BLOG
23/09/2015 11:07 CEST | Aktualisiert 23/09/2016 07:12 CEST

Eine alleinerziehende Frau managt den Alltag mit zwei Kindern und Job

2015-09-22-1442904294-1365001-IMG_56771.jpg

MamaWahnsinnHochDrei hat die schöne Evelyn aus Wien-Schwechat getroffen. Der Lebenslauf der Powerfrau liest sich wie ein Bestseller: Vor den Kindern war sie in Führungspositionen im Bereich Marketing/Kommunikation bei Capgemini und Western Union. Sie lebte in Frankfurt, London, Johannesburg und Istanbul und bereiste die ganze Welt.

Doch nach der Geburt ihrer zwei entzückenden Sonnenscheine - Samuel (5) und Sina (4) - kam es zum großen Crash: Einerseits scheiterte die Beziehung zum Vater der zwei Goldschätze, andererseits fand Evelyn keinen Job.

Lest selbst, wie sie trotzdem alles fulminant meisterte und meistert.

2015-09-22-1442904260-8099739-IMG_5684.jpg

MamaWahnsinnHochDrei: Zwei Kinder, Beruf und alleinerziehend. Hand aufs Herz, wie sieht es bei euch in der Früh aus? Wann stehst du auf? Wann verlasst ihr das Haus beziehungswiese wann bist du „endlich" auf der Arbeit?

Evelyn: Es gibt gute und weniger gute Tage. Manchmal sind wir in einer Stunde fertig, manchmal brauchen wir fast drei. Mein Nervenkontingent ist an solchen Tagen morgens bereits völlig ausgeschöpft.

Grundsätzlich kommt es darauf an welche „Phase" ich gerade durchmache, welche die Kinder und was geschäftlich am Programm steht (Anmerkung: Evelyn arbeitet bei einem Marketing- und Technologieberatungsunternehmen in Wien)

Kein Tag gleicht dem anderen - zumindest für mich. Fliege ich ins Ausland - was nicht allzu oft aber doch vorkommt - stehe ich um vier Uhr morgens auf und meine hoch geschätzte und geliebte Mutter springt ein.

Hab ich einen Neun-Uhr-Termin in Wien, wird es meist stressig, da ich eine Stunde Wegzeit einplanen muss. Das heißt, da müssen die Kinder um Punkt acht im Kindergarten sein. Mein Zeitdruck überträgt sich meistens auf sie und ich kann garantieren, dass einer der beiden noch eine Extra-Kuscheleinheit in der Früh benötigt.

Kann ich wiederum von zu Hause aus arbeiten, sind wir meist in einer Stunde fertig und um halb acht abmarschbereit. Dann gehen wir, fahren mit den Rädern oder rollern in den Kindergarten, der nur fünf Gehminuten von unserer Wohnung entfernt ist. Es bleibt endlich Zeit, mit den Betreuerinnen und anderen Mamis zu plaudern. Auf dem Rückweg erledige ich die Einkäufe und sitze schlussendlich schon vor neun Uhr am PC.

Dein Lebenslauf ist der Hammer! Ehrlich! Wow! Doch wie war der Berufseinstieg für dich? Wie lange bist du nach den Kids zu Hause geblieben?

Evelyn: Der Berufseinstieg war bei mir sehr speziell und schwierig. Ich war in keiner festen Anstellung und habe über ein Jahr einen Job gesucht.

Ich war aufgrund der Trennung und der finanziellen Situation extrem angespannt und am Ende bereit, jede Arbeit zu machen: Teilzeit, Vollzeit, Honorarbasis, Marketing, Verkauf, Projektarbeit, Buchhaltung, Kellnerin, Assistenz...

Ich wollte und musste einfach wieder arbeiten, um meine Kinder und mich über die Runden zu bringen. Und obwohl ich einen recht guten Lebenslauf habe, schreckten die beiden Kinder und die angeführte Karenz doch viele Arbeitgeber ab.

Nach über einem Jahr Suche, habe ich endlich einen Job bei „willhaben.at" im Verkauf bekommen, jedoch nur Vollzeit. Meine Kinder waren damals dreieinhalb und zweieinhalb Jahre alt. Das Paradoxe: obwohl ich mir so sehr einen Job gewünscht hatte, musste ich am ersten Tag auf die Toilette und weinte - wegen meiner Kinder.

