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25/03/2016 12:39 CET | Aktualisiert 26/03/2017 07:12 CEST

Was Führungskräfte gefährlich macht

Jupiterimages via Getty Images

Im Katechismus der Katholischen Kirche werden traditionell sieben besonders schlechte Charaktereigenschaften unterschieden, die zu den sogenannten Todsünden führen können. Dazu zählen Laster wie Genusssucht oder Faulheit, aber besonders schwerwiegend scheint mir „superbia" zu sein: Stolz und Eitelkeit. Vor allem bei Menschen in Führungspositionen kann diese Eigenschaft eine schädliche, ja geradezu verheerende Wirkung hervorbringen.

Eitelkeit ist gewiss keine einnehmende Eigenschaft, denn der Eitle neigt dazu, sein Gegenüber zum applaudierenden Publikum zu degradieren. Dies ist eine ziemlich unbefriedigende Rolle, schafft aber meist eine vergleichsweise harmlose Situation. Geradezu gefährlich kann es hingegen werden, wenn jemand, der mit Macht ausgestattet wurde, seine Eitelkeit auslebt: Denn er wird die Menschen seiner Umgebung dazu benutzen, sich selbst auf rücksichtslose Weise so großartig wie möglich zu inszenieren. Daraus ergibt sich eine Vielzahl unangenehmer bis schädlicher Folgen.

• Eitle Führungskräfte werden freiwillig keine Fehler oder Schwächen zugeben. Sie werden sie vertuschen, leugnen oder anderen anlasten. Keinesfalls werden sie die Verantwortung dafür übernehmen. Ein trauriges Beispiel dafür lieferten im Januar dieses Jahres die verantwortlichen Politiker der Stadt Flint im US-Bundesstaat Michigan: Als Folge einer politischen Entscheidung waren die Bürger zwei Jahre lang mit schmutzigem und bleiverseuchtem Trinkwasser versorgt worden. Erst nachdem sich die Katastrophe nicht mehr vertuschen ließ und Obama den Notstand ausrufen musste, gaben die Verantwortlichen ihr Leugnen auf. Aber da war es bereits zu spät. Viele Menschen hatten inzwischen gesundheitlichen Schaden genommen, und die Wasserrohre waren von dem verschmutzten Wasser so angegriffen, dass sie alle erneuert werden müssen, wofür aber der Stadt die Mittel fehlen.

• Eitelkeit macht lernresistent. Denn um aus Fehlern lernen zu können, müsste man sie erst einmal anerkennen und zulassen. Eitle Führungskräfte zeichnen sich deshalb durch auffällige Sturheit aus.

• Deswegen sind sie auch nicht kritikfähig. Es kann gefährlich sein, ihr Verhalten in Frage zu stellen. Je eitler ein Mensch in einer Führungsposition ist, desto rücksichtsloser wird er sich Kritiker vom Hals schaffen.

• Wer sich großartig darstellt, neigt dazu, andere Menschen kleiner zu machen. Auf diese Weise wird es einer Führungskraft unmöglich, Mitarbeiter zu fördern. Sie werden eher niedergemacht und klein gehalten. Das schadet sowohl den Mitarbeitern als auch der Organisation: Denn Personalentwicklung ist unverzichtbar, um den sich stetig wandelnden Herausforderungen gewachsen zu sein. Aber gerade das Wachsen ihrer Mitarbeiter kann die eitle Führungskraft nicht erlauben, denn es könnte dabei passieren, dass sie irgendwann von einem Mitarbeiter erkennbar überflügelt wird.

• Ein eitler Mensch in einer Führungsposition wird diese Position immer dazu nutzen, gut auszusehen. Deswegen wird er vor allem solche Entscheidungen treffen, die ihn nach außen gut dastehen lassen. Sein übertriebener Ehrgeiz macht es ihm unmöglich, das Interesse und Wohlergehen der Organisation ausreichend zu berücksichtigen. Der Eitle nutzt seine Führungsposition grundsätzlich als Ego-Prothese und orientiert sich in allen Entscheidungen an seinem Geltungsbedürfnis. Die Kosten dafür tragen stets die anderen.

• Eitelkeit macht sehr anfällig für Manipulation. Mit geschickter Schmeichelei lässt sich der Eitle in die gewünschte Richtung lenken.

• Sobald die Mitarbeiter ihre eitle Führungskraft durchschaut haben, schwinden Respekt und Vertrauen; sie weichen der Geringschätzung und dem Misstrauen. Auf dieser Basis ist Führung nicht mehr möglich und an ihre Stelle treten nun Machtspiele.

Das sind nur einige der unausweichlichen Folgen, wenn man eitlen Menschen zu viel Macht gibt. Ich plädiere deshalb dafür, die unmoderne Tugend der Bescheidenheit wieder mehr in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Führung braucht eben immer auch eine Portion Bescheidenheit, denn sie hat eine dienende Funktion. Zu führen heißt: Ich tue mein Bestes für euch! Es sind nicht die eigenen Interessen, die im Zentrum der Führungsarbeit stehen sollten. Vielleicht muss der eine oder andere zuweilen daran erinnert werden.

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