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10/12/2015 09:36 CET | Aktualisiert 10/12/2016 06:12 CET

Ich habe es gehasst, eine Vollzeitmama zu sein

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Ich weiß dass ich vielleicht irgendwann bereue, so etwas gesagt zu haben ... aber ich habe es gehasst, eine Vollzeitmama zu sein.

Ich möchte meine Aussage erst einmal erklären dürfen, bevor ich mit Mistgabeln verfolgt werde.

Ich wollte immer zu Hause bleiben. Ich träumte davon, ein Baby zu bekommen und zu Hause zu bleiben, es glückselig zu stillen und den ganzen Tag mit ihm zu kuscheln. Ich las alle verfügbaren Studien, die darlegten, wie vorteilhaft es für ein Kind ist, wenn ein Elternteil zu Hause bleibt.

Es gibt unzählige Artikel von Müttern, die ihre Rolle zu Hause lieben. Diese Mütter beschreiben in schönen Worten, warum es der härteste und lohnenswerteste Job auf der Welt ist, als Mutter zu Hause zu bleiben.

Ich stimme allem, was diese Frauen schreiben, zu. Doch ich fürchte, dass ich einfach nicht zur Vollzeitmama geboren bin, denn ich habe noch nie so empfunden wie sie. Ich habe mir schon tausend Mal den Kopf darüber zerbrochen, warum ich unbedingt wieder arbeiten gehen will und ich bin traurig darüber, dass ich es nicht schaffe, für meine Familie zu Hause zu bleiben.

Damit will ich Müttern, die zu Hause bleiben, keinen Vorwurf machen. Ich bin eine ganz normale Mama, die sich selbst gut genug kennt, um sich einzugestehen, dass sie sich zu Hause niemals richtig wohl gefühlt hat. Wie sehr ich meinen Sohn auch liebe.

Die folgende unvollständige Liste zeigt, was mich am zu Hause bleiben störte.

Geld

Jeder muss sich Gedanken ums Geld machen doch nur wenige sprechen offen darüber. Es gibt viele Frauen (und Männer), die es sich ganz einfach nicht leisten können, zu Hause zu bleiben. Ich hatte Glück, denn wir konnten von einem Einkommen leben.

Dennoch reißt es ein Loch in die Kasse, wenn man von einem Einkommen lebt. Schwangerschaft und Geburt sind teuer. Kinder großzuziehen ist teuer. Wenn man zu Hause bleibt, kann man sich einige Kosten für die Kinderbetreuung sparen, vor allem wenn man mehrere Kinder hat.

Wenn man ein Kind hat, verlieren persönliche Ausgaben an Bedeutung, aber man will sich immer noch als Mensch fühlen. Ich fühlte mich unwohl, wenn ich das hart verdiente Geld meines Mannes dafür ausgab, mir die Haare färben zu lassen oder meine Nägel machen zu lassen. Ich hatte ständig ein schlechtes Gewissen, obwohl mein Mann mir immer wieder sagte, dass es für ihn in Ordnung war. Aus diesem Grund kaufte ich auch ungern Kleidung für mich selbst ein.

Die anderen Vollzeitmamas

Vollzeitmamas sind eine interessante Bevölkerungsgruppe. In der Regel sind sie gebildet und kontaktfreudig. Doch Vorsicht, Vollzeitmamas wetteifern gerne unterschwellig.

Ob wir es zugeben oder nicht, wir vergleichen uns ständig mit anderen Frauen. Wir wissen genau, wer schon seine ganzen Babypfunde wieder losgeworden ist und wer noch immer damit kämpft. Wir wissen, wer einen Chirurgen zum Ehemann hat und wessen Mann ein ganz normaler Durchschnittstyp ist. So sind Frauen eben.

Schöne und privilegierte Frauen werden auch durch Serien wie „The Real Housewives" verherrlicht. Wer wäre nicht gerne reich und wunderschön und möchte umgeben von hübschen Babys in einem Palast leben? Wenn ich mir eine Vollzeitnanny leisten könnte, hätte ich eine ganze Horde von Kindern.

Mir ist klar, dass meine Einstellung auf meiner eigenen Unsicherheit basierte, aber ich brauchte während meiner Zeit zu Hause auch ein wenig Kontakt zu Erwachsenen. Logischerweise traf ich mich meist mit anderen Müttern. Ich habe tolle Menschen kennengelernt, mit denen ich auch nach wie vor regelmäßigen Kontakt pflege. Doch ich habe auch Menschen kennengelernt, durch die ich mich wie eine richtige Versagerin fühlte.

