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23/12/2015 09:10 CET | Aktualisiert 23/12/2016 06:12 CET

13 Wahrheiten über das Wechselmodell

Volanthevist via Getty Images

Carola Fuchs ist eine besorgte Mutter. Nachdem der Europarat in seiner Resolution 2097 die europäischen Mitgliedsstaaten auffordert für eine paritätische elterliche Sorge (z.B. durch Wechselmodell) die Grundlagen zu schaffen, macht sie sich ernsthaft Sorgen über die - ihrer Ansicht nach - immer häufiger entrechteten Mütter und schreibt von unglücklichen Einzelschicksalen, aus denen sie ein Paradox ableiten möchte, welches es nicht gibt.

Es ist natürlich nicht so, dass Mütter heute plötzlich völlig rechtlos dastehen und Väter tun und lassen können, was sie wollen. In einer Zeit, wo der Spiegel sogar auf seiner Titelseite die etwas ketzerische Frage stellt "SIND VÄTER DIE BESSEREN MÜTTER?" werden sich Mütter aber leider daran gewöhnen müssen, dass die Gleichberechtigung, die man jahrelang im Berufsleben für die Frauen gefordert hat, nun auch langsam im Familienrecht für die Männer ankommt.

Ebenso wenig, wie sich ein Mann in der Arbeitswelt heute noch darauf verlassen kann, dass er sich alleine Aufgrund seines Geschlechtes gegen eine gleich oder besser qualifizierte Konkurrentin durchsetzen kann, so müssen sich leider auch die Mütter daran gewöhnen, dass ihr Geschlecht vor Gericht langsam den Sonderstatus verliert.

Die Gerichte erwarten immer öfter, dass die Mütter kooperativ mit dem Vater Lösungen entwickelt (und natürlich umgekehrt).

Im Grunde genommen gibt es gerade für die Mütter viele gute Gründe, sich über das Etablieren des Wechselmodells als Betreungsstandard zu freuen.

Hier mal 13 davon.

1.) Man spart sich einen Babysitter

Jede zweite Woche eine Woche sturmfreie Bude erspart ihnen eine Menge Organisation mit Babysitter etc. Mit Freundinnen einen heiteren Kochabend veranstalten. Ins Kino oder Tanzen gehen ist alles kein Problem mehr.

Es fällt auch leichter sich wieder auf dem Beziehungsmarkt umzusehen, ohne dass ihr Kind beim nächtlichen Aufwachen gleich ihren neuen Lover kennenlernen muss. Gerade was neue Beziehungen angeht ist es extrem hilfreich die regelmäßige kinderfreie Zeit nutzen zu können, um sich gegenseitig etwas besser kennen zu lernen, bevor die Kinder den potentiellen Stiefvater, Bonuspapa oder Onkel Bruno kennenlernen.

Selbst ein spontanes Liebes-Wochenende in Venedig ist realistisch, weil sie wissen, dass ihre Kinder jede zweite Woche versorgt sind.

Auch für den neuen Partner ist es angenehmer, wenn er langsam an die Familie heranführt wird und nicht gleich nach dem Liebesakt seinen Coffee-ToGo in die Hand gedrückt bekommt, weil sie wissen, das Klara-Luise gleich aufwacht und bei ihnen im Schlafzimmer steht.

2.) Nicht mehr die ganze Verantwortung liegt auf ihren Schulter

Wenn festgestellt wird, dass eine Knochenzyste vielleicht eine größere OP erfordert, ist es schon angenehm, wenn man sich darüber mit jemanden auseinandersetzen kann was jetzt die besten Schritte wären, dem das wohl des Kindes ähnlich stark am Herzen liegt.

Ebenso wie es unglaublich angenehm ist, wenn sie zwei Kinder haben, und bei dem einen festgestellt wird, dass die Niere operiert werden, und er drei Wochen streng im Krankenhaus auf dem Rücken liegen muss. Wenn sie sich diese Aufgabe mit jemanden teilen können, werden sie drei Kreuze machen.

