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05/04/2016 09:55 CEST | Aktualisiert 06/04/2016 06:54 CEST

Wie man mit kleinen Mädchen reden sollte

Claudia Göpperl via Getty Images

Letztes Wochenende war ich zu einem Abendessen bei Freunden zu Hause eingeladen und bin zum ersten Mal ihrer 5-jährigen Tochter begegnet.

Die kleine Maya hatte lockiges braunes Haar, dunkle Rehaugen und war bezaubernd in ihrem glänzend pinken Nachthemd. Ich wollte am liebsten quietschen: ,,Maya, du bist so süß! Lass dich anschauen! Dreh dich und präsentier mir diese hübsche, gerüschte Robe, du wunderschönes Ding!"

Aber ich habe es nicht gemacht. Ich habe mich zusammengerissen. Wie immer, wenn ich kleine Mädchen treffe, habe ich mir auf die Zunge gebissen und meinen ersten Impuls unterdrückt, ihnen zu sagen wie verdammt niedlich/ hübsch/ schön/ gut angezogen/ gepflegt/ zurecht gemacht sie sind.

Was daran falsch ist? Das ist doch unsere kulturelle Norm. Wie sonst das Eis brechen und mit kleinen Mädchen reden? Warum nicht ein ehrlich gemeintes Kompliment geben und dabei ihr Selbstbewusstsein stärken? Kleine Mädchen sind einfach so bezaubernd. Ich würde am liebsten platzen, wann immer ich sie treffe.

Gedulde dich einen Moment. Ich muss etwas ausholen

Diese Woche erst haben ABC News darüber berichtet dass fast die Hälfte aller 3- bis 6-jährigen Mädchen sich Sorgen darüber machen, dick zu sein. In meinem Buch, Think: Straight Talk for Women to Stay Smart in a Dumbed-Down World [bisher nur auf Englisch erschienen], weise ich darauf hin, dass 15 bis 18 Prozent von Mädchen unter 12 nun regelmäßig Mascara, Eyeliner und Lippenstift tragen; Essstörungen haben zugenommen und ihr Selbstbewusstsein stark abgenommen; und 25 Prozent junger amerikanischer Frauen würden lieber America's Next Top Model als den Friedensnobelpreis gewinnen.

Selbst gescheite, erfolgreiche Frauen mit Universitätsabschluss sagen, dass sie lieber attraktiv als intelligent wären. Eine Mutter in Miami ist gerade erst an einer Schönheits-OP gestorben. Sie hat zwei Teenager zurückgelassen. Das passiert immer wieder und es bricht mir das Herz.

Indem wir Mädchen beibringen, dass ihr Äußeres das Erste ist, das wir bemerken, bringen wir ihnen bei, dass Aussehen wichtiger als alles andere ist. Die Folgen: Diäten mit 5 Jahren, Make-up mit 11 Jahren, Brustvergrößerung mit 17 und Botox mit 23. Seit die kulturelle Verpflichtung für Mädchen, rund um die Uhr attraktiv zu sein, zur Norm geworden ist, sind amerikanische Frauen zunehmend unglücklicher geworden. Was fehlt? Ein sinnerfülltes Leben voller Ideen und Bücher und der Wertschätzung unserer Gedanken, Erfolge und Leistungen.

So spreche ich mit kleinen Mädchen

Deswegen zwinge ich mich dazu, folgendermaßen mit kleinen Mädchen zu reden:

„Maya", sagte ich, während ich in die Hocke ging, um ihr in die Augen zu schauen, „es freut mich, dich kennenzulernen."

„Mich freut es auch, Sie kennenzulernen", sagte sie in dieser antrainierten, höflichen, ich-rede-mit-einem-Erwachsenen Stimme, die brave Mädchen verwenden.

„Hey, was liest du im Moment?", frage ich sie schelmisch. Ich liebe Bücher. Ich bin verrückt nach ihnen. Und das lasse ich mir anmerken.

Ihre Augen wurden größer und der geübte, höfliche Gesichtsausdruck machte Platz für ehrliche Begeisterung. Dennoch hielt sie kurz inne, ein wenig schüchtern angesichts der Fremden.

„Ich LIEBE Bücher", sagte ich. „Und du?"