Auch jetzt noch, nach mittlerweile zweieinhalb Jahren Berufstätigkeit, kämpfe ich mit meinen Emotionen und Gefühlen, um den Spagat Kinder und Beruf zu vereinen. Es ist ein ständiges Auf und Ab.

Alleinerziehend - für manche unvorstellbar. Wie meisterst du das?

Evelyn: Ehrlich gesagt, ich weiß es oft selbst nicht. Ich stoße immer und immer wieder an meine Grenzen. Vielleicht war mein früherer beruflicher Erfolg ein gutes Training für diese Herausforderung. Der Schlafentzug war bestimmt die größte Folter. Stündlich stand ich auf, kochte Flaschen, stillte, beruhigte, streichelte, ....

Ich habe ständig gewickelt, gefüttert, die Kinder umgezogen oder die Wäsche gewaschen. Alleine die einfachsten Dinge - wie den Müll heruntertragen oder die Einkäufe erledigen - waren mit den beiden eine Mega-Challenge - und ist es eigentlich heute ab und zu auch noch (lacht).

Und trotzdem funktioniert es - wenn man euch so beobachtet - einwandfrei, ihr seid ein tolles Team! Wie motivierst du dich?

Evelyn (lacht): Das ist eine sehr gute Frage! Ich glaube, ich habe von Natur aus einiges mitbekommen, was sehr hilfreich ist und wofür ich auch sehr dankbar bin. Zum Einen eine gute Portion Optimismus und zum Anderen vielleicht auch gute Gene, die mir ermöglichen, all das gut zu durchleben.

Schlussendlich aber gab und gibt mir mein Glaube viel Kraft und Halt. Ich schätze sehr, was ich habe und fokussiere mich weniger auf das, was nicht da ist. Ich sage nicht, dass es immer einfach ist, wobei es immer einfacher wird.

Hut ab! Hast du Unterstützung?

Evelyn: Ohne die Hilfe meiner wunderbaren Eltern würde meine Situation mit Sicherheit anders aussehen. Ich bin Ihnen unheimlich dankbar und weiß, dass es heutzutage nicht selbstverständlich ist.

Doch tun sie das, was früher noch „normal" war: vorangehende Generationen haben nachkommende Generationen unterstützt. Das ist in unserem Kulturkreis irgendwie aus der Mode gekommen. Ein interessantes Phänomen, ich könnte Abende damit füllen, darüber zu philosophieren!

So, abschließend sagen wir kinder-like, du triffst im Glitzerland ein Einhorn und du hast drei Wünsche frei! Was wünschst du dir?

Evelyn: Als Erstes wünsche ich mir ein unerschöpfliches Kontingent an Wünschen!

Was mir natürlich sehr am Herzen liegt, ist das Wohl meiner Kinder. Ich wünsche Ihnen, dass sie gesund und in einem „gesunden" Umfeld aufwachsen und sich entfalten können.

Das heißt nicht, dass ihnen alle Hindernisse aus dem Weg geräumt werden - sondern ich wünsche ihnen Möglichkeiten, wie sie die bisherigen und kommenden Herausforderungen am besten für sich selbst meistern können.

Das Leben ist nicht immer nur zuckerrosa und die Probleme kommen nicht erst, wenn man erwachsen ist. Gemeinsam mit meinen Eltern zeige ich ihnen, dass Zusammenhalt in der Familie ein wichtiger Faktor ist. Und mein Motto ist: Wenn man etwas WIRKLICH will, dann schafft man es auch!

In diesem Sinne liebe Evelyn: Hut ab und vielen herzlichen Dank für deine offenen Worte. Alles, alles Gute für dich und deine Goldschätze!

PS: Wer ist eure Alltagsheldin? Vielleicht eine sehr gute Freundin, eure Schwester, die eigene Mama, eine liebe Cousine oder die nette Nachbarin? Ich suche tolle Frauen, die den Alltag mit Kids und Co. immer mit einem Lächeln meistern! Schreibt mir eine E-Mail und verratet mir mehr über diese besondere Lady! Es würde mich sehr freuen, sie hier am Blog vorzustellen. Als kleines Dankeschön bekommt ihr beide ein Kristall-Armband von Gedankenkraft. Meine E-Mail-Adresse: mamawahnsinnhochdrei@gmail.com

PPS: Mehr über MamaWahnsinnHochDrei findet ihr hier.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Video:Bewegend: Was passiert, wenn wir unseren Müttern sagen, dass wir sie lieben

Hier geht es zurück zur Startseite