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15/12/2015 03:50 CET | Aktualisiert 15/12/2016 06:12 CET

Aus der "Generation Praktikum" wurde die "Befristete Generation"

Steve Debenport via Getty Images

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Jugendliche haben nach wie vor Lust auf Familie - das geht aus der mittlerweile 17. Shell-Studie hervor. Sie wünschen sich zuallererst einen sicheren Arbeitsplatz, streben gute Schul- und Berufsabschlüsse an, wollen sorgenfrei leben und dafür auch genug Geld verdienen. Das ist nicht viel verlangt.

Aber aus der „Generation Praktikum" ist mittlerweile die „Befristete Generation" geworden. Viel zu viele junge Menschen landen nach ihrer Ausbildung in befristeten Arbeitsverhältnissen und hangeln sich von einer Befristung zur nächsten Befristung.

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Junge Leute haben ein Recht auf gute Arbeit. Befristete Arbeitsverhältnisse, Leih- und Zeitarbeit, Werkverträge, Scheinselbständigkeit und geringe Verdienste hindern junge Menschen daran, ihr Leben langfristig zu gestalten.

Familienleben bleibt auf der Strecke

Nicht nur die Familie, auch das ehrenamtliche Engagement bleibt dabei auf der Strecke - ein erfülltes Leben sieht anders aus. Ich bin sicher: Eine Gesellschaft profitiert von gerechten und sicheren Arbeitsbedingungen.

Derzeit ist das noch anders. In vielen Gesprächen mit Jugendlichen wurde dem Bundestagsabgeordneten vermittelt, dass junge Menschen größtenteils ihren Beruf nicht mehr nach Interessen und Fähigkeiten aussuchen, sondern danach, ob sie eine unbefristete oder befristete Stelle bekommen.

Sie nehmen in der Regel die unbefristete Stelle, auch wenn die Arbeit dort weniger Spaß macht, weniger Erfüllung bringt. Und das gilt qualifikationsübergreifend.

Der Missbrauch von Werkverträgen und Leiharbeit ist derzeit eins der größten Probleme für junge Menschen. Die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben, die Planbarkeit der Berufstätigkeit und die Karriereorientierung sind für viele junge Leute zu Beginn ihres Berufslebens ganz wichtig, derzeit aber nur noch selten zu verwirklichen.

Zukunft selbst gestalten schwierig

Eine fatale Entwicklung. Junge Leute können ihre Zukunft nicht mehr selbst gestalten, werden fremdbestimmt, haben zu wenig Zeit und häufig auch zu wenig Geld für Familie, Freunde, Hobbys oder ehramtliche Tätigkeiten - wer engagiert sich schon im Fußballverein oder beim Kinderschutzbund, wenn er nur einen Jahresvertrag hat und künftig weit von Zuhause entfernt eine Arbeit annehmen muss.

Den Schaden hat die ganze Gesellschaft. Gerade jetzt zeigt sich doch, wie sehr ein Gemeinwesen auf das Ehrenamt angewiesen ist.

Gute Arbeit ist die Grundlage für eine funktionierende, soziale, gerechte und lebenswerte Gesellschaft - und ganz nebenbei auch für Unternehmen, die ohne motivierte, gut ausgebildete, glückliche und damit kreative Mitarbeiter langfristig keinen Erfolg haben werden.

Dieser Text ist Teil der Reihe "Wie geht es uns?" Ein Jahr lang hat die Politik in Berlin, die Krise in Syrien und der Konflikt mit Moskau die Schlagzeilen beherrscht. Wie aber geht es Ende dieses irren Jahres den Menschen in Deutschland? Wie blicken die Menschen in unserem Land in die Zukunft? Das will die Huffington Post herausfinden - und hat alle Redakteure als Reporter durch das Land geschickt. Sie führen Interviews, besuchen Menschen, denen sonst niemand zuhört - und berichten über Menschen, die dabei helfen, die größten Probleme zu lösen.

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