Hohe Ansprüche

Ich hatte mich entschieden, zu Hause zu bleiben, damit ich mich um mein Kind und den Haushalt kümmern konnte, damit mein Mann nachts schlafen und jeden Tag zur Arbeit gehen konnte, ohne sich um nervigen Haushaltskram kümmern zu müssen.

Unter der Woche putzte ich das Bad, die Küche und den Wohnbereich. Ich machte jeden Tag die Wäsche. Ich plante die Mahlzeiten im Voraus und kochte jeden zweiten Tag, dazwischen aß meine Familie Reste. Das war mein Plan.

Bis mein Plan nicht mehr aufging. Plötzlich zerbrach ich mir den Kopf über Tierhaare im Haus oder über die Qualität des Essen, das ich kochte. Egal wie viele Wäscheladungen ich machte, es war immer noch etwas da. Ich fühlte mich wie in einem Hamsterrad.

Ich machte mich selbst fertig, weil ich kein perfektes, staubfreies, voll geschmücktes Zuhause zustande brachte.

Angst und Schrecken

Mein Sohn hatte häufig Koliken und brauchte viel Aufmerksamkeit. Er schrie, sobald er nicht im Arm gehalten oder gefüttert wurde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er sogar im Schlaf schrie, nur um mich auf Trab zu halten. Da die Ärzte mir versichert hatten, dass er gesund ist, stillte ich ihn weiterhin Tag und Nacht und suchte verzweifelt nach einer Möglichkeit um ihn zu beruhigen.

Ich habe so oft beim Stillen geweint, dass ich allmählich glaubte, dass ich nicht zum Muttersein geschaffen war, und schon gar nicht in Vollzeit. Irgendwann weinte er weniger und ich konnte wieder mehr schlafen, doch diese ersten Erfahrungen haben mich geprägt.

Wenn man den ganzen Tag allein mit seinem Kind zu Hause ist, besteht die Gefahr, dass man sich in etwas hineinsteigert und sich Sorgen über Dinge macht, über die man sonst nicht nachdenken würde. Ich zerbrach mir den Kopf über BPA. Ich zerbrach mir den Kopf über Windelausschlag, Ekzeme, Fieber und Erstickungsgefahren. Außerdem zerbrach ich mir den Kopf über seine Meilensteine der Entwicklung und seine Impfungen.

Mein Kopf drohte zu zerplatzen.

Wenn mein Mann sich morgens für die Arbeit fertig machte, verspürte ich einen Groll gegen ihn. Er konnte entfliehen und sich mit anderen Erwachsenen umgeben, ich nicht. Und er konnte nachts schlafen, ohne dass jemand an seinen Brustwarzen herumkaute. Alles, was mein Mann tat, machte mir den Gegensatz zwischen seiner Freiheit und meiner gefühlten Gefangenschaft deutlich.

Gefühle sind zwar nicht rational aber sie sind auf jeden Fall real.

Nachdem ich etwas mehr als zwei Jahre zu Hause geblieben war, traf ich die schwere Entscheidung, wieder in Teilzeit arbeiten zu gehen. Mein Entschluss geriet durch Fragen von anderen ins Wanken. Jemand sagte sogar zu mir: „Solange dein Mann es nicht verlangt, solltest du wirklich nicht arbeiten gehen."

Zu Hause zu bleiben hat mich irgendwann weitaus mehr gestresst als zu arbeiten. Durch meinen selbstauferlegten Druck, jedem alles Recht zu machen, verlor ich komplett die Verbindung zu mir selbst. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass ich als Mutter und Ehefrau versagt hatte.

Jeder muss die für seine Familie und persönliche Situation am besten geeignete Entscheidung treffen. Ich wünsche mir, dass wir Frauen offener darüber sprechen können, dass es einen unterschwelligen Druck auf uns Mütter ausübt, unsere Bedürfnisse zurückschrauben zu müssen.

Zu Hause zu bleiben hat mir nicht gut getan, also entschied ich mich, wieder arbeiten zu gehen.

Dieser Blog ist ursprünglich bei der Huffington Post USA erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt. Das Original findest du hier.