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15/04/2015 11:22 CEST | Aktualisiert 15/06/2015 07:12 CEST

Sieben Risiken machen den Klimawandel zu einer der größten Sicherheitsbedrohungen des 21. Jahrhunderts

jonathansloane via Getty Images

Der Klimawandel schreitet voran. Schon heute sind seine Auswirkungen zu spüren und selbst wenn sich die Weltgemeinschaft Ende dieses Jahres bei den Pariser Klimaverhandlungen ambitionierte Klimaschutzziele verordnet, werden die Folgen über die nächsten Jahrzehnte deutlich zunehmen.

Was dies für die globale Sicherheit und die Fragilität von Staaten und Gesellschaften bedeutet, hat ein internationales Forschnungskonsortium aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA unter Leitung des Berliner Instituts adelphi im Auftrag der G7-Außenministerien in dem Bericht „A New Climate for Peace - Taking Action on Climate and Fragility Risks" analysiert.

Klimafolgen verschärfen Krisen und Konflikte in der Welt

Zentrales Ergebnis des Gutachtens ist, dass es eben keine „Klimakriege" gibt, wie manche Experten behaupten. Nicht heute und nach allem, was wir wissen, auch nicht morgen. Anstatt von Kriegen, die direkt durch den Klimawandel ausgelöst werden, sehen uns zunehmend mit Krisen und Konflikten konfrontiert, die durch Klimafolgen verschärft werden.

Vor allem Staaten, die unter fehlender Legitimität und schwachen staatlichen Institutionen leiden, werden es schwer haben, dem kombinierten und steigendem Druck von Klimaveränderungen, Bevölkerungswachstum unkontrollierter Urbanisierung, zunehmendem Ressourcenverbrauch, ungleicher, ökonomischer Entwicklung und Umweltdegradation standzuhalten.

Zusammen können diese Stressfaktoren zu politischer Instabilität und Konflikte führen. Zerfallenden Staaten und Gesellschaften droht eine Destabilisierungsspirale. Obwohl umstritten ist, wie stark der genaue Einfluss des Klimawandels heute ist, lässt sich bereits beobachten, wie dies in Zukunft aussehen könnte:

  • Beispiel Syrien: Zwischen 2006 und 2011 litt Syrien unter einer schweren Dürre mit verheerenden Folgen für die Lebensgrundlage der Bevölkerung, vor allem auf dem Land: fast 75 Prozent der Bauern Syriens verloren ihre Ernte. Vielen flohen in die Städte und die Regierung versagte auf die humanitäre Krise zu reagieren. Unter dem Einfluss des arabischen Frühlings und zusammen mit dem Unmut über das autoritäre Regime, der sich über Jahre aufgebaut hatte, war der Druck zu hoch.
  • Beispiel Thailand: 2011 führten starke Monsunregenfälle zu Überflutungen in 26 Provinzen. Zwei Millionen Menschen waren betroffen. Nach gewalttätigen Protesten in den Jahren 2008 bis 2010 war die politische Landschaft fragil. Die Versuche der Regierung der Katastrophe Herr zu werden, wurden von vielen als fehlgeleitet und ungerecht wahrgenommen. Hunderte protestierten gegen die ungerechte Verteilung von Hilfsgütern. Die Proteste der Bevölkerung dauerten bis zu einem Militärputsch 2013 an.

Hinter diesen und ähnlichen Beispielen stehen insgesamt sieben Risikokomplexe, die Fragilitätsdynamiken beschreiben und erklären. Diese Risiken wurden in dem Bericht "A New Climate For Peace" ausführlich formuliert, um sie den Blick von Außenpolitikern für zukünftige Krisen schärfen:

  1. Lokaler Ressourcenwettbewerb: Vor allem dort, wo effektive Konfliktlösungsmechanismen fehlen, kann Konkurrenz um knapper werdende Ressourcen zu Instabilität und gewalttätigen Konflikten führen.
  2. Bedrohte Lebensgrundlagen und Migration: Der Klimawandel bedroht die Lebensgrundlage vieler Bevölkerungsgruppen, die von klimasensiblen natürlichen Ressourcen abhängig sind. Dies kann u.a. zu Migration und Kriminalität beitragen.
  3. Extreme Wetterereignisse und Katastrophen verschärfen Fragilität und können die Vulnerabilität von Bevölkerungsgruppen sowie das Konfliktpotential erhöhen.
  4. Schwankende Lebensmittelpreise: Klimainduzierte Nahrungsunsicherheit und schwankende Lebensmittelpreise können in vielen Regionen Proteste, Unruhen und lokale Konflikte befördern.
  5. Grenzüberschreitendes Wassermanagement ist häufig eine Ursache von Spannungen. Verschärfte Konkurrenz um Wasser aufgrund steigender Nachfrage und verminderter Wassermenge und -qualität erhöht den Druck auf bestehende Konfliktlösungsmechanismen.
  6. Anstieg des Meeresspiegels und Küstenerosion: Steigende Meeresspiegel bedrohen tiefliegende Küstengebiete schon lange, bevor diese komplett überflutet sind. Dies wird zu Instabilität, Vertreibung und Migration führen und könnte zu zunehmenden Streitigkeiten um Seegrenzen und Meeresressourcen beitragen.
  7. Nicht intendierte Wirkungen von Klimapolitiken: Wenn Anpassungs- und Klimaschutzpolitiken großflächig eingeführt werden, steigt das Risiko nicht beabsichtigter, negativer Wirkungen - vor allem in fragilen Kontexten.

Diese sieben Risikokomplexen hängen auf komplexe Weise zusammen und wirken über Grenzen hinweg. So können grenzüberschreitende Wasserkonflikte lokale Lebensgrundlagen beeinträchtigen und Extremwettereignisse in den USA und Russland zu Nahrungsunsicherheit in Ägypten führen. Deshalb reicht es nicht aus, wenn einzelne Risiken getrennt voneinander behandelt werden.

Wenn aber Politiken und Lösungsansätze die interdependente und systemische Natur dieser Klima- und Fragilitätsrisiken ignorieren, dann können sie diese im schlimmsten Fall sogar verstärken. Interdependente Risiken brauchen sektorübergreifende und integrierte Antworten, die aus den Silos der Klima-, Entwicklungs- und Friedenspolitik ausbrechen.

Wie diese Antworten aussehen und was die G7-Staaten gegen die Risiken tun sollten, erfahren Sie im Artikel von Dennis Tänzler


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