Außerdem (siehe Punkt 1) Es tut Eltern durchaus mal gut wenn sie jede zweite Woche einfach nur mal an sich denken und ihre Akkus wieder auftanken können und keine Kindergeburtstage Sportveranstaltungen im Kopf haben müssen. Auch davon profitieren die Kinder (sogar schon in einer funktionierenden Kernfamilie)

Überall hört man, das Alleinerziehende ja so angestrengt sind. Warum wehren sie sich dann so sehr dagegen, die Lasten zu teilen?

3.) Artikel 7 Absatz 1 der UN-Kinderrechtskonventionen

„Das Kind ... hat ... soweit möglich das Recht, seine Eltern zu ken­nen und von ihnen betreut zu werden."

Es geht also gar nicht primär um die rechte der Väter, sondern um die Rechte der Kinder.

In einer Pressemitteilung der SPD-Fraktion zum Geburtstag der UN-Kinderrechtskonvention verkünden die Kinderbeauftragte Susanne Rüthrich und der Sprecher der Arbeitsgruppe Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Sönke Rix:

Die SPD-Bundestagsfraktion wird sich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass die Vorgaben der UN-Kinderechtskonvention in Deutschland konsequent und transparent umgesetzt werden."

Wie sollte der Paragraph 7 besser umgesetzt werden, als durch das Wechselmodell, wenn beide Eltern nach einer Trennung gleichberechtigt das Kind betreuen?

4.) Art.6 Absatz 2 Satz 1 des Grundgesetzes

„Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht."

Natürlich spielt auch das Recht der Eltern eine Rolle. Nur leider scheinen „Eltern" bislang in der deutschen Gesetzgebung spätestens nach der Trennung nur aus "Mutter" zu bestehen, was auch erklären würde, warum die Verfasser im Absatz 4 „Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft." schreiben. Warum heißt es da nicht auch "Eltern haben Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft"

Wenn die Mutter bei der Geburt stirbt, dürfen Vater und Kind sehen wo sie ohne Fürsorge der Gemeinschaft bleiben?

5.) Frauen können selbstständig ihren Lebensunterhalt verdienen

Im Wechselmodell haben beide Elternteile nach einer Trennung die Möglichkeit vollzeitnah zu arbeiten. Vielleicht lässt sich damit die Gender Time Gap von 23% ebenso schließen wie die Gender Pay Gap von 2-22% (wobei sich letztere schon schließen ließe, wenn Frauen etwas gewinnorientierter bei der Berufswahl und Work/Life-Balance wären).

In der Woche wo das Kind beim Ex-Partner ist, kann man problemlos ein paar Überstunden machen, während man in den Umgangswochen pünktlich den Stift fallen lässt.

Den einen oder anderen Arbeitgeber wird man hier sicherlich erziehen müssen, aber das wäre durchaus etwas, wo der Gesetzgeber mal sinnvoll lenkend eingreifen kann, und 35 Stunden pro Woche sind im Wechselmodell durchaus machbar.

Die Arbeitgeber werden sich daran gewöhnen müssen, denn von den Vätern hätten sie einem Umgangsstandard "Wechselmodell" kein anderes Arbeitsverhalten zu erwarten als von Müttern. Mann stelle sich vor "Mutter sein" wäre plötzlich kein Karrierekiller mehr

Dagegen wundert es gegenwärtig überhaupt nicht, wenn Väter bessere Karrierechancen haben und von Arbeitgebern möglicherweise bei der Beförderung bevorzugt werden.

Solange sie noch in einer Kernfamilie leben, gleichen sie meist bereitwillig mit ein paar Überstunden den Einkommensverlust aus, unter dem die Familienkasse durch nur noch maximal Teilzeit arbeitende Mutter leidet. Und nach der Trennung haben sie überhaupt keinen Grund mehr vielleicht mal früher nach Hause zu gehen.

Was kann sich ein Arbeitgeber besseres Wünschen?

Wen würden sie unter solchen Umständen lieber einstellen oder befördern: Die Residenzmodellmutter oder den Wochenend-Papa? Im Wechselmodell wäre jeder Elternteil jede zweite Woche dafür zuständig die Kinder aus dem Kindergarten abzuholen oder im Krankheitsfall pflegen, da gibt es keine Vorteile mehr.

