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02/06/2015 12:05 CEST | Aktualisiert 02/06/2016 07:12 CEST

Völlig unterschätzt: Der Wert der Silver Worker

Thinkstock

Wir befinden uns heute in einer schnelllebigen Zeit und sind einem stetigen Wandel unterzogen.

Wir altern - und das Tag für Tag. Und auch wenn das Altern verpönt ist und wir mit allen Mitteln versuchen dagegen anzukämpfen, die Zeit holt uns immer wieder ein. Oft stellen wir uns die Frage: Ab wann bin ich eigentlich alt und ab wann gehöre ich zum „alten Eisen"?

Zählen ältere Menschen zu einer gehandikapten Gesellschaftsschicht? Ich sage ganz klar: Man ist so alt wie man sich fühlt. Und nein, das ältere Volk ist in keinster Weise benachteiligt, denn der Wissens- und Erfahrungsschatz der Alten ist Gold wert und hat einen unglaublichen Nutzen für die heutige Gesellschaft.

Auch die nicht mehr ganz Jungen möchten noch aktiv am Leben teilhaben und wünschen sich Neues zu erlernen. Denn Lernen hält den Geist fit. Und Lernen ist keine Frage des Alters, sondern der Lern- und Erwerbsbiografie.

Sprich, wenn Menschen von jungen Jahren an konsequent gelernt haben, tun sie dies im hohen Alter immer noch gern und haben keine Probleme dabei.

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Lernen kann man altersunabhängig

Die Älteren bevorzugen es mit ihresgleichen gemeinsam zu lernen - diesem Wunsch passen sich Unternehmen mittlerweile an und bieten Weiterbildungsmaßnahmen und Seminare für „Gleichaltrige" an.

Das Lerntempo, so geben sie es an, sei dann in der Gruppe ausgeglichen. Die Unternehmen gehen darauf flexibel ein und passen ihre Weiterbildungsangebote diesem Wunsch an.

Auch Führungskräfte werden in zukunftsorientierten Unternehmen bereits auf den Umgang mit älteren Mitarbeitern vorbereitet: Welche Werte, Bedürfnisse, Themen und Potenziale bringen die einzelnen Altersgruppen mit und wie wirken sich die unterschiedlichen Lebensphasen auf die Arbeitsmotivation und die Zufriedenheit aus? Wo sind Risiken und Nutzen von altersgemischten Teams?

Auch ein großes Thema in Unternehmen ist das möglichst lange Halten der Beschäftigungsfähigkeit.

Dazu rufen Unternehmen Work-Life-Management-Zentren ins Leben, die ihren Mitarbeitern einige Vorzüge für ein zufriedenes Leben zu bieten haben: regelmäßige Gesundheitschecks, Fitnesscenter, Kinderbetreuung, Sozial- und Pflegeberatung sowie flexible Arbeitsmodelle.

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Ältere Mitarbeiter: gewinnbringend und wertvoll

Zum Angebot des zukunftsorientierten Work-Life-Managements - speziell für ältere Mitarbeiter - gehören zudem Seminare zur Standortbestimmung, um ihnen ihre persönliche Zukunftsperspektive zu verdeutlichen.

Damit beugen vorausschauende Unternehmen vor allem einer möglichen Midlife-Crisis vor, die sich in der Mitte des Lebens oftmals bemerkbar macht und Fragen zur persönlichen sowie beruflichen Position hervorruft.

Dieser unternehmerische Wandel demonstriert uns die Bedeutung von älteren Mitarbeitern. Denn ein Unternehmen investiert nicht in seine älteren Mitarbeiter, wenn diese keine Rolle für den langfristigen Unternehmenserfolg spielen würden.

Bonus Silver Worker

Ich bin überzeugt, dass dieser Wandel nur den Anfang einer größeren Bewegung in der deutschen Wirtschaft darstellt und dass der Wert der älteren Arbeitskräfte neu taxiert wird. Die größere Bedeutung der älteren Generation spiegelt sich auch in der zunehmenden Anerkennung und Aufmerksamkeit wieder.

Folglich haben die Älteren ein gesteigertes Selbstwertgefühl und eine attraktivere Position als Arbeitnehmer. Ich bin auch überzeugt, dass es den Senioren Freude bereiten würde im Rentenalter weiterhin aktiv und im Unternehmen gebraucht zu werden.

Dazu bedarf es allerdings ein Modell, das die großen deutschen Konzerne bereits in ihre Unternehmensstruktur integriert haben, um das so wichtige Wissen und die langjährige Erfahrung der ehemaligen Mitarbeiter nicht zu verschenken: Das Fachwissen der ehemaligen Mitarbeiter wird durch die Unternehmen abrufbereit genutzt, um neue Technologien voranzutreiben und auf die langjährige Erfahrung im Bedarfsfall zurückzugreifen.

Der Arbeitsmarkt sucht aktiv Menschen 50+

Während vor einigen Jahren Menschen ab 50 kaum noch Bewerbungschancen auf dem Markt hatten, hat sich auch diese Situation enorm gewandelt. Personalleiter und Headhunter suchen aktiv nach einer neuen Zielgruppe: „Very Experienced Persons (VEPs)" sind gefragter als je zuvor.

Der Grund dafür liegt ganz klar im Erfahrungsschatz und in der Fachkompetenz von älteren Mitarbeitern. Sie wissen aber auch, wie man gelassen bleibt, wenn eine Situation mal brenzlig wird und können teure Anfängerfehler früh erkennen und vermeiden.

Gemischte Teams steigern die Produktivität

Zukunftsorientierte Unternehmen setzen zunehmend auf altersgemischte Teams. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Jung und Alt bringen ihre Vorteile auf diese Weise zusammen.

Die Resultate sind gesteigerte Produktivität, Wissenstransfer und gegenseitiges Wertschätzen. Denn es gilt nach wie vor: Je offener Menschen zusammenarbeiten, desto besser sind natürlich auch die Arbeitsergebnisse.

Was zählt ist Talent und nicht Lebensalter

Die Annahme, dass die Jüngeren die Älteren (oder auch umgekehrt) auf dem Arbeitsmarkt verdrängen, ist weit verbreitet. Doch diesen Annahmen muss man keine Beachtung schenken.

Was für ein Unternehmen wirklich zählt, ist das Talent des einzelnen Mitarbeiters und nicht sein Lebensalter. Das hat zur Folge, dass sich Arbeitnehmer nicht mehr um begehrte Arbeitsplätze streiten.

Nun sind es die Unternehmen, die um die talentiertesten Arbeitnehmer buhlen. Für die Mitarbeiter hat das den entscheidenden Vorteil, dass sie ein entspanntes Arbeitsklima genießen können und der Kollege kein Feind mehr ist.

Das Buch zum Thema:

Seiwert, Lothar: Das neue Zeit-Alter. Warum es gut ist, dass wir immer älter werden. Pößneck: Ariston, 2014. ISBN: 978-3424201062.

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Über den Autor:

Prof. Dr. Lothar Seiwert, CSP (Certified Speaking Professional) und CSPGlobal, ist seit über 30 Jahren Europas führender Experte für Zeit- und Lebensmanagement. Millionen Menschen weltweit haben ihn in seinen Vorträgen erlebt und sind durch seine Bestseller dazu inspiriert worden, sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Weitere Informationen unter www.Lothar-Seiwert.de


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