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10/04/2015 11:01 CEST | Aktualisiert 10/06/2015 07:12 CEST

Aus dem Leben eines männlichen Pornodarstellers

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Ein typischer Arbeitstag schaut so für mich aus:

Zwei Stunden bevor es losgeht wache ich auf, und gehe als erstes Duschen. Ich koche eine Tasse Kaffee. Eventuell frühstücke ich. Ich kontrolliere noch einmal meine Arbeitstasche, ob ich auch wirklich mindestens zwei paar Schuhe, zwei Gürtel, zwei Unterhosen, ein paar Socken, drei Hosen, vier oder fünf T-Shirts, meinen Kosmetikbeutel und zu guter Letzt meine Bücher eingepackt habe. Dann schnappe ich mir noch meine gebügelten Hemden und los geht's.

Es dauert durchschnittlich dreißig Minuten, bis ich am Set bin. Ich komme bei der Adresse, die mir in der Nacht zuvor gegeben wurde, an und biege in die Einfahrt ab. Bevor ich das Haus oder das Studio betrete, überfliege ich kurz, wie viele Autos in der Einfahrt stehen und schätze damit, wie viele Menschen wohl am Set anwesend sein werden. Im Haus durchstreife ich die Gänge auf der Suche nach dem Green Room, in dem meistens auch geschminkt wird; dort hängen in der Regel alle ab. Ihn gefunden, tausche ich mit allen Anwesenden Höflichkeiten aus. Ich überprüfe, ob meine Schätzung mit den Autos richtig war.

In der Regel sitzt „mein Mädchen" bei meiner Ankunft bereits auf dem Make-Up Stuhl. Der Produzent wird mich holen und mit mir den Papierkram durchgehen. Dann distanziere ich mich ein wenig - nicht zu sehr, um nicht komplett unsozial zu wirken - setze mich auf eine Couch oder einen Stuhl in irgendeiner Ecke und lese mein mitgebrachtes Buch bis es soweit ist.

Vermutlich wird der On-Set Fotograf irgendwann auf mich zukommen, um mit mir „Bunny Ear" Aufnahmen zu schießen, bei denen ich die zwei benötigten Ausweise auf beiden Seiten meines Kopfes hochhalte. Auf denen grinse ich immer besonders übertrieben. Dann lese ich wieder weiter.

Wenn mein Mädchen mit dem Make-Up fertig ist, reden wir manchmal. Ich werde eine paar Witze reißen, um sie zum Lachen zu bringen, damit sie sich wohl fühlt. Ich bin der Überzeugung, dass jemandem zum Lachen zu bringen eine gute Art ist, sie davon überzeugen, dass sie den Sex mit dir genießen wird - das und ein anständiger Scheck natürlich.

Wie auch immer, jedenfalls werden wir über Leute, die wir beide aus der Branche kennen, reden, über Firmen, für die wir gedreht haben, darüber, wie wenig uns die altmodische Einrichtung des Hauses oder das furchtbare kahle Setdesign gefällt. Falls es ein Script gibt, werden wir vieleicht die Dialoge durchsprechen.

Irgendwann kommt der Regisseur und wir besprechen mit dem ganzen Team den Kampfplan: wer liebt wen, wer ist mit wem verwandt (natürlich nur vor der Gesetz), wer betrügt wen, und so weiter. Im Grunde besprechen wir nur, warum die Charaktere miteinander schlafen. Das ist unser Impuls, unsere Motivation.

Dann wählt der Regisseur eines der Outfits aus dem überquellenden Koffer des Mädchens aus, in dem sie in der Regel Unmengen an Dessous, Stripper High Heels, bunten Cocktailkleidern, sportlicherer Kleidung, professionellen Outfits, Sexspielzeugen - und manchmal, ganz selten sogar ein Buch - dabei hat. Dann sucht der Regisseur mir etwas zum Anziehen heraus, das zu ihrem passt.

Danach beginnen wir meistens mit „Stillaufnahmen", bevor wir das ganze Video drehen. Dabei mimen wir Handlungen nach, die später im Film vorkommen werden. Dinge wie, „Ich kann das nicht tun, ich bin verheiratet und du bist die beste Freundin meiner Ehefrau!"

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Wir machen etwa zwei dutzend Fotos von jeder Sexposition, typischerweise in dieser Reihenfolge: Küssen, Strippen, Blasen, Lecken, Missionarstellung, Reiterstellung, Doggie, umgekehrte Reiterstellung, und zuletzt der Pop-Shot - der krönende Abschluss.