6.) Familie wird für beide Elternteile zum Karriererisiko

Dass klingt schlimmer als es ist. Eigentlich ist es der größte Pluspunkt, denn welche Alternativen hätten die Unternehmen, als sich mit diesem Umstand zu arrangieren, und damit Familie überhaupt nicht mehr zum Karriereproblem werden zu lassen.

Nur noch Singles einstellen?

Die Ungebundenheit dieser Arbeitnehmer hat leider andere Nachteile. Ein lukratives Jobangebot in Berlin verführt einen Lüneburger Single schneller zum Jobwechsel, als einen Familienvater.

Wenn das Wechselmodell nach der Trennung Standard wäre, bräuchten sich Frauen nicht mehr alleine die inquisitorischen Fragen nach ihrer Familienplanung anhören.

Betriebskindergärten würden sich für wesentlich mehr Unternehmen lohnen, wenn nicht nur die Mitarbeiterinnen auf sie angewiesen wären.

Letztendlich würde Gleichberechtigung im Familienrecht die Gleichberechtigung in der Arbeitswelt weiter voranbringen, als jede Quote und andere gesetzliche Gängelung mit der gegenwärtig die Frauenministerin Schwesig, die weibliche Opferlegende am Leben zu erhalten versucht.

Auch das ist eine Lektion die man aus der elterlichen Gleichberechtigung in den Skandinavischen Ländern ziehen kann. Erst wenn auch männliche Abteilungsleiter Meetings nach 16:00 canceln, weil sie Kinderwoche haben, und die kleinen aus dem Kindergarten abholen müssen, wird sich die deutsche Meetingkultur ändern.

diagramm

Wenn Frau Schwesig aber auf der einen Seite inzwischen zweimal im Jahr darüber klagt, dass Frauen ja schlechter bezahlt werden und sie auf der anderen Seite nichts tut, um die, für diese Strukturen mit verantwortlichen, Umgangs- und Unterhaltsrechte zu ändern, dann muss sie sich leider nicht wundern, wenn sie in der Öffentlichkeit unaufrichtig und heuchlerisch rüber kommt.

7.) Väter erziehen anders und das sollten Kinder auch nicht nur an jedem zweiten Wochenende, sondern im Alltag mitbekommen.

Anders heißt nicht besser oder Schlechter. Da braucht es keine Konkurrenz zwischen den Eltern zu geben. Ebenso wie es keine Konkurrenz zwischen den Farben Schwarz und Weiß im Yin Yang gibt: Mit einer Farbe allein wird das Symbol nicht zum Kreis. Ebenso wird ein Kind ohne das väterliche und mütterliche Element in der Sozialisation nur schwerlich vollständig.

Auch Väter sind enorm wichtig für eine gesunde psychische Entwicklung:

Denn findet der Vater zu Hause zu wenig statt, gerät das Leben der Kinder leichter in eine Schieflage. "Mädchen reagieren sozial unauffälliger, da die Folgen eher in psychosomatischen Beschwerden oder depressivem Verhalten sichtbar werden."

Als junge Frauen würden sie häufiger ungewollt schwanger und öfter Opfer von sexuellen Übergriffen, da sie mit männlichen Forderungen nicht souverän umgehen könnten, so Schad in einem Vortrag. Auch hätten sie es oft schwer, positive, lang andauernde Beziehungen einzugehen. "Sie pendeln zwischen Idealisierung des Mannes und Verachtung, da der Idealisierung notwendigerweise die Enttäuschung folgt."

Meine Tochter drückte es so aus Väter vermitteln ein anderes Lebensgefühl.

Das Gefühl, dass es auch mal was riskieren kann, was nicht nur wichtig für das Privatleben, sondern auch für das Berufsleben ist. Frauen, und das kann ich als Frau nachvollziehen, sind nun mal ängstlicher, wenn es um ihre Sprösslinge geht.

Speziell zu den Jungen sagt der Psychologe Matthias Franz:

Jungen orientieren sich, bei aller Liebe, ab einem gewissen Zeitpunkt eher an männlichen Idealen, bestenfalls an ihren Vätern.

