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17/11/2015 09:53 CET | Aktualisiert 22/03/2017 06:12 CET

Warum ich mir eine mutigere Gesellschaft wünsche

Vladimir Piskunov via Getty Images

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Mut. Was ist schon Mut? Sich etwas trauen, was andere nicht wagen? Etwas sagen, was andere nur denken? Sich einer neuen Herausforderung stellen, sich gegen etwas auflehnen? In seiner Ursprungsbedeutung heißt es „starken Willens sein". Und genau das ist es, was wir brauchen. Eine entschlossene Gesellschaft.

Eine Gesellschaft, die zusammenhält und stolz ist auf ihre Freiheit. Eine Gesellschaft, die bereit ist, sich neuen Aufgaben zu stellen, sich neuen Herausforderungen anzunehmen, es aber gleichzeitig auch schafft, ihren Werten treu zu bleiben. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die von Vielfalt geprägt ist und die es mir erlaubt zu träumen. Ich wünsche mir mehr Mut.

Mehr Mut sich auf die Welt einzulassen.

Wir alle haben unsere Grundprinzipien, unsere Standpunkte. Aber manchmal sind wir so fixiert auf sie, dass wir es gar nicht in Erwägung ziehen, über Alternativen nachzudenken. Kein Wunder, das ist ja auch bequem. Aber bequem ist nicht immer gut. Der gerade Weg führt vielleicht vermeintlich schneller ans Ziel. Aber Umwege können uns die Augen öffnen.

Wenn wir es schaffen, neugierig zu sein, Fremdem eine Chance zu geben und uns auf Unbekanntes einzulassen, dann schaffen wir es vielleicht auch, Dinge zu erreichen, die jetzt unmöglich erscheinen. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die bereit ist, sich auf Neues einzulassen und die Welt mit offenen Armen empfängt. Denn wir leben mit und von diesem stetigen Wandel.

Mehr Mut erwachsen zu werden.

Wir wollen Kinder bleiben, uns keine Gedanken machen, keine Probleme lösen, keine Streitereien austragen. Morgens wach werden und das Urvertrauen haben die Welt sei jetzt wieder in Ordnung. Quasi über Nach geheilt. Aber so funktioniert das leider nicht. Wir brauchen Mut. Mut, erwachsen zu werden.

Und erwachsen werden heißt Verantwortung zu übernehmen. Für uns selbst, aber auch für andere. Für uns alle. Erwachsen werden heißt zu wissen, was uns wichtig ist, wofür wir uns einsetzen möchten, mit welchen Menschen wir unser Leben teilen wollen und womit wir unsere Zeit verbringen möchten. Ich wünsche mir eine erwachsene Gesellschaft, die Verantwortung übernimmt. Für ihre Zukunft.

Mehr Mut zu bewundern.

Wenn ich mir angucke, was die Menschen in meinem Umfeld tolles erreichen, welche Träume sie haben, auf welche Ziele sie zusteuern, dann bewundere ich sie oft für ihre Willensstärke, ihre Leichtfüßigkeit oder ihre Zuversicht. Das hat nichts mit Neid zu tun- im Gegenteil. Manchmal ist es doch schön, dass Andere etwas können, was man selbst nicht schaffen würde.

Es ist in Ordnung, sich das einzugestehen, solange man auch gönnen kann und man selbst nie seine eigenen Stärken vergisst. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der es in Ordnung ist, andere zu bewundern, ohne, dass Bewunderung mit Neid in Verbindung gebracht wird. Eine Gesellschaft, in der aus Bewunderung irgendwann auch Eigeninitiative werden kann.

Mehr Mut zu träumen.

Wir alle haben doch Träume, Ideen, was wir aus unserer Zukunft machen möchten, welche Länder wir bereisen möchten, wie viele Kinder wir uns wünschen oder wo wir gerne später einmal wohnen würden. Es gibt Tage, an denen könnte ich stundenlang so dasitzen und mir eine schöne Zukunft zurechtträumen. Wenn ich dann mit Anderen darüber spreche und mich selbst reden höre, denke ich oft: Wie unrealistisch.

Aber dann denke ich auch immer gleich, wie unglaublich wichtig es eigentlich ist, Träume zu haben. Denn für etwas zu leben, was wir lieben, ist, so glaube ich, um einiges effizienter und bereichernder, als nur im Alltag die Dinge dem Lauf der Zeit zu überlassen. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der es in Ordnung ist, Träume zu haben, ohne, dass sie als realitätsfern und idealistisch abgetan werden. Denn Träume können auch Ziele sein.

Mehr Mut eine eigene Meinung zu haben.

Das zu sagen, was man denkt, ist nicht immer leicht. Schon gar nicht, wenn es um eine Meinung geht, von der man genau weiß, dass unser Gegenüber sie nicht teilt. Viel einfacher ist es, mit dem Strom mit zu schwimmen, anderen nach dem Mund zu reden und das zu tun, was andere für richtig halten. Aber was wir brauchen, sind verschiedene Meinungen.

Denn genau von diesen verschiedenen Meinungen lebt doch unsere Demokratie. Sie lebt davon, dass wir um eine gute Lösung diskutieren und uns hinterher in der Mitte treffen. Unterschiedliche Meinungen gehören zu einer bunten Gesellschaft dazu. Und nur mit Respekt vor der Meinung unserer Mitmenschen können wir es schaffen, Probleme zu lösen, die uns alle etwas angehen.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der es in Ordnung ist, eine eigene Meinung zu haben, ohne, dass krampfhaft versucht wird, uns davon abzubringen, sie schlecht zu machen. Ich wünsche mir vielmehr eine Gesellschaft, die zusammen arbeitet- trotz oder gerade wegen ihrer Diversität.

Mehr Mut sich selbst treu zu bleiben.

Manchmal, wenn wir das Gefühl haben, wir fallen auf, sei es durch unseren Kleidungsstil, unsere Ansichten oder unseren Musikgeschmack, dann schlagen wir eine andere Richtung ein, wir passen uns an, weil wir es leid sind, uns für das, was wir denken und tun, zu erklären oder vielleicht sogar zu rechtfertigen. Wir beginnen mit der Masse mitzugehen. Der Wunsch so zu sein wie die Anderen wird größer, weil wir nicht auffallen wollen.

Aber warum wollen wir nicht auffallen, nicht im Mittelpunkt stehen? Ganz einfach, niemand fühlt sich gerne beobachtet. Denn dann bekommt man ganz schnell das Gefühl, dass unsere Beobachter auch über uns urteilen. Ganz egal, ob sie uns kennen, oder nicht. Aber das Traurige daran ist: Wir hinterfragen oftmals gar nicht, ob wir uns dabei wohlfühlen, wenn wir uns verbiegen, uns der Masse beugen.

Aber das sollten wir. Denn anders sein ist mutig. Und wir brauchen mutige Menschen. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der es in Ordnung ist, so zu sein, wie man ist, ohne, dass voreilig geurteilt wird.

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