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05/12/2013 12:43 CET | Aktualisiert 04/02/2014 06:12 CET

Tom Daley: Warum es mehr ist als ein Outing

Der britische Olympiasieger (Turmspringen) Tom Daley hat sich diese Tage geoutet. In einem sehr sympathischen und persönlichen YouTube-Video, in dem er über seine Sorgen, seine Hoffnungen, seine Freude, seine Seele spricht. Dass er dabei mit seinem Augenaufschlag Bambi Konkurrenz macht, schadet dabei sicherlich auch nicht.

Und plötzlich interessiert sich die ganze Welt für Turmspringen (jetzt mal ehrlich: wie viele von euch haben Tom Daley vor seinem Outing gekannt?!). Das Netz ist voll davon. Daley wird Respekt zugesprochen, Daley wird beschimpft. Manche wollen es immer schon gewusst haben, manche sind überzeugt davon, dass er nun nicht mehr in den Himmel kommt. Aber alle interessieren sich für ihn, jeder hat eine Meinung. Das interessante: Nicht mal "Prison Break"-Star Wentworth Miller hat mit seinem Outing vor einigen Monaten so sehr für Aufsehen gesorgt. Und der ist doch um einiges bekannter.

Was also ist dran an Daley und seiner "Something I want to say"-Videomessage?

Klar, er ist süß. Aber da ist noch mehr. Auch, dass er ein Sportler ist, scheint nicht der Hauptgrund des weltweiten Interesses zu sein - denn, mal ehrlich, Turmspringen ist nicht Fußball oder Football (nein, das ist nicht dasselbe, btw!).

Es ist mehr als ein Outing, das Daley uns präsentiert hat. Sein mittlerweile berühmtes Statement "I met someone ... and this someone is a guy" lässt aufhorchen (und geht sicherlich in die Geschichte und den schwulen Sprachgebrauch ein).

Es geht nicht darum, ob Daley schwul, hetero, bi-neugierig oder tatsächlich bisexuell ist. Er ist auch nicht irgendwas dazwischen. Vielmehr scheint Daley eine Art zu Denken zu leben, die in der Queer Theory seit Jahrzehnten als "queer" gepriesen wird. Nämlich abseits aller Normen, aller Kategorien. Nicht nur zu leben, sondern vor allem auch zu lieben. Jenseits all dieser Kategorien, die letztendlich nur dazu da sind, uns gegenseitig besser kontrollieren zu können. Daley scheint es nicht darum zu gehen, sich als "Schwuler" zu identifizieren. Er fände Mädels weiterhin anziehend, meint er, aber momentan sei er einfach "sehr, sehr glücklich". Im Hinterkopf habe er immer schon an die Möglichkeit gedacht, mit Männern eine intime Beziehung einzugehen. Das macht ihn nicht zur "sich selbst anlügenden Schwuchtel", wie im Netz so sensibel analysiert wird, sondern zu einem Menschen, der sein Leben nicht nach Labels ausrichtet.

Er hat also jemanden getroffen. Und dieser jemand ist nun mal ein Typ. So what?! Genau so sollte es doch sein: man verliebt sich in einen Menschen, nicht in ein Geschlecht. Es geht um die Person mit seinen Ecken und Kanten, und nicht um dessen Geschlechtsteile. Ob dieser jemand dann eben eine Frau oder ein Mann ist - ist das tatsächlich so wichtig?!

Wir wissen ja mittlerweile auch schon, wen Daley kennengelernt hat. Wer ihn glücklich macht. Ich möchte den Namen hier absichtlich nicht nennen, möchte keine Meinung abgeben, keine Spekulationen in die Welt reifen. Weil es eben nicht wichtig ist, WER es ist. Wichtig ist, DASS es da jemanden gibt. Dass sich zwei Menschen gefunden haben, die es zugelassen haben, dass sich ihre Seelen berühren. Das hat ja auch Daley deutlich gemacht.

Also: Gut gemacht, Tom! Du hast dich nicht nur "geoutet" (wenn man das überhaupt so nennen will) und dich somit sehr mutig bewusst Kritik ausgesetzt, sondern eine Art zu Denken und vor allem zu Lieben der Öffentlichkeit, sprich: dem Mainstream näher gebracht, die leider immer noch unserer Zeit voraus ist.

Es braucht mehr Menschen wie Tom Daley, um die in unserer Gesellschaft so tief verwurzelte Heteronormativität aufzubrechen.

Deshalb auch von mir: #RespectTom.

manuelsimbuerger.wordpress.com

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