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06/12/2015 08:58 CET | Aktualisiert 06/12/2016 06:12 CET

Brief eines 3-Jährigen: Liebe Mami, aus diesem Grund kann ich nicht schlafen

Kelvin Murray via Getty Images

Liebe Mami,

du hast nicht wirklich geglaubt, dass ich meinem kleinen Bruder die ganze Aufmerksamkeit gönne, oder? Ich meine, er ist ein Baby. Also sind auch die Gründe, warum er nicht schläft, nun ja, babyhaft. Aber meine? Meine sind ein wenig anders, denn weißt du, Mami, ich bin jetzt ein großer Junge.

Ich und du, wir hatten jetzt drei Jahre Übung beim Schlafengehen und wir haben unsere Routine raus. Ein Bad mit dem Baby, die Treppe runter für eine Milch und Raa Raa und wieder rauf zum Kuscheln und Vorlesen in meinem Bett. Manchmal versuche ich mein Glück und frage nach einem Extra-Kapitel oder einer zweiten Geschichte, aber dann gibst du mir einen Kuss und ich kuschle mich in meine Kissen. Kein Wiegen und Schaukeln für mich.

Ich bin ein großer Junge.

Aber Mami...

Dass ich jetzt ein großer Junge bin, heißt nicht, dass ich nicht manchmal Angst habe. Nicht mal ansatzweise, Mami. Nachts träume ich jetzt. Manchmal sind Träume toll, mit Flugzeugen und Zügen. Und ich bin wie Dusty, der fliegen kann. Aber manchmal sind sie gruselig, Mami.

Du hast meine Vorstellungskraft so gut entwickelt, Mami, dass ich die Ameisen noch krabbeln sehe, obwohl ich schon aufgewacht bin. Ich brauche dich dann, Mami, deshalb rufe ich nach dir und deshalb möchte ich in deinem Bett schlafen, Mami. Ich möchte meine Hand ausstrecken und wissen, dass du da bist, um mich zu beschützen. Und du bist immer da. Danke, Mami.

Obwohl ich jetzt ein großer Junge bin und normalerweise keinen Mittagsschlaf mehr brauche, ist die Welt manchmal einfach zu groß. Manchmal hatte ich einen aufregenden und sehr wichtigen Tag. Manchmal brauche ich ein kleines Nickerchen, um mich zu erholen und wieder zu Atem zu kommen. Ich weiß, du gehst ein Risiko ein, wenn du mich schlafen lässt, schließlich könnte ich bis Mitternacht die Wände hochgehen, wenn du schon sehr müde bist.

Aber du lässt mich trotzdem meine schläfrigen Augen schließen. Und ich verspreche, es macht meinen Nachtschlaf besser, wenn du mich lässt, mein Gehirn hat die Chance, sich zu erholen. Ich habe die Chance, mich zu erholen. Danke, Mami.

Ich bin jetzt ein großer Junge, aber wenn ich große-Jungs-Sachen lerne, zum Beispiel wie man die Toilette benutzt und das Alphabet und solchen Kram, gehen mir manche große-Jungs-Sachen nicht aus dem Kopf. Warum kommt N nach M und wohin verschwindet das Aa, wenn ich gespült habe?

Diese Fragen wecken mich nachts, Mami und ich brauche dann einfach einen Realitäts-Check von dir, damit ich wieder einschlafen kann. Ich muss mich einfach daran erinnern, dass du da bist und wir auch noch am nächsten Morgen über das Alphabet diskutieren können. Du kannst mir erklären, wohin das Aa verschwindet, Mami, denn ich bin mir sicher, dass du es weißt. Du weiß einfach alles. Danke, Mami.

Obwohl ich jetzt ein großer Junge bin, wache ich manchmal auf und brauche einfach eine Mami-Umarmung (manchmal brauche ich auch eine Papi-Umarmung, aber Papi und ich haben ein Gespräch von Mann zu Mann geführt und Papi weiß, dass dieser Brief nur für dich ist - du magst Briefe mehr als Papi) und du kommst zu meinem Bett und gibst mir eine. Danke, Mami.

Obwohl ich jetzt ein großer Junge bin, möchte ich manchmal nachgucken, ob du noch da bist. Ich rufe deinen Namen und höre deine Stimme, die sagt, dass es okay ist. Auch wenn deine Stimme mir sagt, dass ich zurück ins Bett gehen soll, ist es für mich okay, weil ich weiß, dass du da bist. Danke, Mami.

Obwohl ich jetzt ein großer Junge bin, bin ich immer noch klein.

Obwohl ich schon ein großer, Dreijähriger bin, ist drei immer noch sehr klein.

Ich bin immer noch ein Baby. Ich brauche dich immer noch, Mami. Ich brauche Papi immer noch. Ihr seid mein Zufluchtsort.

Also wache ich auf, ich schlafe nicht mehr so gut wie früher, aber danke, Mami. (Und danke, Papi.) Dafür, dass ihr da seid, wenn ich euch brauche. Dafür, dass ihr mein sicherer Hafen seid. Dafür, dass ihr Monster vertreibt. Dafür, dass ihr mir helft, jeden Tag neue Dinge zu lernen.

Ich werde euch nicht immer brauchen, das verspreche ich. Eines Tages werde ich ein wirklich, wirklich großer Junge sein. Wie Papi. Und dann werdet ihr sehen, was für einen guten Job ihr gemacht habt, als ich euch gebraucht habe.

Ich liebe euch so sehr.

Das Kleinkind

xxx

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post UK und wurde von Gina Louisa Metzler aus dem Englischen übersetzt.


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