Für die Stillaufnahmen faken wir das Kommen. Meistens haben die Mädchen einfach einen Cetaphil- (Flüssigseife) oder Pina-Colada-Mix im Gesicht, auf den Brüsten, oder wo auch immer der Regisseur will, dass ich komme.

Danach machen wir uns sauber, ziehen uns an und machen alles noch mal in Echtzeit für das Video.

Der Ablauf des Videos ist zwar oft festgelegt, sonst ist man aber im Grunde ziemlich frei. Solange wir uns einigermaßen anmutig von Punkt A zu Punkt B bewegen, können wir Darsteller unser Ding machen. Das kann man sich wie einen Tanz zwischen zwei Partnern vorstellen, die beide von der Energie des anderen zehren.

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Ich mag es vor der Kamera Sex zu haben, weil du dich als Darsteller wortwörtlich komplett entblößt. Du bist absolut nackt, keine Klamotten hinter denen du dich verstecken kannst, keine sozialen Strukturen, die dich schützen. Du befindest dich in deinem ursprünglichsten Zustand. Deine Handlungen sind nicht länger von deinem Intellekt gesteuert. Du handelst eher bauchgesteuert, jede Reaktion ist adrenalingeladen. Sex in Pornos ist unterhaltsam, unzensiert und animalisch.

Das Ende einer gut choreografierten Szene befriedigt das ganze Team. Ich muss zugeben, dass das Gefühl nach einer perfekt gedrehten Szene fast einmalig ist. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass es sich genauso anfühlt, wie das erste Mal Fallschirm springen - was die Menge an Adrenalinjunkies in der Branche erklären könnte. Es macht süchtig; wir verzehren uns nach dem Gefühl. Ich verzehre mich danach.

Nachdem ich gekommen bin, küsse ich mein Mädchen auf die Stirn. Ich hole ihr feuchte Tücher. Manchmal dusche ich noch am Set, manchmal nicht. Ich ziehe mich an. Ich hole meinen Scheck. Ich verabschiede mich. Ich fahre heim. Ich mache mir einen Kaffee. Ich hole mir einen runter...

Einer der skurrilsten Momente meines Jobs ist die Pause zwischen Video und Stillaufnahmen (wenn in dieser Reihenfolge gedreht wird). Das Mädchen und ich haben etwa 45 Minuten lang Sex miteinander, bis wir genug Material zusammen haben, um später, nach den Stillaufnahmen, in der letzten Szene den Pop-Shot, das Abspritzen filmen zu können.

Es gibt eine kurze Pause, damit das Make-Up des Mädchens wieder repariert werden kann. Dann wiederholen wir jede Position für die Fotos. Anschließend kehren wir wieder zur Schlussszene, dem lang erwarteten Abschuss zurück.

Eben in dieser kurzen Pause zwischen Video und Stillaufnahmen muss ich einfach nur herumsitzen, mit meinem Schwanz spielen um die Erektion aufrechtzuerhalten, und fokussiert bleiben. Eben ein ganz normaler Arbeitstag.

Die restliche Crew geht derweil meistens auf und ab, verändert Lichteinstellungen oder Einrichtungsgegenstände, redet miteinander, während ich auf der Bühne warte und mir vor ihren Augen einen runterhole.

Oft masturbiere ich auf einem dieser typischen Gegenstände der Branche - einer weißen Ledercouch - wenn einer der Crewmitglieder versucht mich in die Unterhaltung miteinzubinden. Wir reden über einen zeitgenössischen Film, Dokus, Politik, Urlaubspläne, und so weiter. Ich schaue ihm oder ihr ganz normal in die Augen, wie jedem anderen Menschen auch, und rede mit ihm oder ihr, während ich wie ein degenerierter Mensch an meinem Schwanz rumrubbel. Aber das ist normal. Das ist Alltag in meiner Branche. Vor vollkommen fremden Menschen mit meinem Penis rumzuspielen, ist für mich zur Normalität geworden.

In diesen Momenten realisierte ich, wie wichtig es für mich ist, locker zu bleiben, mein Ego an der Tür zu kontrollieren, und über mich selbst lachen zu können. Das muss ich, um in dieser Branche überleben zu können. Ich muss ich mich nur immer daran erinnern, dass das Ganze am Ende des Tages eben nur das ist: Porno.

Elite Daily hat Logan Pierce einen Tag lang bei der Arbeit begleitet. Hier das Video dazu:


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