Sie brauchen auch deren Vorbild und auch Auseinandersetzung, um sich später abgrenzen und ihren eigenen Weg gehen zu können. Kinder, deren Väter eine aktive Rolle in der Familie spielen, erreichen ein höheres Bildungsniveau, rauchen seltener, und werden weniger häufig kriminell.

Wenn Väter sich nach einer Trennung zurück ziehen oder Mütter ihr Verhältnis zu den Vätern nicht geklärt haben, ihren Kindern womöglich einen Umgang erschweren oder verbieten, dann vergreifen sie sich an ihrer Entwicklung. Wir haben es heute mit einer vaterhungrigen Generation zu tun, deren Bedürfnisse immer weniger gestillt werden.

Dafür ist es eben nicht, wie die Mütterlobby es gerne kolportiert die "Quality Time" mit dem Vater relevant. Die Entwicklungspsychologin Lieselotte Ahnert fasst auf Spiegel Online sehr schön zusammen:

Es zeigte sich, dass die Vater-Kind-Bindung auch bei jenen Vätern gut entwickelt sein kann, die vermeintlich pädagogisch wertvollen Angebote kaum vorhalten. Wenn die Väter - nach einem Zufallsprinzip - von der App aufgefordert wurden, zu melden, was sie gerade taten und wo sie waren, lasen sie oft keine Bilderbücher vor oder spielten direkt mit dem Kind.

Offenbar ist die sogenannte Quality Time, die bisher entscheidend für die Entstehung einer Bindungsbeziehung gehalten wurde, bei Vätern weniger wichtig.

Es sind eher die für die Kinder wichtigen Alltagssituationen, in denen der Vater als präsent erlebt wird - als die schützende Person, die nachts ans Bett kommt, wenn sie schlecht geträumt haben, oder die sich auch mal Zeit nimmt, sie vom Kindergarten abzuholen oder andere Alltagsroutinen durchbricht.

Natürlich muss das Kind eines alleinerziehenden Elternteiles nicht zwangsläufig auf die schiefe Bahn geraten, aber Ich war selber einige Jahre Alleinerziehend, und ich weiß aus dieser Erfahrung wie schwer es ist, die Abwesenheit des anderen Elternteils zu kompensieren.

Es ist schon schlimm genug, wenn man diesen Mehraufwand ab und zu betreiben muss, aber es ist unnötig dies zu forcieren, nur weil einige Müttern die normale Loslösung aus der Symbiose verpasst haben.

Für die Kindesentwicklung ist es gesünder, wenn sich das Kind die jeweiligen Stärken auch beim jeweiligen Elternteil abholt.

8.) Väter sind auch Wähler

Ebenso wie Brüder, Schwestern und Großeltern väterlicherseits. Warum wundert sich die SPD eigentlich, wenn sie trotz durchaus beachtlicher Erfolge als Junior Partner der GroKo nicht aus ihrer 25% Bedeutungslosigkeit herauskommt.

Wenn man ein Geschlecht für überwindungswürdig hält und in seinen Gesetzentwürfen dieses im Parteiprogramm verankerte Ziel auch so vehement verfolgt, muss man sich nicht wundern, dass dieses Geschlecht nicht vor Begeisterung zu den Wahlurnen rennt.

9.) Wenn Gleichberechtigung nach der Trennung herrscht, wird in der Beziehung auch mehr auf Gleichberechtigung geachtet

Die Auswertungen der Elterngeldzahlungen von 2014 zeigen einen durchschnittlichen Einkommensunterschied von 668 € netto zwischen Mutter und Vater.

Dadurch ist es zur Zeit so, dass das Residenzmodell die finanzielle Abhängigkeit der Mutter auch in der Beziehung forciert. Denn gegenwärtig fährt eine Mütter besser damit, im Falle einer Trennung auf eine Teilzeitjob + Unterhalt zu setzen, als ein Augenmerk auf die Karriere zu legen und nach der Trennung im Wechselmodell, den eigenen Unterhalt zu verdienen.

Es wird im Interesse der Gleichberechtigung wichtig, dass dieser Anreiz wegfällt.

