BLOG
15/12/2015 11:12 CET | Aktualisiert 15/12/2016 06:12 CET

Der Widerrufsjoker auch bei Schrottimmobilien ein Hoffnungsschimmer

Joel Addams via Getty Images

Ein Häuschen für's Alter oder als langgehegter Lebenswunsch -- leider ist man auch als Anleger für seine eigenen Vier Wände nicht vor Halsabschneidern gefeit. Der Anreiz durch fragwürdig und teils betrügerisch handelnde Drückerkolonnen in eine Schrottimmobilie zu investieren ist für viele verlockend, aber bedeutet gleichzeitig auch oft den finanziellen Ruin durch Privatinsolvenz.

Denn so überzeugend die Drückerkolonne auch zum Anlegen investiert, in den meisten Fällen sind die Investoren nicht liquid genug, um so ein Projekt zu halten.

Wir klären auf, was Sie gegen diese Drückerkolonne unternehmen, welche Konsequenzen aus solch zwielichtigen Geschäften folgen und vor allem wie Sie sich rechtlich schützen können.

Angebote, bei denen keiner widerstehen kann


In der Regel sieht die Taktik der Drückerkolonnen so aus, dass mögliche Anleger durch ein Angebot in Form eines Anrufes oder Flyers gelockt werden:

Hier werden Immobilien präsentiert, die dem Käufer horrende Mieteinnahmen und steuerliche Vergütungen versprechen -- natürlich zu lächerlich niedrigen Eigenkapitalanlagen. Das Ganze gibt's dann in einem persönlichen Gespräch mit einem fachlich kompetenten Verkäufer noch einmal vorgetragen. Alles, was potentielle Anleger tun müssen ist, 50 Euro monatlich in eine vermietete Wohnung zu investieren -- inklusive einer Mietgarantie und sicheren Altersvorsorge.

Dahinter steckt vor allem, dass Anleger einen weiteren Kredit aufnehmen, der die Deckung des Kaufpreis sichert. Steuerersparnisse und die finanzielle Aufwendung des Kredites als Gegenrechnung zu den Mieteinnahmen werden hier ferner als Vorteile verpackt und vermittelt. Unterm Strich bleibt für den Anleger eine Summe, eine persönliche Belastung von anzunehmenden unter 100 Euro -- absolut verlockend und für viele an dieser Stelle auch plausibel.

Nach höchst gewinnbringendem Wiederverkauf Ihrer baldigen Immobilie ein paar Jahre später ist der Traum vom gesicherten Lebensabend wahr geworden.

Frisierte Berechnung -- unschönes Erwachen durch Instandhaltungskosten


Neben Luftschlössern und hohen Gewinnvermittlungen fehlt es den Angeboten der Drückerkolonnen vor allem an Realität: Der Besitzer trägt mögliche Instandhaltungskosten, nicht der Mieter, aber von Rücklagen für solche Fälle sprechen Verkäufer nicht. Das Traumhaus zum Schnäppchenpreis ist im wirklichen Leben meist nur eine dürftig renovierte Wohnung, bei der schon bald mit ersten Sanierungsarbeiten zu rechnen ist.

Die als Sahnestück verkaufte Schrottimmobilie steht meist auch nicht in der strukturstärksten Gegend der Stadt, in der die Mietnachfrage besonders hoch sei. Fällt ein mieser also aus, wird die Suche nach einem zahlenden Nachfolger eine echte Herausforderung.

Da kommt dem der Verzweiflung nahen Anleger der Gedanke an die Mietgarantie des netten Verkäufers wieder in den Sinn -- leider ist zur genannten Zeit diese Garantie schon abgelaufen.

Der Schock am Ende wiegt für Anleger schwer: Der Verkauf der Schrottimmobilie bringt nicht annähernd den damals gezahlten Preis, so dass der Erlös auch nicht genügt, um die eigene Restschuld zu tilgen. Für viele Anleger heißt das meist private Insolvenz.

Drei mögliche Notbremsen für verspekulierte Anleger


Schadensersatzansprüche gegenüber dem einst kompetenten, freundlichen Verkäufer sind vergebens. Chancen Ihre Rechte doch noch geltend zu machen haben Sie bei dem beurkundenden Notar oder bei Ihrem Kreditinstitut.

1. Ebenso fehlerhaft wie die Versprechungen, die gutgläubigen Anlegern gemacht wurden, sind zumeist auch die Widerrufsbelehrungen der ausgegebenen Verträge. Hier haben Sie gute Chancen vom sogenannten Widerrufsjoker Gebrauch zu machen!

Noch Jahre nach Vertragsabschluss können Sie den Kredit aufgrund von Fehlern in den Formulierungen oder anderen textlichen Unklarheiten noch widerrufen -- hier können Sie Ersparnisse von bis zu Zehntausenden Euro machen.

2. Als (an-)greifbare Partei im Fall des Investments in eine Schrottimmobilie bleibt auch das Kreditinstitut: Es ist zu vermuten, dass Banken ihren Vorteil aus überteuerten Verkaufspreisen ziehen und Gewinn daraus schlagen. Damit greift u.a. die Mitwisserschaft und Sie haben ein Argument zu Ihren Gunsten.

3. Neben der Bank ist auch der Notar angreifbar. Ihm müssen per Gesetz 14 Tage vor Vertragsunterzeichnung die entsprechenden Dokumente vorliegen. Werden Geschäfte unter vorgetäuschter Hektik und ohne Einhaltung der zweiwöchigen Frist abgeschlossen, haftet aller Voraussicht nach die Berufshaftpflicht des Notar und Sie erhalten Entschädigung.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite