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16/12/2015 04:57 CET | Aktualisiert 16/12/2016 06:12 CET

Warum ich meine Kinder mit Weihnachtsgeschenken überschütte

Das ganze Jahr über, sage ich "Nein."

"Nein, du bekommst die Prinzessinenpuppe nicht."

"Nein. Wir kaufen diesen Minnie Mouse Einkaufswagen nicht."

Ich musste aufhören, mit Ellis durch die Spielzeugabteilung bei Target zu gehen, weil sie einfach alles will. Alles ist schön und glitzernd und pink und ich kann sehen, wie ihre Augen immer größer werden und all ihre Gier tut mir im Magen weh. Denn ich würde ihr gern alles schenken. Ich hasse es, dass ich ihr wieder und wieder erklären muss: "Nein, dafür geben wir heute nicht unser Geld aus."

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"Diese Sachen sind nicht für heute."

Sie macht einen guten Job. Sie jammert nicht. Sie bettelt nicht. Nur die großen Augen. Das geflüsterte: "Faau, Mama. Es klitzat." Ich will sie in den Arm nehmen und sagen, "Natürlich kannst du das haben. Du kannst alles haben, was du willst. Immer."

Aber das will ich nicht sagen, denn mein Kind soll nicht denken, dass sie alles haben könnte. Aber ich würde gerne "Ja" sagen. Denn dieser Teil von mir, diese Grube in meinem Magen, die ihr einfach alles geben möchte, die Sonne, den Mond, das glitzernde Prinzessinenschloß, dieser Teil von mir möchte immer "Ja" sagen.

"Nein" sagen ist für Mütter sehr schwer


Ich habe es nie bemerkt, aber "Nein" sagen ist als Mutter fast noch schwerer als es als Kind zu hören. Es gibt Momente, in denen es leicht ist, "Nein" zu sagen. Noch einen Keks? Nein. Du willst mein Stück Kuchen? Träum weiter. Du willst deinen Bruder nehmen, ihn in ein Prinzessinenkleid stecken und mit Lippenstift beschmieren? Nein. Nein. Nein.

Aber in anderen Momenten tut es richtig weh. Du willst den ganzen Tag im Park bleiben? Du willst deine Prinzessinnenkrone in der Schule tragen? Du willst losziehen und einen Regenbogen suchen? Du willst vierzehn bis fünfzehn Prinzessinenpuppen?

Es tut mir Leid, aber nein.

Ich sehe Weihnachten als eine Zeit für "Ja".

Das ganze Jahr über lehre ich Zurückhaltung. Ich verbringe das ganze Jahr damit, ihr zu sagen, dass es dienstags nun mal einfach keine neuen Spielsachen gibt. Ich verbringe das ganze Jahr damit, sie zu ermutigen, mit den Sachen zu spielen, die sie hat, sie zu lieben, und sich an den Geschenken zu erfreuen, die ihr gehören. Und dass sie anderen Geschenke geben soll.

Einige der schwierigsten Lektionen, die sie lernen musste, war, wie das ist, wenn wir jemand anderem ein Geschenk machen, aber selbst keines dafür bekommen. Aber an Weihnachten darf ich "Ja" sagen. Ich darf ihre kleinen Träume von pinkfarbenen Ponys und Prinzessinnen wahrmachen.

Ich habe nur wenig Zeit, bevor ihre Träume und Wünsche komplizierter werden. Bevor meine Magie versagt, möchte ich ihre Probleme lösen.

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Ich habe versucht, meiner Tochter zu ihrem ersten Weihnachten nichts zu schenken. Ich sagte: "Ich kaufe ihr gar nichts. Sie braucht nichts." Denn natürlich braucht sie nichts.

Aber dann kam Weihnachten und irgendwie hatte ich doch 20 kleine Geschenke für sie, die sich im Laufe der Zeit angesammelt hatten. Denn sie ist noch klein und ich will, dass sie Spaß hat. Also kämpfe ich dieses Jahr nicht dagegen an. Wir haben uns ein Budgets gesetzt und ich werde es ausreizen, wenn es das wert ist. Das tut mir auch nicht Leid.

