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18/09/2014 15:08 CEST | Aktualisiert 18/11/2014 06:12 CET

Wie „Jugend-TV.net" die Schwächen von YouTube entlarvt

Getty

Das Konzept von YouTube ist so einfach wie problematisch. Die Plattform bietet Video-Unterhaltung zu allen erdenklichen Themen. Nutzer können nicht nur konsumieren, sondern auch aktiv Inhalte beisteuern. Jederzeit, anonym, kaum kontrolliert. Ein soziales Mitmachmedium in einer Spaßgesellschaft. Das möchten jedenfalls viele Menschen glauben.

Doch bei YouTube ist eben längst nicht alles Spaß. Täglich werden Millionen Beiträge mit pornografischem, gewaltverherrlichendem Material oder feindlichen Parolen hochgeladen. Die schier grenzenlose Offenheit des Systems, die sich aus der Breite der Meinungsfreiheit ergibt, ist höchst anfällig für Missbrauch.

Der Anbieter ist gar nicht imstande, sämtliche seiner Inhalte zu prüfen, so schnell verbreiten sie sich im Netz. Eine Gruppe, die sich diese Schwäche zunutze macht, ist eine Sekte aus der Schweiz. Nach allem, was man weiß, steht eine Gruppe um den radikalen Prediger Ivo Sasek hinter dem Sender „Jugend-TV.net".

Über YouTube werden feindliche Ideologien in die Welt gestreut

Der behauptet von sich, ein Programm anzubieten, das Kindern und Jugendlichen die Welt erklärt. Seine Video-Beiträge verbreitet „Jugend-TV.net" über YouTube. Der Haken an der Sache: Die als Erklärfernsehen deklarierten Inhalte sind Botschaften einer Sekte, die Kinder und Jugendliche manipulieren. Und YouTube ist der Kanal, über den sie ihre Ideologie in die Welt streut.

Genau das ist die Gefahr, die von der Plattform ausgeht. Dass sie zum Spielball von Nutzern verkommt, die Bösartiges im Schilde führen.

Rechtsverletzendes und menschenunwürdiges Material, das beteuert YouTube bei jeder Gelegenheit, werde umgehend zensiert, wenn nötig gesperrt. Ein Beispiel für einen solchen Fall ist ein Video aus dem vergangenen Jahr. Darin war zu sehen, wie ein geistig verwirrter Mann auf offener Straße von der Polizei erschossen wurde.

„Menschenverachtende Bilder gehören gelöscht"

Der Beitrag verbreitete sich in rasender Geschwindigkeit im Internet, vor allem über Facebook. Politiker wetterten damals, so etwas dürfe nicht gepostet werden, das sei menschenverachtend. Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer plädierte dafür, dass Bilder wie in diesem Fall „aus dem Netz genommen werden" müssten.

YouTube reagierte seiner Zeit und sperrte den Beitrag. Doch was ist mit Inhalten, die unter das Grundrecht auf Meinungsfreiheit fallen? Die jeder nach Herzenslust verbreiten darf. Experten sind einhellig der Meinung, dass es sich bei den Video-Botschaften von „Jugend-TV.net" um einen solchen Fall handelt.

Bei aller Schärfe, mit denen die Inhalte zu verurteilen sind: Es wäre nicht nur gegen das Gesetz, wenn diese Beiträge vom Netz gingen. Es wäre auch von der Wirkung her falsch, die Videos abzuschalten.

Zensur verhindert keine ideologischen Hirngespinste

Ideologische Hirngespinste lassen sich nicht durch Zensur verhindern oder austreiben. Nur wer ihnen offen und entschlossen entgegen tritt, gewinnt die Oberhand über sie.

Das gilt für Kanäle wie YouTube, über die Inhalte wie die von „Jugend-TV.net" verbreitet werden. Das gilt für jeden in der Gesellschaft, der mit solch ideologischen Parolen konfrontiert wird. Das gilt in erster Linie aber auch für Eltern, für die der Schutz ihrer Kinder Priorität hat.

Kinder kann man nicht schützen, indem man ihnen etwas Gefährliches vorenthält. Sie suchen danach - solange bis sie es gefunden und getestet haben.

Besser ist, sie schon vorher aktiv teilhaben zu lassen. Sie aufzuklären über die Risiken, die im Internet lauern. Ihnen die Wahrheit über die Botschaften von „Jugend.TV.net" zu sagen. Das ist der schwerste Schlag, den man den Verantwortlichen der Propaganda-Inhalte versetzen kann. Er ist viel stärker als jede Zensur dieser Welt.

„Durch den Zensor wurde schon so manches Wortwerk geadelt", hat der deutsche Autor Martin Gerhard Reisenberg einmal gesagt.

Es liegt an uns allen, die Macher von „Jugend.TV.net" nicht in diesen Genuss kommen zu lassen.