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08/03/2015 08:11 CET | Aktualisiert 08/05/2015 07:12 CEST

Frauen sagen HIV den Kampf an

Oft bin ich überrascht darüber, wie wenige Menschen wissen, dass HIV/AIDS die weltweit häufigste Todesursache für Frauen im gebärfähigen Alter ist. Die Krankheit fordert einen verheerenden Tribut an Leben und Potenzial von Millionen von Frauen - und beeinträchtigt die Familien, Gemeinschaften und Volkswirtschaften, die diese Frauen mittragen.

Aus biologischen Gründen sind Frauen anfälliger für HIV. In den am schlimmsten betroffenen Regionen haben Frauen nur begrenzten Zugang zu lebensrettenden Informationen, Vorsorgemaßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten.

Sie haben Schwierigkeiten, geschützte Sexualkontakte auszuhandeln. In Südafrika wird nahezu eine von sieben HIV-Infektionen bei Frauen auf sexuelle Gewalt seitens der Partner zurückgeführt. Armut zwingt viele Frauen in den Sexhandel. Dies schwächt die Position der Frauen, verstärkt ihre Stigmatisierung und verwehrt ihnen den Zugang zu HIV-Prävention und Behandlung.

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Frederic Courbet/IAVI

Ein Impfstoff gegen AIDS wird ein wertvolles Instrument für Frauen sein, um das tödliche Ungleichgewicht in sexuellen und Geschlechterfragen zu beseitigen. Der Impfstoff muss vertraulich, ohne das Wissen von Ehemännern und Freunden und vor dem ersten Kontakt mit dem Virus verabreicht werden. Dann dient die Impfung eher der Stärkung und dem Schutz von Frauen - und ihren Familien und Gemeinschaften - im Kampf gegen die tödliche Krankheit.

Erfreulicherweise gibt es viele Frauen, die führend an der Entwicklung eines AIDS-Impfstoffs beteiligt sind - als Wissenschaftlerinnen, Ärztinnen oder Verfechterinnen für die Teilnahme an klinischen Studien.

IAVI kooperiert mit einer Vielzahl von Organisationen und Institutionen, um einen sicheren und wirkungsvollen Impfstoff gegen AIDS zu entwickeln. Ich bin stolz darauf, jeden Tag mit diesen bemerkenswerten Frauen zusammenarbeiten zu dürfen. Anlässlich des diesjährigen Weltfrauentages möchte ich Ihnen vier dieser Frauen vorstellen.

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Im klinischen Umfeld und in der Gesellschaft

Kundai Chinyenze, Ärztliche Leiterin von IAVI in Nairobi, verantwortlich für medizinische Angelegenheiten, beaufsichtigt die Durchführung von klinischen und epidemiologischen Studien in Zusammenarbeit mit unseren Partnern gemäß höchsten internationalen Standards. Die promovierte Medizinerin hat einen Master-Abschluss in Public Health und war Universtitätsdozentin für Medizin in den Ländern Ost- und Südafrikas.

Als Teenager in Simbabwe verlor sie beide Elternteile innerhalb von zwei Jahren an AIDS. Sie fand erst heraus, was ihrer Mutter fehlte, als sie die Krankenschwestern auf dem Flur das Wort „HIV" flüstern hörte. Sie sagt: „Die Ärzte weigerten sich, irgendwelche Aussagen zu treffen. Bei beiden Elternteilen wurde die Diagnose spät gestellt und obwohl ich meine Eltern gepflegt habe, wurde mir nicht mitgeteilt, was ihnen fehlte, wie ich sie unterstützen oder gar mich selbst vor einer Infektion schützen könnte.

Meine Eltern konnte ich nicht retten, aber bei IAVI habe ich die Chance, an der Entwicklung eines Impfstoffes mitzuwirken, der Tausende von Menschen schützen kann, die sich heute ebenso hilflos fühlen wie ich damals."

