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24/10/2015 09:36 CEST | Aktualisiert 24/10/2016 07:12 CEST

Der lange Weg der Männer - Vom Ernährer zum Familienmenschen!

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Wo Mann herkommt, wo Mann heute steht!

Die Zeiten haben sich gewandelt, sogar für die Männer. Ganz früher gingen die Männer auf die Jagd, machten Beute und zeugten Kinder. Dann eroberten sie fremde Welten oder kämpften auf den Feldern der Ehre und zeugten Kinder. Um die Familie kümmerten sich die Frauen, ganz einfach. Heute verbinden sie mehr und mehr Berufstätigkeit und Familienzeit miteinander und kümmern sich mehr und mehr um ihre Kinder. Ein langsamer, aber stetig wechselnder Paradigmenwechsel.

Stereotypen gehören der Vergangenheit an. Ob gesellschaftlich über Jahrzehnte hinweg erzwungen, politisch gewollt oder der eigenen Überprüfung der richtigen Rolle im Familiengeflecht geschuldet, sei dahingestellt. Tatsache ist, Mann denkt mehrheitlich anders und lebt mehrheitlich anders.

Rund 71% der Männer sagen, sie hätten sich von Anfang an um die Babypflege gekümmert, 58% geben an, sie seien bei Babygeschrei nachts aufgestanden, und jeder zweite schmust gern und viel und 98% interessieren sich für die schulische Situation ihrer Kinder (Zeitschrift ELTERN 2014). Darauf kann man und können Männer auch ein wenig stolz sein. Also alles gut?

Das neue Männlichkeitsideal eines „Familienvaters"?

Nein, es ist nicht neu, es hat sich nur weiterentwickelt. Und die abstrakten Diskussionen über DAS Männlichkeitsideal sind schon anstrengend, bevor die erste These steht. Männer sind halt immer noch Handwerker, wollen Lösungen, keine Diskussionen. Weiterhin gibt es natürlich den "Traditionalisten", der eine klare Rollenkonstellation in der Familie will und einfordert. Und es gibt weiterhin den "Hedonisten", der Verantwortung nur bei seiner eigenen Spassmaximierung annimmt.

Und auch der ungewollt "Außenstehende", der aufgrund unglücklicher persönlicher Umstände gar nicht erst in die Versuchung kommt, ein Kind zu wickeln, ist weiterhin präsent. Diese Gruppen werden aber kleiner, bleiben jedoch durchaus erkennbar bestehen. Selbst politische Angebote wie die Partnermonate beim Elterngeld oder gesellschaftliche Diskussionen über das Leitbild eines Mannes haben sie nicht komplett aufgelöst. Doch sind alle "neuen Männer", die heute mehr und mehr Familie und Kinder mit dem Beruf und dem Lieblingsfussballverein teilen, Überzeugungstäter?

Der "indifferente Mann" - von Ängsten und Erwartungen

Studien und Befragungen dazu lassen zumindest Zweifel aufkommen. Klar ist, Kinder bereichern das Leben der Männer: Rund 58% der Väter sagen, die Geburt ihres Kindes hat ihr Leben „glücklicher und erfüllter" gemacht (Zeitschrift ELTERN 2014). Doch der Rollenwechsel schafft auch verstärkt Unsicherheiten. Rund 40% der Väter in der Rush Hour befürchten, dass ihre beruflichen Leistungen bei Inanspruchnahme familienfreundlicher Angebote als „schlechter" angesehen werden (ATKearney 361°).

Und dazu kommt eine wahrgenommene Einengung der persönlichen Freiheit oder der Beziehung, wenn jeder fünfte sagt, die Partnerschaft wird durch das Kind belastet. Und von den Vätern unter 40 Jahren geben 39% an, sie hätten kaum noch Zeit für sich - und 17% von ihnen fühlen sich manchmal sogar "völlig überfordert" (ELTERN 2014).

Und dieses Ergebnis von Ängsten und zu vielen neuen Erwartungen spiegelt sich dann im Erwerbsleben wieder. Etwa 89% der Väter arbeiten weiterhin in Vollzeit, nur vier Prozent in Teilzeit. Und zwei Drittel der Befragten wollen das auch so. Ein Drittel allerdings würde gern in Teilzeit arbeiten. Das sind die Widersprüche der berufstätigen Väter von heute: 43% von ihnen hätten gern mehr Zeit für die Familie, 15% haben sogar das Gefühl, weder im Beruf noch in der Familie allen gerecht zu werden - und trotzdem ist die Mehrheit nicht bereit, in Teilzeit zu arbeiten (ELTERN 2014).

Männer stärken!

Diese Indifferenz der veränderten Rolle des Mannes kann Gesellschaft, Wirtschaft oder Politik nicht auflösen. Bei der Stärkung dieser veränderten Rolle sollten sie Mann unterstützen. Erster Adressat sind die Unternehmen. Sind die Männer zu Hause mit Vereinbarkeit und Familienzeit aufgrund neuer Freiheiten in der Arbeitswelt zufrieden, gedeiht Dankbarkeit an das Ermöglichen und die Motivation, es dem Unternehmen zurück zugeben:

94% der Väter, die Vereinbarkeit in ihrem Unternehmen als selbstverständlich erleben, arbeiten gern für ihr Unternehmen (ATKearney 361°). Doch dieses Bedarf auch einer Anerkennung der Unternehmen, die dieses ermöglichen. Das Familiensiegel sei erst der unterstützende Anfang, ein wenig selbst müssen die Chefs schon drauf kommen. Die Politik hat erstaunlicherweise schon vor Jahren reagiert.

Das Thema Partnerschaftlichkeit ist seit Jahren in der Familienpolitik angekommen, die Partnermonate im Rahmen des Elterngeldes ein konkretes Angebot. Bleibt noch der gesellschaftliche Diskurs! Aber bitte keine überfordernden abstrakten Diskussionen über Rolle, Männlichkeit oder ein Männlichkeitsideal. Das schreckt ab und führt zu Blockaden. Sonst gehen womöglich alle wieder auf die Jagd oder erobern fremde Welten. Gewollt sind Stärkung und Anerkennung.

Geschlechtergerechtigkeit heißt dann auch gesamtgesellschaftlich, dass Frauen im Beruf mehr - also gleichviel - verdienen und man Männern mit Kinderwagen respektvoll Platz macht. Eines will Mann wie Frau dabei aber: die Freiheit der Partner und der Familie es selbst zu entscheiden. Das stärkt!

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