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13/12/2016 07:59 CET | Aktualisiert 14/12/2017 06:12 CET

Reitsport 4.0 - Vom Sattel ins StartUp

bizoo_n via Getty Images

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Vielleicht ist Hannover heute Abend ein wenig das Innovationszentrum des Landes. Falls ja, dann liegt es sicher an einer ungewöhnlichen Zusammenkunft, die sich in den Räumen der "VentureVilla" (Niedersachsens erstem Seed-Accelerator) ereignet hat: Hier traf sich erstmalig der "Equipreneurship"-Stammtisch, der StartUps mit Geschäftsmodellen rund um den Reitsport vernetzten möchte.

Das dieses Aufeinandertreffen von Deutschlands zweitumsatzstärkstem Sportmarkt (im Jahr 6,7 Mrd.€, in Europa 100 Mrd.€) und den technologischen Vorboten der "Fourth Industrial Revolution" gerade zu diesem Zeitpunkt in dieser Stadt stattfand hat gleich mehrere Gründe: Zum Einen ist Hannover in diesen Tagen Gastgeber der "Pferd&Jagd", Europas größter Messe zum Pferdesport, die viele entscheidende Akteure der Reitszene anzieht.

Zum Anderen ist die Initiatorin des "Equipreneurship"-Stammtisches, Enri C. Strobel, mit ihrem StartUp aus Hamburg nach Hannover gezogen.

Tatsächlich eignet sich HorseAnalytics auf besondere Weise dafür, den "Equipreneurship"-Trend in Deutschland auch als Außenstehender zu begreifen: Enri C. Strobel ist BWL-Alumna der Zeppelin Universität und sitzt seit ihrem 7. Lebensjahr im Sattel, inzwischen als Polo-Spielerin.

Ihr Berufseinstieg führte sie zum Serial-Entrepreneur und Startup-Investor Lars Hinrichs, an dessen Apartimentum (dem "schlausten Haus Deutschlands", titelte der STERN) sie mitarbeitete - und so Einblicke in Themen wie Internet of Things, Drohnen oder Wearable Computing bekam.

An der für die allermeisten Entrepreneure fernliegenden Schnittstelle dieser Technologien und dem konservativen Reitsport entstand dann vor einigen Monaten HorseAnalytics, das dann auch auch gleich den diesjährigen Berliner "Unicorn Pitch" gewonnen hat. Hier entwickelt ein interdisziplinäres Team gemeinsam mit Partnern wie Universitären oder namenhaften Reitsportlern und unterstützt vom Tech-Giganten Microsoft einen neuartigen Aktivitätstracker, der dauerhaft mithilfe eines intelligenten Algorithmus erkennt , über welchen Zeitraum sich das Pferd in welcher Gangart bewegt, und dabei zwischen Trainings- und Weidezeiten unterscheiden kann.

Die so erhobenen Daten helfen dann, Trainingspläne zu optimieren und Anzeichen von Krankheiten wie einer Lahmheit frühzeitig zu erkennen, oder auch einfach nur dabei, sich seinem geliebten Tier (in Deutschland gibt es 1,2 Mio. Pferde und Ponys) nahe zu fühlen.

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Geschichten wie diese, die zu Geschäftsmodellen zwischen den Sektoren führten, hört man häufig am heutigen Abend: Da ist die Leiterin des "Horse Competence Center Germany" der Hochschule Osnabrück, Katja Wagner, die ihr patentiertes "Smart Riding Arena Leveller"-System vorstellt, das eine automatische Höhenregulation des Planierschildes ohne manuelle Eingriffe ermöglicht.

Da ist Henrike Elisabeth Klein, die ihre Erfahrungen aus London und aus einer namenhaften Marketingagentur für Fashion und Lifestyle mit ihrer Leidenschaft verbindet, und nun von München aus die eCommerce-Plattform 4hooves.de für die Pferdeszene betreibt.

Ein ausgeklügelter, online verfügbarer Produktkonfigurator erlaubt den beiden Gründerinnen von Equiteam anatomisch individualisiertes Zaumzeug anzubieten.

Wer auch immer in Deutschland auf der Suche nach den vielbeschworenen Gründerinnen ist, findet sie im Reitsport. Oder um den eher branchenfremden Sartre zu bemühen: Das Equipreneurship ist ein Female Entrepreneurship.

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Der Abend endet mit regen Diskussionen, auch weil sich die Teilnehmer des "Equipreneurship"-Stammtisches mit den Besuchern eines parallel stattfindenden Virtual Reality MeetUps vermengten.

Das einer der anwesenden VR-Experten den Prototypen eines Polo-Simulators vorstellt, vermag dann allerdings die leidenschaftlichen Reiterinnen nicht unmittelbar zu überzeugen. Das Pferd an sich, so sagt man, soll doch bitte bleiben, wie es ist. Nur das Drumherum soll, und wird, sich ändern.

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