Für einen verantwortungsvollen Vater bringt das Wechselmodell keinen nennenswerten finanziellen Vorteil. Klar wenn er einer Ausnahmefälle ist, welche die Mütterlobby gerne heranzieht, der das 25-Fache der Mutter verdient: Dann vielleicht, aber Sie können sich ja mal in ihrem Bekanntenkreis umhören, wie viele solcher Väter es wirklich gibt. Und jemand der soviel Geld verdient wird das auch nur tun, weil er viele Überstunden macht.

Ich Glaube, das sind im Zweifelsfall sowieso eher die Väter, die dann lieber Unterhalt zahlen.

Der Durchschnittliche Vater arbeitet im Wechselmodell ein paar Stunden weniger, um in seinen Kinderwochen ausreichend Zeit für die Kinder zu haben. Er braucht eine größere Wohnung denn wenn die Kinder am Umgangswochenende auch auf dem Klappsofa schlafen können brauchen sie im Wechselmodell eigene Zimmer.

Er zahlt die die Hälfte der Lebenshaltungskosten der Kinder. Sie können sich ja mal ausrechnen, wie viel Unterhalt er alleine dafür zahlen müsste, um mit der Erziehungsarbeit Gewinn zu machen.

Finanziell ist das Wechselmodell insofern für die meisten Väter ein Nullsummenspiel. Deshalb ist die gerne kolportierte Unterstellung, "Väter wollen dass nur weil sie den Unterhalt sparen wollen" ziemlicher Unsinn ist.

Der größte Vorteil des Wechselmodelles für die Väter ist nicht finanzieller Natur. Der größte Vorteil ist, dass er eine feste Bindung zu den Kindern aufbauen kann und alls Familienfinanzierender Wechselmodells- und zwischenzeitlich alleinerziehender Vater kann ich mir gar nicht vorstellen, wie viel Geld ich verdienen müsste, um mir dieses Erlebnis "abkaufen" zu lassen.

Finanziell profitieren würden Väter überhaupt nur von einer Umkehrung des Residenzmodells profitieren. Und das natürlich auch nur, wenn die Frau ausreichend Geld verdient um dann auch Unterhalt zahlen zu können. Ich habe noch von keinem Vaterrechtler gehört der pauschal fordert das Residenzmodell umzukehren.

Wenn eine Mütter also nach einer Trennung (inzwischen ist das ja eine 50:50 Chance ob es dazu kommt) standardmäßig mit einer gleichberechtigten Aufteilung der Kinder rechnen müsste, würde sie sich vermutlich weniger leichtfertig darauf einlassen, ihrer Karriere zu vernachlässigen, weil die Mutterrolle keine Pauschalversorgung mehr bietet.

Klar fällt das schwer, wenn der Vater schon vor der Geburt deutlich mehr verdient, Erziehungsarbeit gleichberechtigt aufzuteilen, aber es liegt ja durchaus in der Hand der emanzipierten Frauen, bei der Partnerwahl nicht mehr nur nach dem Versorgertyp Ausschau zu halten, sondern eher dafür sorgen gleichberechtigt versorgen zu können.

10.) Kindesunterhalt ist einer der Gründe weshalb alleinerziehende Mütter stärker von Altersarmut betroffen sind

Wenn Frauen mit einer 25 Stunden Stelle plus Unterhalt genauso gut über die Runden kommen, wie mit einer 40 Stundenstelle im Wechselmodell mag das in der Gegenwart eine reizvolle Option sein. Würde ich auch sofort machen.

Langfristig schadet es ihr aber mehr, da auf den Kindesunterhalt aber keine Rente angespart wird.

Da die Karrierechancen mit späteren Einstieg in die Vollerwerbstätigkeit eher schlechter werden und insofern auch das Ansparen auf die Rente tiefe Einschnitte erfährt, ist es auch in Hinblick auf die Altersarmut besser, Erziehungsarbeit zu teilen, und wenn man das schon nicht in der Beziehung gemacht hat, weil man gehofft hat, man würde zu den anderen 50% gehören, die es bis zur Rente gemeinsam, dann sollte zu mindestens nach der Trennung gleich damit angefangen werden. Gerade bei unverheirateten Paaren, bei denen es keinen Versorgungsausgleich gibt

11.) Manchmal müssen Väter auch gezwungen werden

Nach der allensbacher Studie es zwar nur 11%, die wegen der eigenen Vermutung der Unfähigkeit mit einem Kleinkind umzugehen zu hause bleiben, aber trotzdem ist gerade bei einer traditionellen Rollenverteilung während der Beziehung die Schwellenangst der Väter „Kann ich das überhaupt alleine für das Kind zu sorgen" größer.

