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11/12/2016 10:45 CET | Aktualisiert 12/12/2017 06:12 CET

Die Rente ist eine Frage der Gerechtigkeit und des sozialen Friedens

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Die aktuelle Debatte um die Zukunft der Rente ist eine, die längst hätte abgeschlossen sein müssen. Die Probleme des Systems sind allgemein seit langer Zeit bekannt. Es ist bitter, dass ein Großteil der Politik sich offenbar darauf geeinigt hat, vor allem nur die Probleme zu behandeln und zu lösen, die bis zur nächsten Wahl spürbar werden.

Dass wir nun diese Debatte führen, ist vor allem Andrea Nahles zu verdanken, die in den letzten Tagen ein Konzept vorgeschlagen hat. Dies ist vor allem auch deshalb bemerkenswert, da uns in weniger als einem Jahr eine Bundestagswahl ins Haus steht. Es ist zu hoffen, dass die Rente zum Wahlkampfthema wird.

Die Rente ist zu wichtig und die Lösungswege der Parteien zu unterschiedlich, um das Thema in einem faulig stinkenden GroKo-Kompromiss auf die lange Bank zu schieben.

Dass in der CDU/CSU bereits jetzt Forderungen für eine Rente ab 70 Jahren laut werden, lässt Böses ahnen.

Da selbst die Union mehrheitlich weiß, dass es für viele Menschen vollkommen absurd ist, bis 70 zu arbeiten, ist es nicht mehr und nicht weniger als eine schlecht getarnte weitere Kürzung der Renten für die, die eh schon wenig auf der Bank haben.

Das ist schlicht und ergreifend eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Jeder Mensch sollte im Alter in Würde leben können und ausreichend versorgt sein. Das kann und muss sich eine reiche Gesellschaft wie unsere leisten können. Das gilt umso mehr für Personen, die lange Zeit ihres Lebens gearbeitet haben, egal wie mies die Bezahlung war.

Mehr zum Thema: Aus Hungerlöhnen können keine Luxusrenten entstehen

Dass das Ganze derzeit finanziell leider vorne und hinten nicht passt, hat wenig mit dem Einstiegsalter oder der Höhe der Renten zu tun. Es ist vor allem ein Problem des Finanzierungssystems.

Das System, indem die Jungen die Renten der Alten finanzieren und sich das dann die Waage halten muss, ist schon seit einiger Zeit überholt.

Es scheint nur so lange zu funktionieren, so lange Babyboomer-Generationen einzahlen und die Lebenserwartung nicht allzu sehr steigt.

Eine stärkere private Vorsorge, bei der jede und jeder für sich nochmal eine Versicherung abschließt, in die er oder sie dann privat noch zusätzlich einzahlt, ist der falsche Lösungsansatz. Solche Versuche, wie bspw. die Riester-Rente, haben vor allem zu einem geführt: Einer noch stärkeren Öffnung der Schere zwischen Arm und Reich. Der Konflikt läuft eben nicht zwischen Jung und Alt, sondern zwischen Arm und Reich ab.

Unsere Gesellschaft muss solidarisch zusammenstehen, damit auch diejenigen aufgefangen werden, die das Pech hatten, in einem schlecht entlohnten oder gar keinem Job zu laden. Dafür muss die gesetzliche Rente endlich wieder gestärkt werden.

Weder die private noch die betriebliche Altersvorsorge können ein starkes gesetzliches System ersetzen. Auch müssen Beamtinnen und Beamte sowie Selbstständige endlich in die Rentenversicherung geholt werden, damit auch sie sich an der solidarischen Finanzierung beteiligen können.

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Zu guter Letzt muss der Steuerzuschuss ins Rentensystem erhöht werden. Steuern sind ein Mittel der Verteilungsgerechtigkeit. Genau darum geht es auch bei der Rente. Alterssicherung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und eine Frage des sozialen Friedens.

Eine Erhöhung des Eintrittsalter, ein Steigen der Beiträge oder eine direkte Kürzung der Renten können sich logischerweise eben die nicht leisten, die in ihrem Leben wenig bekommen haben.

Die Frage darf nicht sein, wie sehr das Einstiegsalter steigen oder das Rentenniveau sinken muss, damit das System so bleiben kann, wie es ist. Die Aufgabe muss sein, das System so zu ändern, dass der Lebensstandard im Alter gehalten bzw, erhöht werden kann.

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