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09/11/2015 12:29 CET | Aktualisiert 09/11/2016 06:12 CET

"Ich bin 16 Jahre alt und möchte Leben retten"

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Ein halben Liter Blut freiwillig abgeben, kann weitaus mehr als nur den Blutdruck senken. Es hilft Menschen das Leben retten.

In Deutschland ereignen sich täglich hunderte Unfälle

Viele Menschen verlieren dabei sehr viel Blut und Blut ist eine sehr wichtige Flüssigkeit in unserem Körper, die man nicht industriell herstellen kann. Menschen, die neues Blut benötigen, brauchen es deswegen von einem Spender.

Nur 4% der Bevölkerung gehen regelmäßig Blut spenden

Täglich werden in Deutschland ca. 15.000 Blutkonserven benötigt und nur 4% der Bevölkerung gehen regelmäßig Blut spenden. In den Ferienzeiten werden die meisten Blutspenden benötigt, da in dieser Zeit sehr viele Unfälle geschehen. Da die Menschen jedoch zur Ferienzeit im Ausland sind, ist der Vorrat an Blutkonserven demnach sehr gering.

In den USA können auch Jugendliche Blut spenden

Als ich 2013 für ein Austauschjahr in Idaho (USA) war bemerkte ich, wie das „American Red Cross" (Das Rote Kreuz) jedes Semester an die Schulen kam und Schüler fragte, ob sie bereit wären Blut zu spenden. Sehr viele Schüler nutzten diese Möglichkeit, um sich sozial zu engagieren. In Amerika ist es erlaubt bereits mit 16 Jahren Blut zu spenden und 14.5% der Spenden stammen von Jugendlichen ab.

Blut spenden erfüllt

Ich war beeindruckt über dieses Thema und fragte meine amerikanischen Freunde, warum sie Blut spenden. Die Antwort war einfach: es sei ihnen wichtig, Menschen zu helfen. Sie erzählten, dass das Blutspenden eine einfache Möglichkeit sei, dies zu erreichen. Ein Teil von sich an einen anderen weiter zu geben, finden sie faszinierend.

Ich fragte natürlich, wie es ist Blut zu spenden. Manche sagten, dass am Anfang ein wenig Schwindel einsetzen kann. Das ginge aber weg, wenn man genügend trinkt und isst. Nach dem zweiten Mal spenden spürt man fasst nichts mehr und jedes Mal nachdem sie ihr Blut spendeten, realisierten sie ein Gefühl der Freude.

Blut spenden gilt für Jugendliche in Deutschland als Körperverletzung

Als ich wieder nach Deutschland kam, wollte ich sofort ebenfalls Blutspenden gehen. Leider darf man dies in Deutschland erst mit 18 Jahren. Mir fiel es schwer, das zu glauben und nach einigen Recherchen fand ich heraus, dass Blutspenden für Jugendliche als Körperverletzung gilt. Interessanterweise ist es jedoch gestattet, sich mit Erlaubnis der Eltern ein Tattoo stechen zu lassen, was einen weitaus größeren Eingriff in den Körper darstellt.

Nachdem ich in der Universität Tübingen eine Anfrage zu diesem Thema stellte, schickten sie mir eine amerikanische Studie: „Adverse Reactions to Allogeneic " Whole Blood Donation by 16-and 17-Years-olds". In dieser Studie wurden die Vor- und Nachteile des Blutspendens wissenschaftlich erörtert.

Wissenschaftliche Studien über Auswirkungen sind uneins

Darüber sprach ich auch mit einigen Ärzten. Manche wussten nicht, ob es Nachteile für minderjährige Spender geben kann, andere wiederum meinten, es könnte ggf. dem Wachstum schaden. Es stellt sich jedoch heraus, dass in Deutschland keine wissenschaftliche Fakten vorhanden sind. Die Amerikanische Studie zeigte, dass es auch Vorteile haben kann wenn Jugendliche Blut spenden, da sie meistens gesünder sind und das Blut seltener mit Erregern infiziert ist.

Zudem haben die meisten jungen Menschen zwischen 16 und 18 Jahren ein Körpergewicht von über 50 kg und erfüllen damit auch die physischen Anforderungen um Blut zu spenden. Doch die Blutspende kann den jugendlichen Organismus auch belasten. Die Folge ist eine erhöhte Rate von Komplikationen. Sie steigt von 2,8 Prozent bei den 20 Jährigen (oder älter) auf 8,3 Prozent bei den 18 bis 19 Jährigen und auf 10,7 Prozent bei den 16 bis 17 Jährigen. Man kann sehen, dass der Unterschied zwischen einem 18 und einem 16 jährigen nicht größer ist als 2,4%.

Es gibt genug, was wir als Jugendliche tun können, was ein weitaus höheres Risiko auf Nebenwirkungen hat als das Blutspenden. Als Beispiel gibt es natürlich das Trinken von Alkohol. Es ist uns gestattet, bestimmte Mengen an Alkohol zu uns zu nehmen, doch der Konsum von Alkohol hat weitaus fatalere Folgen als das Spenden von Blut, wobei das Blutspenden sogar der Allgemeinheit nützt.

Alter ist relativ

Aus meiner Sicht sollten wir als Jugendliche (von 16 Jahren) selbst entscheiden dürfen, ob wir Blut spenden oder nicht. Sobald man die Erfahrung einmal gemacht hat, weiß man ob man es wiederholen möchte oder nicht. Die Chefärztin des Österreichischen Roten Kreuz Dr. Katharina Pils sagt zum Beispiel: „Das Alter wird heute nicht mehr nach dem Geburtsdatum, sondern nach dem körperlichen, psychischen und sozialen Status beurteilt".

Wir brauchen eine Studie zum Blutspenden von Jugendlichen in Deutschland

Daher fordere ich in meiner Change.org-Petition die Durchführung einer Studie, die die Vor- und Nachteile einer Blutspende ab 16 Jahren wissenschaftlich erörtert.

Diese Petition kann Jugendlichen die Möglichkeit geben, anderen Menschen zu helfen und einen wichtigen Beitrag in der Medizin zu leisten.

Helfen Sie uns mit Ihrer Unterschrift, Leben zu retten!

Meine Petition auf Change.org: www.change.org/blutspendenab16

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