Vor allem wenn die Mutter eine Maternal Gatekeeper-Mutter ist, (was immerhin 25% der Mütter sein sollen). Wenn Sie innerhalb der Beziehung nämlich erst Mal alles kritisiert hat, was der Vater mit dem Kind (vielleicht auch einfach nur anders) macht, ist es schwer dieses Selbstvertrauen zu haben.

Viele Väter stellen aber schon während der Umgangswochenenden fest, dass das gar kein Hexenwerk ist, und dass Väter, wenn man sie lässt, eine genauso feste Bindung zu den Kindern aufbauen können.

Insofern lernen viele Väter tatsächlich erst nach der Trennung, die Zeit mit den Kindern genießen. Und die Kinder ebenso. wenn man sie ohne Loyalitätskonflikt lässt.

Also warum sollte man die Väter mit einem entsprechenden Trennungsstandard nicht ein wenig zu dieser Erkenntnis schubsen. wenn sie es Partout nicht wollen steht es ihnen ja Frei mit den Müttern eine andere Lösung auszuhandeln.

12.) Vater helfen Töchtern Kompatibilität zu schaffen

Vera Birkenbihl sagt in einem Vortrag „Männer - Frauen. Mehr als der sogenannte Unterschied" sehr schon

„Männer und Frauen sind eigentlich vollkommen inkompatibel, wie ein PC und ein Mac. Jeder hat seine Stärken und wenn sie lernen miteinander zu kommunizieren, dann sind sie zu Quantensprüngen fähig"

Aber wie soll die Tochter lernen mit einem Mann zu kommunizieren, wenn sie bis zu ihrer ersten Beziehung nie einen Mann im Alltag erlebt hat?

Ein Umgangswochenende reicht dafür bei weitem nicht, denn da ist die Begegnung immer ein Ausnahmezustand. Es kommt eben nicht nur auf die Qualität an, wie MutterechtlerInnen gerne weiß machen wollen, sondern die Quantität, sprich der Alltag entscheidet.

In einer Beziehung später wird auch nicht die Qualität von kurzen Begegnungen entscheidend sein, ob es zwischen den beiden klappt, sondern wie sie in der Quantität der Begegnung mit der Unterschiedlichkeit im Alltag klar kommen.

„Romeo und Julia" sind auch nicht daran gescheitert, dass die Qualität ihrer Begegnungen nicht ausreichend war, sondern weil sie es nicht geschafft haben die Quantität sprich die Probleme des Alltags mit einander zu bewältigen. Mädchen lernen das, mit ihrem Vater und Jungen mit der Mutter. Im Idealfall erleben sie auch das bei beiden Eltern, wenn die es schaffen auch nach der Trennung respektvoll miteinander umzugehen.

13.) Die klassische Rollenverteilung ist nicht kompatibel mit unseren Scheidungsquoten

Die klassische Rollenaufteilung funktioniert leider nur, wenn, wenn die Beziehung hält und die Frauen nicht er nach 7 Jahren Mutterdasein plötzlich in den Arbeitsmarkt zurückfinden müssen.

Jeder Elternteil ist in den Arsch gekniffen, wenn nach der klassischen Rollenaufteilung eine Trennung erfolgt. Die zuhause gebliebene Mutter, weil sie sich plötzlich nach 7 Jahren auf dem Arbeitsmarkt eine Karriere aufbauen muss, und der Vater weil er plötzlich als feste Bezugsperson lernen muss den Alltag mit den Kindern zu managen.

Zugegeben, den Alltag mit den Kindern schmeißen zu lernen, ist einfacher als nach sieben Jahren noch die Karriere im Vorstand eines Dax-Unternehmens zu avisieren, aber da es unter den familienfinanzierenden Unterhaltsvätern einen wesentlich höheren Anteil an Selbstmördern und Kontaktabbrechern gibt, kann nicht an einem überkommenen Rollenbild festgehalten werden nur, weil sich die Mutter daran gewöhnt hat, dass ein anderer ihren Lebensunterhalt finanziert.