Matshidiso Malefo ist Koordinatorin für den Fachbereich Sozialwissenschaften am Rustenburg Research Centre des Aurum Instituts, einer Partnerorganisation von IAVI. Ihr Arbeitsschwerpunkt sind verhaltensbezogene und epidemiologische Studien im Kontext der HIV-Prävention in der südafrikanischen Bergbaustadt Rustenberg, in der Frauen und Mädchen einem besonders hohen HIV-Infektionsrisiko ausgesetzt sind.

Sie sagt: „Ein Impfstoff gegen AIDS ist die beste Voraussetzung dafür, dass die am stärksten gefährdeten Frauen HIV-Präventionsmaßnahmen selbst in die Hand nehmen, ohne ihre Partner um Erlaubnis zu fragen. Ein Impfstoff gegen AIDS wird Frauen Mut und Kraft geben. Ich habe selbst zwei Töchter. Wir brauchen einen Impfstoff, für unsere Kinder."

Im HIV Impflabor

Shreyasi Chatterjee ist Projektmanagerin im HIV Vaccine Translational Research Laboratory in Delhi, einem Gemeinschaftsprojekt von IAVI und der indischen Regierung. Ziel des Projekts ist die Entwicklung und Evaluierung von Immunogenen, die eine Immunantwort gegen eine Vielzahl von Virusvarianten auslöst.

Sie sagt: „Indien hat die weltweit dritthöchste HIV-Infektionsrate. Der Zugang zu Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht, aber der niedrige sozio-ökonomische Status von Frauen, insbesondere in der patriarchalischen indischen Gesellschaft und in den ländlichen Gebieten, führt in der Regel zu einer gezielten Stigmatisierung und Diskriminierung von HIV-infizierten Frauen.

Ein bezahlbarer Impfstoff gegen AIDS würde der Infektion von Millionen von Frauen vorbeugen, insbesondere unter den Frauen, die aufgrund gesellschaftlicher und kultureller Normen nicht in der Lage sind, geschützten Geschlechtsverkehr einzufordern."

Die Wissenschaftlerin Gladys Njeri Macharia, die für die IAVI-Partnerorganisation Kenya Medical Research Institute (KEMRI) arbeitet, hat kürzlich mit Unterstützung des Wellcome Trust erfolgreich ihren Master-Studiengang abgeschlossen und promoviert nun am Human Immunology Laboratory von IAVI am Imperial College London. Derzeit absolviert sie einen Studienaufenthalt an der Emory University in Atlanta und untersucht die frühesten T-zellvermittelten Immunantworten gegen HIV.

Die dort erlernten Techniken und Verfahren kommen nach ihrer Rückkehr an das KEMRI nicht nur ihrer eigenen Forschung zugute, sondern bereichern auch die Arbeit anderer HIV-Forscher. Die Ausbildung von Frau Macharia wird durch breit angelegte IAVI-Partnerschaften ermöglicht und von USAID finanziert. Ziel der Maßnahmen ist es, die afrikanische Wissenschaftsgemeinschaft zu fördern, um einen wirksamen HIV-Impfstoff für Afrika zu entwerfen, entwickeln und evaluieren.

Sie sagt: „Für alle, die wie ich in Kenia aufgewachsen sind, war HIV/AIDS ein Schlag ins Gesicht, auch wenn man die Infizierten nicht persönlich kannte. An meiner Universität war es für Studenten aller Fachrichtungen Pflicht, ein Modul zum Thema HIV-Infektion zu belegen. Millionen HIV-Infizierte werden auch heute nicht behandelt. Es bedeutet eine enorme Herausforderung, einen wirkungsvollen Impfstoff gegen HIV zu finden - aber wir müssen der Epidemie ein Ende bereiten."

Gemeinsam mit Ihnen möchte ich all diesen und vielen weiteren beeindruckenden Frauen heute am Weltfrauentag und jeden Tag aufs Neue meine Anerkennung aussprechen. Gemeinsam können wir eine Welt ohne AIDS erreichen.


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