BLOG
10/12/2016 11:49 CET | Aktualisiert 11/12/2017 06:12 CET

Generationengerechtigkeit neu denken

Zum Kampf der Generationen rief Meinhard Miegel bereits im letzten Jahrhundert auf. Der Spiegel wusste 1999: „Der Kampfbegriff von morgen heißt Generationengerechtigkeit."

In apokalyptischer Vorahnung warnte der frühere Grünen-Politiker Oswald Metzger vor einem Generationenkrieg. Und erst kürzlich wünschte sich der Vorsitzende der Jungen Union einen Aufstand der Jungen herbei.

Allerdings: Auch Jahre der martialischen Rhetorik konnten nicht herbeireden, was die Wirklichkeit nicht hergibt. Ein Generationenkonflikt ließ und lässt sich nicht seriös nachweisen. Weder damals noch heute. Im Gegenteil: Empirische Studien konnten zeigen, dass nicht Missgunst, sondern eher eine solidarische Grundhaltung das Zusammenleben zwischen Jung und Alt prägt.

Der vor knapp zwanzig Jahren in Mode gekommene Begriff der Generationengerechtigkeit hat indes auch heute durchaus eine Daseinsberechtigung - allerdings in einer anderen Lesart als noch zur Jahrtausendwende.

Ende der 1990er Jahre: Die Höhe der Lohnnebenkosten war Fixpunkt der sozialpolitischen Diskussion. Viele Akteure der damaligen Debatte zeichneten das Bild einer jungen Generation, die scheinbar zum Lasttier zu werden drohte; zugunsten einer unaufhaltsam steigenden Zahl von RentnerInnen, deren Lebensunterhalt es mit immer höheren Beiträgen zu finanzieren galt.

Nur vor diesem Hintergrund ist die Einführung verschiedener Dämpfungsfaktoren in der Rente nachzuvollziehen, die sich im Rückblick als Vollbremsung darstellt - sowohl in Hinsicht auf die Beitragssätze als auch nun im Hinblick auf die Höhe der Renten.

Die Frage der Generationengerechtigkeit stellt sich heute neu.

Die durchschlagende Wirkung der Rentenreformen hat sie quasi umgedreht: Die „junge Generation" sorgt sich heute weniger um die belastende Wirkung ihres Finanzierungsanteils zur Rentenversicherung. Sie bangt angesichts des sinkenden Rentenniveaus vielmehr um einen angemessenen Lebensstandard im Alter, fürchtet in zunehmenden Maße gar Altersarmut.

Mehr zum Thema: Aus Hungerlöhnen können keine Luxusrenten entstehen

Diejenigen, deren Erwerbsleben sich durch Unterbrechungen oder prekäre Beschäftigungsverhältnisse auszeichnet, werden ihre besonders geringen Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung kaum mit Hilfe der privaten Vorsorge ausgleichen können.

Viele junge Rentenversicherte fragen sich heute: „Was nützt mir ein niedriger Beitragssatz, wenn mir eine mickrige Rente blüht und ich mangels Masse nicht privat vorsorgen kann?"

Dem Appell "Hört auf mit der Politik gegen die junge Generation!" schließe ich mich deshalb ausdrücklich nicht an, da er der Denkweise aus dem vergangenen Jahrhundert verhaftet bleibt. Generationengerechte Alterssicherungspolitik bedeutet eben nicht, Alterskohorten gegeneinander auszuspielen.

Mehr zum Thema: Wir Jungen dürfen uns nicht eintrichtern lassen, wie unsere Rente aussehen soll

Denn es ist so einfach wie wahr: Wer jung ist, wird alt. Junge Menschen erwarten von der Politik deshalb, die Möglichkeiten für eine auskömmliche Altersversorgung zu schaffen.

Dabei müssen wir bereits im Berufsleben die Voraussetzungen für eine wirksame Altersvorsorge stärken. Bündnis 90/Die Grünen setzt sich deshalb seit langem für faire Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt sowie für eine Bürgerversicherung ein, die wirklich jede und jeden einbezieht.

Im Sinne eines selbstbestimmten Lebens im Alter wollen wir das Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung möglichst auf heutigem Niveau stabilisieren und hierbei auf ein angemessenes Verhältnis zwischen Rentenniveau und Beitragssatz achten sowie gleichzeitig eine Garantierente einführen, die langjährig Versicherte vor Armut schützt.

Wir stärken die betriebliche Altersversorgung, indem künftig jeder Arbeitgeber und jede Arbeitgeberin ihren Beschäftigten eine Betriebsrente anbietet. Und wir stellen die private Altersvorsorge durch einen öffentlich verwalteten BürgerInnenfonds und eine bessere Förderung von Geringverdienenden auf eine neue Grundlage.

Damit erreichen wir eine gerechte Alterssicherung für alle, sowohl für die Alten als auch für Jungen.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.