Geschenke sind eine Geste der Großzügigkeit


In unserer Konsumkultur vergessen wir schnell, dass Geschenke eine einfache Geste der Großzügigkeit sind. Unsere erwachsene Besessenheit aus dem Hamsterrad auszusteigen oder nicht an Wettrennen teilzunehmen ist nobel. Aber für Kinder sind Geschenke einfach eine riesige Freude.

Als Erwachsene die von der Kultur und dem Konsum überreizt sind, vergessen wir, wie besonders es ist, ein Päckchen mit einer Schleife und einer Überraschung drinnen nur für uns zu haben. Unsere Träume sind komplizierter. Wir sind schwieriger zu begeistern. Unsere Leben sind schwieriger zu bestreiten. Aber meine Tochter ist noch in dem Alter, in dem ihre Wünsche kleine einfache Träume von Magie sind.

Ich liebe Geschenke. Ich liebe es, zu schenken. Ich liebe es, genau nach der einen Sache zu suchen, die zeigt, dass ich das ganze Jahr über zugehört habe. Die zeigt, dass ich nicht nur weiß, was du brauchst, sondern auch, was du einfach gerne magst und worüber du dich freust. Und ich will, dass meine Tochter das auch lernt.

Dieses Jahr wird sie dabei helfen, ein Geschenk für ihren Bruder, ihren Papa und Cousins auszusuchen. Sie hat geholfen, Pakete für Operation Christmas Child zu packen und wir werden Geschenke spenden. Aber sie wird auch ihr riesiges Prinzessinnenschloß bekommen und das wird großartig.

Weihnachten: Ein Tag, an dem ich "Ja" sagen darf


Ich weiß, dass ich hier eine Lanze für den Konsum breche. Eine Aufforderung zum Verwöhnen. Aber es ist ein Tag. Ein Tag, an dem ich "Ja" sagen darf. Am 26. Dezember werde ich wieder "Nein" sagen. Ich werde wieder eine Mutter sein.

Aber für diesen einen Tag werden wir uns alle eine Pause gönnen. Denn eines Tages wird sie die Lektionen für Erwachsene lernen müssen über Dinge, über wollen und über brauchen. Aber genau jetzt soll sie nur lernen, dass es Magie gibt.

Die Geschenke meiner Tochter sind keine Belohnung für ein Jahr, in dem sie Gutes geleistet hat. Auch nicht, weil sie brav war. Sie hat nichts getan, um sie zu verdienen. Ich beschenke sie so, wie sie geben lernen soll - mit Großzügigkeit und ohne Gegenerwartungen.

Als ich ein Kind war, hatten meine Eltern nicht immer viel Geld. Aber sie haben es immer irgendwie geschafft, Weihnachten magisch zu machen. In einem Jahr war mein Vater arbeitslos, also bastelten sie uns Marionetten und eine Bühne. Ich habe Bücher mit Papierfiguren bekommen und mein Vater half mir den ganzen Tag, die kleinen Hüte auszuschneiden. Das war mein schönstes Weihnachten.

Ich will, dass meine Tochter das auch erlebt - die Magie eines liebevollen, großzügigen Geschenks. Mir ist klar, dass wir als weiße Mittelklasse-Familie überhaupt schon privilegiert sind, Weihnachten feiern zu können. Und ich hoffe, dass meine Kinder eines Tages verstehen, wie gut sie es haben.

Aber jetzt ist sie noch klein. Und jetzt glaubt sie noch an Magie. Also wird sie an Weihnachten dieses Jahr ihr Prinzessinnenschloß bekommen und wir werden den ganzen Tag damit spielen und es aufbauen.

Denn das ist auch für mich magisch.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf LyzLenz.com

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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