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03/03/2015 04:05 CET | Aktualisiert 03/05/2015 07:12 CEST

5 Antworten auf die homophoben Sprüche von Birgit Kelle

IMAGO

Homophobie bei "Hart aber Fair".Brigit Kelle ist Autorin (u. a. für das katholische Online-Portal www.kath.net), Frauenrechtlerin und vor allem: Demagogin. Zusammen mit Beatrix von Storch (AfD) heizt sie die Demonstrationen gegen Sexuelle Vielfalt im Bildungsplan an.

Jetzt war sie mal wieder zu Gast bei "Hart aber Fair" zum Thema "Nieder mit den Ampelmännchen - Deutschland im Gleichheitswahn?" Wie immer schwer verdaulich, denn Birgit Kelle arbeitet bei ihrem Kreuzzug gegen neue Bildungspläne vor allem mit Polemik und wirft gerne Fragen auf, die sie selber zu beantworten offenbar nicht imstande ist. Oder sie will Dinge nicht zu Ende denken. MÄNNER-Chefredakteur Kriss Rudolph ist gerne behiflich.

1. „Soll mein kleiner Kerl überlegen, ob er wohl schwul ist, weil er seinen besten Freund echt gern hat und sie sogar im gleichen Bett am Wochenende übernachten?"

Abgesehen davon, dass wir die Wendung „mein kleiner Kerl" für Ihren Sohn merkwürdig finden: Ja, liebe Frau Kelle, genau das soll er. Überlegen hat noch niemandem geschadet, speziell über diese Frage. Es wird ihn sicher nicht in eine Lebenskrise stürzen, sondern zu einem offenen, empathischen Menschen machen (womit er sich von seiner Mutter unterscheiden wird). Finden Sie das eine so schlimme Vorstellung?

2. „[Was ist schwul?] Ich habe [meinem Sohn] erklärt [...] Dass es Männer gibt, die nicht nur andere Männer lieben - das tut er auch, er hat einen Vater und Brüder und Freunde -, sondern so sehr lieben, dass sie den anderen Mann auch heiraten wollen. Da hat er den Unterschied verstanden. Es ließ ihn staunend mit offenem Mund zurück."

Wir wollen hoffen, dass Ihr kleiner Kerl den Mund inzwischen wieder zumachen kann. Wenn es für ein Kind eine solche Sensation ist, dass sich zwei Menschen lieben - da möchte man nicht wissen, in was für einer kalten und lieblosen Atmosphäre der arme Junge aufwächst.

3. „Wenn es ein Regenbogenkind in der Klasse gibt, dann ist es gut, wenn die Klasse mal darüber redet. Dafür braucht es aber keinen neuen Lehrplan [...] Obwohl wir vier Kinder auf drei Schulen mit unzähligen Sportvereinen und mit großem Freundeskreis haben, ist meinen Kindern so eine Familie bislang noch nicht begegnet [...] Sie kamen noch nicht in die Verlegenheit, jemanden zu diskriminieren, weil sie so jemanden noch nicht kennen."

Man hört förmlich die Pinzette heraus, mit der Sie das Wort „Regenbogenkind" anfassen. Auch die Wendungen „so eine Familie" und „so jemand" lassen vermuten, dass da jemand gerne mit dem Finger auf andere Leute zeigt. Und Sie wissen ja: In solchen Fällen zeigen immer mindestens drei Finger auf den Betrachter zurück.

4. „Alle sind irgendwie 'queer' - das ist Gender für Fortgeschrittene. Wenn es so weitergeht, wird wohl in absehbarer Zeit in unseren Schulen das Wort 'Hetero' als Bezichtigung verwendet."

Stellen Sie sich vor, wir fänden das als Experiment gar nicht übel. Sagen wir, für eine Woche. Dann wissen wenigstens mal alle, wie es sich anfühlt, wenn man für etwas beschimpft wird, für das man nichts kann, das man sich nicht ausgesucht hat und das lediglich ein Wort ist, eine Verkürzung dafür, wen man attraktiv und sexy findet. Für Schwule ist es traurige Lebenswirklichkeit, auf dem Schulhof dafür beschimpft zu werden - in der Regel als "schwule Sau", als "Schwuchtel" oder schlimmeres.

5. „Nichts bringt die Gender-Szene mehr in Aufruhr als das Angebot, Menschen dabei zu helfen, beispielsweise ihre Homosexualität, also ihr Geschlecht, abzulegen, zu verändern, zu überdenken. Da werden aus Therapeuten dann böse ,Homoheiler'."

1. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat vor 25 Jahren Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel gestrichen. Etliche Langzeitstudien und klinische Publikationen belegen, dass gleichgeschlechtliche Gefühle und Beziehungen normal und positive Variationen menschlicher Sexualität sind. Wozu also heilen?

2. Ein Vorschlag: Wie wäre es, wenn Sie mal versuchten, Ihr Geschlecht abzulegen, zu verändern oder zu überdenken? Klappt nicht? Geben Sie sich ordentlich Mühe - und wenn Sie damit Erfolg haben, melden Sie sich gerne wieder.


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