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25/02/2016 06:46 CET | Aktualisiert 25/02/2017 06:12 CET

Eine Kundin schreibt einen Brief an die Kinderhasser bei der Bahn

Photo and Co via Getty Images

Sehr geehrte Damen und Herren,

Das erste Mal alleine geflogen bin ich mit fünf Jahren nach Finnland. Das erste Mal allein mit der Bahn gefahren mit 12 Jahren. Heute bin ich fast 32 und in all den Jahren hatte ich kein vergleichbar einschneidendes Erlebnis, wie am 21.02.2016.

Um 12:09 Uhr sind mein Freund, meine Tochter (13 Monate alt) und ich in den Zug von Bremen nach Leipzig eingestiegen. Dort hat meine Tochter im Wagen vier, im Gang anderthalb Stunden geschlafen. Währenddessen habe ich sie natürlich nicht aus den Augen gelassen.

Als sie aufwachte, setzten wir uns auf unsere reservierten Plätze. Mein Freund hatte diese frei gehalten. Es herrschte ein reger Andrang und der Zug war relativ voll. Mein Freund hatte auf unseren Plätzen mein Zugticket und meine EC-Karte, da ich die Karten reservierte. Der Kontrolleur wusste auch Bescheid, da ich noch im Gang stand.

Mit einer 13 Monate alten Tochter, Gepäck und Kinderwagen durch vier Abteile

Als Ihr Mitarbeiter Getränkewünsche aufnahm, sprach er uns an, dass unser Kinderwagen im Zugdurchgang stören würde und drohte uns, wenn wir den Kinderwagen nicht sofort entfernten, unseren Kinderwagen gewaltsam zu beseitigen.

In dieser Situation war der Tonfall Ihres Mitarbeiters, meiner kleinen Tochter, meinem Freund und mir gegenüber, äußerst unangemessen und bedrohlich. Meine kleine Tochter bekam sofort Angst und fing an zu weinen.

Um in dieser durch Ihren Mitarbeiter verursachten Situation unsererseits die Lage zu

entspannen, baten wir Ihren Mitarbeiter, uns eine Möglichkeit aufzuzeigen, den nach seiner Meinung „störenden" Kinderwagen, umstellen zu können.

Der Verweis Ihres Mitarbeiters, auf das volle Kofferablageteil, erzeugte bei uns Kopfschütteln, Ratlosigkeit und Unverständnis. Auf unseren Hinweis, dass unser Kinderwagen keinen Platz in der vollen Kofferablage haben wird, schlug Ihr Mitarbeiter vor, dass wir unseren Kinderwagen in das Abteil eins bringen sollen. Nur das wir uns zu diesem Zeitpunkt in unserem reservierten Abteil vier befanden!

Was Ihr Mitarbeiter hier verlangte bedeutet nichts anderes als, dass wir uns mit unserer kleinen Tochter, zwei großen Koffern, einer Wickeltasche und einem Rucksack, durch vier Abteile bewegen sollten. Und das obwohl Ihrem Mitarbeiter augenscheinlich klar war, dass dies durch die vielen Menschen kaum möglich war.

Als wir nunmehr, kurz vor unserem Ziel in Leipzig, in Halle ankamen, bestand Ihr Mitarbeiter unter der nun zweiten Androhung die Zugchefin einzuschalten, dass wir mit all dem beschriebenen Gepäck und unserer kleinen Tochter, den Zug verlassen sollten und auf dem Bahnsteig, um in das Abteil eins zu laufen. Dies war uns natürlich beim nächsten Halt nicht möglich.

„Mehr Service rund um das Reisen mit Kindern" - Wir haben unsere Reise im kalten Zwischenabteil verbracht

Da alle Vorschläge Ihres Mitarbeiters nicht umsetzbar waren, mussten wir mit unserer kleinen Tochter im Kinderwagen den Rest der Reise im unbeheizten und kalten Zwischenabteil verbringen. Zu diesem Punkt ist zu erwähnen, dass unsere Tochter derzeit mit Bindehautentzündung krank ist.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte gern hervorheben, dass wir extra, weil wir mit unserer 13 Monate alten Tochter und dem dazu notwendigen Gepäck reisen, dies angegeben und dementsprechend unter Angabe „0 - 5 Jahre" reserviert haben.

Hierbei sollte bei jedem real denkenden Menschen leicht erkennbar sein, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass unter diesen Angaben eine Mitführung eines Kinderwagens sehr wahrscheinlich ist.

Leider ist uns Ihr Bahn-Slogan „Mehr Service rund um das Reisen mit Kindern" in keiner Weise begegnet. Was uns mit großem Bedauern veranlasst hat, diesen Vorfall hier zu schildern. Wir bitten Sie nunmehr höflichst, um Stellungnahme ihrerseits und erwarten eine Entschuldigung Ihres Mitarbeiters.

Mit freundlichen Grüßen

Liliana S.

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