistens auch mitreden wollen), was auf den Kanälen passiert. Mit dieser Aufgabe sind nicht nur Praktikanten meist überfordert.

Am Rande: Es gibt Praktikanten in dem Bereich, die ihren Job ausgezeichnet machen, die Regel ist es eher nicht.

Ich bin wirklich kein Fan der gebetsmühlenartigen Wiederholung, die USA wäre uns in Onlinethemen Jahre voraus. Zum Vergleich: So sieht die identische LinkedIn Suche „Social Media" in den USA aus.

screenshot

Was ich sagen will, ist Folgendes: Social Media kann ein Praktikantenjob sein, sollte es, bei entsprechender Ausrichtung der Unternehmenskommunikation, aber nicht sein. Anscheinend schätzen das Unternehmen in den USA anders ein als deutsche. Vielleicht kann man aber auch die ersten Ergebnisse bei LinkedIn in der Jobsuche kaufen. An der Aussage ändert das nichts.

Meinen Erfahrungen nach sind einige Unternehmen auf einem guten Weg und legen großen Wert auf Social Media. Auch der Einsatz von Monitoring-Tools wird dort stark forciert, was wieder die nächste Frage aufwirft: Ist Social Media ein Maschinen-Job ...?

Wie immer: Lesen gibt das Recht zum Zerreißen. Schreibt mir eure Meinungen!

Ist Social Media ein Praktikantenjob oder nur was für Profis?