BLOG
23/12/2016 12:14 CET | Aktualisiert 24/12/2017 06:12 CET

Das Paket, das 2016 für mich gerettet hat

Im Sommer kam ein Päckchen für mich. Darin lag ein kleiner, rosafarbener Schlafanzug, bedruckt mit lauter Regenschirmen. Keine Notiz, keine Karte, keine Rücksende-Adresse.

Ich fragte im Freundeskreis herum, aber niemand meldete sich und sagte, dass das Päckchen von ihm sei. Zu dieser Zeit bekamen wir sehr viele Geschenke. Unsere Tochter Elodie war als Frühchen zur Welt gekommen und hatte ihre ersten paar Wochen auf der Intensivstation verbracht.

Währenddessen musste ich mich einer Chemotherapie gegen meinen Brustkrebs unterziehen. Unser Leben war ein Scherbenhaufen und die Menschen, die uns nahestanden, schickten Geschenke, um alles ein wenig besser zu machen.

Der Strampler war winzig, aber Elodie versank darin

Einige Tage später jedoch dämmerte es mir: Eine Frau aus London hatte meinen Blog gelesen, mich danach kontaktiert und nach meiner Adresse gefragt. Sie wollte mir einen Schlafanzug schicken, der ihrer eigenen Tochter etwas zu klein war. Das Paket musste also von ihr stammen.

Hannah. Ich fand ihre Nachricht wieder und schickte ihr eine Antwort, in der ich mich für ihre Freundlichkeit bedankte. Ich zog Elodie den Schlafanzug an. Er war winzig, aber sie verschwand fast darin.

elodie

Und dann eines Tages, viel zu früh, passte er ihr auf einmal nicht mehr. Ihre kleinen Beine wurden etwas mollig, und wenn sie ihre Schenkel ausstreckte, mussten sich ihre Füße an den Zehen ein wenig einrollen, um noch in den Anzug zu passen. Ich legte ihn auf den Stapel mit all den anderen wunderschönen Sachen, aus denen sie herausgewachsen war.

Meine Freundin Lydia kam uns besuchen. Sechs Wochen zuvor hatte sie ein winziges Mädchen zur Welt gebracht. Ines. Wir legten sie neben Elodie in das Kinderbett.

Ich dachte an die Frau, die etwas losgetrateten hatte, ohne es zu ahnen

Die Erkenntnis, dass meine Tochter (das letzte Kind, das ich je haben werde) nicht länger ein Neugeborenes war, traf mich wie ein Blitz. Als Lydia und Ines nach Hause fuhren, nahmen sie ein paar von Elodies zu kleinen Sachen mit.

In den sozialen Medien sah ich bald, wie Ines ihn trug. Den kleinen, rosafarbenen Schlafanzug mit den Regenschirmen. Ich dachte an die Frau, die ihn mir geschickt hatte; wie sie etwas losgetreten hatte, ohne überhaupt davon zu ahnen.

ines

Vor ein paar Wochen bekam Lydias Freundin Georgie ein Mädchen, Poppy, nachdem sie jahrelang auf ein Kind warten musste. Und Lydia gab ihr den Schlafanzug.

Ich kenne Georgie nicht, aber durch dieses Kleidungsstück bin ich irgendwie mit ihr verbunden. Und auch mit der Frau, die sich die Zeit nahm, um einen kleinen Schlafanzug in ein Päckchen zu packen und ihn einer fremden Frau für ihr Frühchen zu schicken. Und mit den drei kleinen Mädchen, die ihn alle angehabt haben.

poppy

Ich stelle mir vor, wie Georgie mitten in der Nacht voller Ruhe die Beine ihres Neugeborenen in diesen Taschen aus Stoff positioniert und die Knöpfchen zusammendrückt. Vermutlich ist sie erschöpft, vielleicht auch überwältigt.

Aber es wird nicht lange dauern, bis auch ihre Tochter aus diesem Schlafanzug herauswächst. Und wenn es soweit ist, wird Georgie etwas mehr darüber wissen, was für eine Art Mutter sie sein wird.

Ich werde meiner Tochter von diesem besonderen Kleidungsstück erzählen

Und ich hoffe, sie wird den Schlafanzug weitergeben, an eine andere Mutter mit einer winzigen Tochter. An jemanden, der gerade erst anfängt.

Dieses Jahr war sehr grausam. Zu meiner Familie und überhaupt. Aber ich werde diesen Schlafanzug, diese Freundlichkeit, diese Verbindung nie vergessen.

Und wenn meine Tochter einmal ein wenig älter ist, werde ich ihr von dem Kleidungsstück erzählen, das sie mit Freunden und Fremden teilte, während unsere Familie versuchte, den Scherbenhaufen unseres Lebens wieder Stück für Stück zusammenzusetzen.

Mehr zum Thema: Ein Hirnforscher erklärt: Wie Eltern ihren Kindern den wichtigsten Aspekt ihrer Kindheit stehlen

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post UK und wurde von Jessica Roch aus dem Englischen übersetzt.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Mit dieser Methode hören Babys innerhalb von Sekunden auf zu schreien

(glm)