Die Moral von der Geschicht

Alleinerziehendsein zum Erfolgsmodell zu verklären, wenn 40 % dieser Alleinerziehenden ihren Familienernährerstatus durch Transferleistungen sicher stellt, wird sicherlich weder den Kindern helfen, noch zur Entlastung der Gerichte führen.

Die Taktik von Carola Fuchs ist auch keine sinnvolle Lösung. Sie generiert aus Einzelfällen eine Pauschalverurteilung eines Geschlechtes, wenn sie schreibt:

Es ist tatsächlich schon vorgekommen, dass wir feststellen mussten, dass die Forderungen eines Vaters nach einer abwechselnden Unterbringung, oder auch nach der alleinigen Unterbringung des Kindes, bei ihm, dem Vater, was es ja auch gibt, aus dem Wunsch heraus geboren wurde, die Ehefrau oder die Partnerin weiterhin in gewisser Weise terrorisieren zu können."

Und wenn sie das als Argument gegen den Betreungsstandard "Wechselmodell" anführen möchte, ist das schon sehr problematisch.

Stellen sie sich mal vor, man würde stattdessen folgende - ebenso wahre - Aussage schreiben:

"Es ist tatsächlich schon vorgekommen, dass wir feststellen mussten, dass Mütter ihre Kinder am Teppich nagend verhungern lassen haben, weil sie am Wochenende mal wieder Party machen wollten, und vergessen hatten die Großmutter als Babysitter zu informieren, oder zu ihrem neuen Freund ziehen wollten und das Kind vergessen haben."

Sowas ist tatsächlich schon vorgekommen. Googlen sie einfach mal "Mutter lässt Kind verhungern"

Das passiert häufiger vor als man es sich vorstellen mag.

Trotzdem käme niemand auf die Idee, Müttern deswegen pauschal das Sorgerecht zu entziehen, oder pauschal eine gleichberechtigte Erziehung mit dem Vater strittig zu machen.

Natürlich gibt es Einzelfälle, bei denen das Wechselmodell unangebracht ist, aber zu denen zählen halt nicht die Fälle wo Mama sich wegen verletzter Eitelkeiten weigert oder wegen der bequemen Kombination aus 25 Stunden Arbeit pro Woche + Unterhalt lieber der Altersarmut entgegensegeln möchte. Auch wenn Frau Fuchs es alle Welt glauben lassen will, ist es kein Paradox gegen den Willen solcher Eltern das Wechselmodell anzuordnen.

Wie das Amtsgericht in Heidelberg sehr schön erklärte kann es durchaus angebracht sein, das Wechselmodell auch gegen den Willen der Mutter durchzusetzen:

Die Voraussetzungen für ein Wechselmodell müssten allerdings vorliegen und dem Kindeswohl am ehesten entsprechen.

Voraussetzungen für das Wechselmodell seien

  • - Wohnortnähe zu den Einrichtungen der Kinder
  • - betreuungskompatible Arbeitszeiten
  • - ausreichender Wohnraum bei beiden Elternteilen

Keine zwingende Voraussetzung für das Wechselmodell sei, dass beide Eltern stets gut kooperierten. Es komme vielmehr darauf an, wie sie mit einer Meinungsverschiedenheit umgingen. Die Eltern seien aber auch gehalten, schwelende Trennungskonflikte zu beenden.

Den üblichen Kritikern des Wechselmodelles sei durchaus der komplette Beschluss des Gerichtes ans Herz gelegt.

Wenn künftig nur noch die kritischen Einzelfälle geprüft würden und nicht jeder Vater vor Gericht "seine Unschuld" durch alle Instanzen beweisen muss (was die Mütterlobby leider unter Einzelfallprüfung versteht), um als Elternteil gleichberechtigt akzeptiert zu werden, dann könnten sich die Gerichte vielleicht auch wieder die Zeit nehmen, echte Konfliktfälle gründlich zu entscheiden.

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