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08/12/2015 12:52 CET | Aktualisiert 08/12/2016 06:12 CET

Warum wir als Familie kein Weihnachten feiern

Rohappy via Getty Images

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Ihr feiert KEIN Weihnachten?! Hören wir oft entsetzte Reaktionen.....

Genau! Wir feiern tatsächlich kein Weihnachten mehr. Und das bereits seit 8 Jahren. Seither ist für uns der Dezember einfach sehr entspannend. Davor waren wir so richtig schön drin in der Weihnachtsroutine und im Stress.

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Weihnachten = Stress


Hektisch Geschenke kaufen - richtiger: Hektisch Geschenke für Menschen kaufen, die man nicht oder kaum kennt und die man vielleicht auch nicht unbedingt mag - Pflichterfüllung eben...

Schmücken des Hauses mit vielen Lichtern - selbstverständlich mit Strömlingen betrieben...

Plätzchen backen, die sich auf den Hüften breit machen...

Adventskalender basteln und füllen und für drei Kinder 24 Kleinigkeiten suchen.

Weihnachtsbaum kaufen - bzw. "killen". Aber es riecht ja so schön nach frischen Tannennadeln...(im letzten Weihnachtsjahr lag unser Sohn traurig unterm Weihnachtsbaum, als er erfuhr, dass wir ihn am nächsten Tag aus dem Fenster werfen werden.

Ursprung


Damals haben wir irgendwann angefangen über den Sinn und den Ursprung dieses Festes nachzudenken. Wir suchten nach der Verknüpfung in unser Leben. Was hat Weihnachten mit uns zu tun?

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Weihnachten ist das Fest der Liebe - es wird die Geburt Jesu gefeiert. Dumm nur, dass Jesus gar nicht zu dieser Jahreszeit geboren wurde. (Vorausgesetzt es gab ihn). Der Geschichte nach passte das Datum einfach besser um heidnische Feste auszuradieren und die christlichen Werte zu etablieren.

Nehmen wir also an wir feiern die Geburt Jesu - er hat Geburtstag. Gängiger weise wird das Geburtstagskind beschenkt, oder? Also sollten wir konsequenterweise Jesus etwas schenken. Warum also der Geschenke Wahn untereinander?

Wir glauben nicht an Jesus, sind keine Christen. Wieso sollen wir dann ein christliches Fest feiern? Wir feiern ja auch keine anderen Feste mit Glaubenshintergrund einfach nur so mit. Das wäre für uns Respektlos den Gläubigen gegenüber, die ja einen Sinn in ihrem Fest sehen.

Mit diesen Gedankengängen gingen wir innerlich erst einmal um.

Gleichzeitig beobachteten wir das Treiben in und um uns - dieser Kaufrausch, soviel Ramsch der gekauft und geschenkt wird. Wenn man dann selbst so ein "tolles" Geschenk bekommt, macht man eine heuchlerische "schöne Miene zum blöden Geschenk" und presst ein gelogenes "Danke" heraus - schließlich will man ja niemandem vor das Köpfchen stoßen. Alternativ merkt man ein zusammengekniffenes Gesicht bei der Person, der man selbst ein Geschenk macht und weiß genau, dass man eben dieses absolut tolle Geschenk demnächst im gelben Sack reanimieren kann.

Beim näheren Hinsehen wurde uns immer bewusster, wie dumm das alles ist (zumindest für uns). Wir produzieren unendlich viel Müll durch dieses Fest. Welchen Sinn hat das? Wie oberflächlich leben wir?

Plastikwahnsinn


Da wir sieben Kinder haben und dementsprechend viele Verwandte, fielen die Geschenke hoch potenziert bei uns ein. Es war Wahnsinn! Sieben Kinder werden von fünf Menschen beschenkt....rechne.....macht also 35 Geschenke pro Fest!

Viele dieser Geschenke waren "made in China" mit einer extra Portion Chemie. Plastikramsch, der nach spätestens 10 Minuten in einer Ecke landete und danach im gelben Sack.

Wir reflektierten das mit unseren Kindern. Gemeinsam entschieden wir dann, dass wir das Ganze nicht mehr mitspielen wollen. Wir vereinbarten, dass wir uns dann etwas schenken wollen, wenn wir es auf dem Herzen haben und wenn es einfach gerade passt, ohne auf eines der vorgegeben Feste zu warten. Unsere Geschenke sollten von Herzen kommen und nicht der Wirtschaft zuspielen.

Seither feiern wir kein Weihnachten und auch kein Ostern mehr.

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Was dann?


An den Geburtstagen werden die Geschenke versteckt und das Geburtstagskind darf sie suchen - wir brauchen also kein Ostern mehr....und by the way verlegt in einer Großfamilie eh immer irgendjemand irgendwas und wir suchen also alle dauernd :-)

Die größte Herausforderung war für uns, den Großeltern diese Tatsache beizubringen. Sie haben sehr daran zu knabbern gehabt. Nichts mehr schenken zu dürfen war nicht einfach. Kinder und Enkelkinder zu haben, die gegen den Strom schwimmen, und anders sind, ist anstrengend für sie...

Die Vorteile weihnachtslos zu sein:


  • Wir "müssen" keine Geschenke mehr kaufen und haben keine Verpflichtungen mehr. Vielmehr fühlen wir uns frei dann zu schenken, wenn wir es auf dem Herzen haben. Umgekehrt wissen wir, dass wenn wir beschenkt werden, das vom Herzen kommt -
  • Wir geben kein unnützes Geld mehr aus für Strom durch irgendwelches Lichtergedöns. Dadurch entlasten wir die Umwelt.
  • Plätzchen haften sich nicht mehr auf die Hüften (naja - es gibt leider andere Dinge die das trotzdem tun;-)
  • Von uns wird kein unnötiger Müll mehr produziert wegen etwaiger Adventskalender Geschenken usw.
  • Tannenbäume besuchen wir lieber im Wald und sind nicht mehr verantwortlich für einen toten Tannenbaum.
  • Die Konten der Kinder werden stetig dicker, weil die Verwandten anstelle von Geschenken ihnen Geld überweisen. Somit können sie sich etwas wirklich sinnvolles davon kaufen oder damit machen.
  • Wir fühlen uns gut, weil wir uns entschlossen haben, nicht mehr der Herde nachzutrotten und stattdessen reflektiert durchs Leben zu gehen und konsequent zu leben, was wir für stimmig erachten. Diese Authentizität macht selbstbewusst.

Weihnachten in Portugal ist übrigens sehr angenehm. Dort wird lange nicht so viel Süßkram verkauft. Die Auswahl ist sehr dezent und nicht so übertrieben (auch an Ostern).

Dort findest du auch unser Buch "Eine Familie zieht in die Wildnis" und kannst noch mehr von unserem Leben erfahren.

Und hier findest Du einen Filmtrailer über unser Wildniserleben...

Gerne kannst Du uns auf unserem Blog "Wildnisfamilie" besuchen.

In diesem Sinne - wünschen wir ein entspanntes Weihnachten -

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(Auch auf Huffington Post)

Weihnachten: Tipps für mehr Weihnachtslust statt Weihnachtsfrust

Das geht zu Herzen - Dieser Weihnachtsspot berührt einfach jeden

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