Die meisten Kinder lieben Bücher.

„Oh ja!", antwortete sie. „Und ich kann sie schon ganz alleine lesen!"

„Wow, das ist toll!", sagte ich. Und für eine 5-Jährige ist es das. Weiter so, Maya!

„Was ist dein Lieblingsbuch?", fragte ich sie.

„Ich hole es! Kann ich dir daraus vorlesen?"

Purplicious [bisher nur auf Englisch erschienen] war Mayas Wahl und mir bisher neu. Sie kuschelte sich neben mich aufs Sofa und begann, mir stolz jedes Wort daraus vorzulesen.

Es handelte von einer Heldin, die die Farbe pink liebt, aber in der Schule von einer nur schwarz tragenden Mädchenclique gehänselt wird. Ach! Es ging um Mädchen und was diese tragen und wie deren Kleiderwahl ihre Identität bestimmt.

Aber nachdem Maya mit der letzten Seite fertig war, lenkte ich das Gespräch zu den tieferen Themen des Buches: gemeine Mädchen und Gruppenzwang und sich der Gruppe nicht anpassen. Ich erzählte ihr, dass meine absolute Lieblingsfarbe grün ist, weil ich die Natur liebe, und sie konnte das gut nachempfinden.

Unsere Kultur sendet Mädchen falsche Signale

Kein einziges Mal besprachen wir Kleidung oder Haare oder Körper oder wer hübsch ist. Es ist überraschend, wie schwer es ist, mit kleinen Mädchen nicht über diese Themen zu reden. Aber ich bin stur.

Ich erzählte ihr, dass ich gerade ein Buch geschrieben habe und dass ich hoffe, dass sie auch eines Tages eines schreiben wird. Sie fand diese Idee ziemlich gut. Wir waren beide traurig als Maya ins Bett musste, aber ich sagte ihr, dass sie das nächste Mal ein anderes Buch aussuchen sollte und wir es wieder lesen und darüber reden würden. Uuups. Danach war sie viel zu aufgedreht, um zu schlafen und sie kam mehrfach wieder von ihrem Schlafzimmer runter.

Ein kleiner Widerstand einer Kultur gegenüber, die unseren Mädchen völlig falsche Signale sendet. Ein kleiner Anstoß, um die geistigen Fähigkeiten von Mädchen zu schätzen. Ein kleiner Moment, um ganz bewusst Vorbildfigur zu sein.

Werden meine wenigen Minuten mit Maya unsere milliardenschwere Schönheitsindustrie, Frauen-verachtende Reality-Shows und unsere Star-fixierte Kultur verändern? Nein. Aber zumindest für einen Abend konnte ich Mayas Perspektive verändern.

Versuchs das nächste Mal, wenn du ein kleines Mädchen triffst. Sie wird vielleicht zuerst schüchtern und unsicher sein, weil wenige sie nach ihrem Geist fragen, aber hab Geduld und bleib dran. Frag sie, was sie gerade liest. Was mag sie und was nicht und warum? Es gibt keine falschen Antworten. Du lässt einfach ein intelligentes Gespräch entstehen, das ihre geistigen Fähigkeiten wertschätzt.

Ältere Mädchen kann man zum Beispiel nach aktuellen Themen fragen: Umweltverschmutzung, Kriege, gekürzte Budgets von Schulen. Was stört sie in der Welt? Wenn sie einen Zauberstab hätte, wie würde sie es verbessern?

Vielleicht erhältst du ein paar faszinierende Antworten. Erzähl ihr von deinen Ideen, Errungenschaften und Lieblingsbüchern. Sei Vorbild für eine denkende Frau - und wie diese handeln und sprechen würde.

Und erzähl mir von deinen Erfahrungen auf www.Twitter.com/lisabloom und Facebook.

Lasst uns gemeinsam die Welt verändern - ein kleines Mädchen nach dem andern.

Für mehr Tips wie man sich selbst und die eigene Tochter geistig fit hält, schau dir mein neues Buch an: "Think: Straight Talk for Women to Stay Smart in a Dumbed-Down World", www.Think.tv.

Dieser Artikel ist ursprünglich bei der Huffington Post USA erschienen und wurde von Virginia V. Hartmann aus dem Englischen übersetzt.

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