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05/04/2016 06:52 CEST | Aktualisiert 06/04/2017 07:12 CEST

Friedensfest: "Wir hoffen gemeinsam auf eine bessere Welt"

Ulas Tosun via Getty Images

"For three thousand years of world history and for three hundred million people today, Nowruz unites regions and nationalities, religions and languages to share in the renewal of life on the first day of Spring. It is a moment for cleansing and rebirth, an opportunity to renew wishes of peace and goodwill." - UN Generalsekretär Ban Ki-­moon

Indien, Türkei, Indonesien, Somalia, Burkina Faso, Pakistan, Ägypten, Elfenbeinküste, Belgien - das ist die furchtbare Liste der Länder, deren Bewohner allein im jungen Jahr 2016 barbarische Terroranschläge unterschiedlichster Art zu ertragen hatten. Die Hintergründe dieser Ereignisse sind - ebenso wie ihre Bewertung und die Frage geeigneter Konsequenzen - gleichermaßen einfach, aber auch hochkomplex.

Nicht nur vor dem Hintergrund der geopolitischen, geoökonomischen und geotechnologischen (vergl. Parag Khanna) Dimensionen dieses Terrors, sondern auch bei tieferer Betrachtung seiner ideengeschichtlichen und theologischen Konfliktlinien lohnt es sich, nach Formen und Formaten des friedlich-zivilisierten Austausches zu suchen, die vergangene Jahrhunderte und unterschiedlichste Akteure miteinander zu verbinden vermochten.

In unseren Augen ist das vorislamische und vorchristliche "Nowruz"-Fest, das in den vergangenen zwei Wochen gefeiert wurde und am Freitag zu seinem Ende kam, ein großartiges Beispiel, von dem sich lernen und auf das sich (kultur)politisch beziehen lässt.

Aus dem altpersischen kommend wird "Nowruz" mit "Neuer Tag" übersetzt, und seit über 3000 Jahren von mehr als 300 Millionen Menschen im und ausserhalb des persischen Kulturraums als Neujahrs- und Frühlingsfest gefeiert wird - als ein Fest, das auf einmalige Weise vom Balkan über die Schwarzmeerregion, dem Kaukasus und Mittleren Osten, in Zentralasien bis nach Ostafrika verschiedenste Religionen, ethnischen Gruppen und sozialen Milieus zusammenbringt.

"Menschheitskulturerbe der UNESCO"


Nowruz ist eines der „Menschheitskulturerbe" der UNESCO, und seine Philosophie ist eng verbunden mit - vielleicht sogar verantwortlich für - den altpersischen "Kyros-Zylinder", den William J. Talbott, Professor für Politische Philosophie und Menschenrechte an der University of Washington, als "perhaps the earliest known advocate of religious tolerance" und Beweis das "ideas that led to the development of human rights are not limited to one cultural tradition" beschreibt, und der als "erste Menschenrechtscharta" von der UN in ihrem Hauptgebäude aufgestellt wurde.

Und den altpersischen Dichter Rumi inspirierte diese Geistehaltung zu seinem berühmten Ratschlag, der heute Teil jeder Friedensmediation des Auswärtigen Amtes oder Schulung zur Konfliktvermeidung ist: "Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns."

Im Iran selbst und bei Iraner auf der ganzen Welt wird Nowruz heute von Gläubigen aller Religionen gefeiert, stets am 20./21. März beginnend, wobei der Tisch der Haft Sin - auf dem Sieben klassische Symbole für das Leben, Neubeginn, Glück und Fruchtbarkeit aufbewahrt werden - um das jeweils bevorzugte Heilige Buch ergänzt wird.

Wer sich keiner Religion anschließen möchte, platziert dort stattdessen ein Buch des bekanntesten persischen Dichters, Hafis, den Johann Wolfgang von Goethe in seinem West-Östlichen Divan als seinen Zwilling bezeichnet.

"Time to reflect on the values of peace"


Nowruz, sagte der Kanadische Premierminister Justin Trudeau in diesem Jahr sehr treffend, sei "a time to reflect on the values of peace, harmony, tolerance, and reconciliation." Und von Berlin aus betonte Bundespräsident Gauck, das "Gerade in bedrückenden und bedrohlichen Zeiten, wie wir sie augenblicklich erleben, vermag diese Botschaft [des Nowruz] auch Trost zu spenden und Zuversicht zu wecken.

Gemeinsam mit unzähligen Menschen in Regionen von Krieg und Terror hoffen wir auf eine Welt, die sich zum Besseren wendet - auf eine Welt, die wir selber, wo immer dies möglich ist, aktiv mitgestalten wollen."

Es bleibt nur, sich dem Bundespräsidenten hier anzuschließen, und Ihnen allen eine gelungene Tagundnachtgleiche, ein gesegnetes Osterfest und (erneut!) ein frohes und friedliches Neues Jahr zu wünschen.

(Dieser Beitrag entstand gemeinsam mit Dr. rer. nat. Mojtaba Shamsrizi, in Isfahan geborener und in Hamburg ansässiger Publizist, Kulturmanager, Fachgruppensprecher Iran im Mediation DACH e.V.)

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