BLOG
01/04/2016 05:28 CEST | Aktualisiert 02/04/2017 07:12 CEST

Ohne ideologische Grabenkämpfe

dpa

Gonzalo Baroni ist Betriebswirt, keine 30 und seit gut drei Jahren Präsident der Parteijugend der „Weißen". Die „Weißen" sind die „Blancos", Mitglieder und Anhänger der Nationalen Partei Uruguays. Seit 1836 gibt es sie schon und Baroni gehört zu jenen, die sich vorgenommen haben, eine der ältesten Parteien der Welt zu verjüngen.

In der uruguayischen Politik gelten Mittsechziger oft als "Jungspunde"; um Präsident zu werden, hilft es dagegen, bereits auf ein langes Leben zurückblicken zu können. Der aktuelle, Tabaré Vázquez, ist 76, sein Vorgänger José „Pepe" Mujica hatte sich mit 75 zum Staatsoberhaupt küren lassen.

50.000 junge Leute sind heute bei den Blancos aktiv

Doch Baroni und seine Mitstreiter scheinen auf einem guten Weg zu sein. Die Blancos erlauben es schon 14-Jährigen, auf regionaler und kommunaler Ebene für Parteiämter zu kandidieren. Bald 50.000 junge Leute sind heute bei den Blancos aktiv - nicht gerade wenig in einem Land mit drei Millionen Einwohnern.

Auch neue Formate, eine eigene Radioshow und natürlich die sozialen Netzwerke sorgen für unkomplizierte Kommunikation, viele Ideen, gute Musik und beste Laune - übrigens durchaus auch zusammen mit der Jugend der anderen Parteien. Denn alte ideologische Grabenkämpfe wollen Baroni und seine Generation heute nicht mehr ausfechten. Nah an den Sorgen, Nöten, Ängsten und Wünschen der Menschen sein hingegen schon.

Baroni wünscht sich mehr Frauen in der Politik. "Klobige Instrumente" wie die Frauenquote haben hier und da zu ein paar Verbesserungen geführt, aber ein echter Kulturwandel ist noch nicht zu sehen. Der Chef der Parteijugend setzt auf jene, die nach ihm kommen, sie seien oft mit einem weniger altmodischen Rollenverständnis aufgewachsen.

Als eine Parteifreundin, 21, kürzlich als jüngste Bürgermeisterin des Landes vereidigt wurde, war Baroni stolz. Und ihn hat beeindruckt, wie die Dorfgemeinschaft dieser jungen Frau ihr Vertrauen und ihre Zukunft in die Hände gelegt haben. Baroni: „Es ist gut, dass die Jugend sich engagiert und unseren Staat so jeden Tag mitgestaltet."

2016-02-03-1454507004-6310832-Drinnen.jpg

Es stimmt nicht, dass sich junge Menschen nicht für Politik interessieren, sie gehen nur anders damit um. Daher will die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zusammen mit der Huffington Post der Frage nachgehen: Wie muss Politik für junge Menschen aussehen? Weltweit werden Experten der Konrad Adenauer Stiftung politische Initiativen und Vorgehensweisen analysieren. Wenn Sie sich an der Diskussion beteiligen möchten, schreiben Sie an Blog@huffingtonpost.de.

Eine Schande für Europa: 10.000 Flüchtlingskinder sind verschwunden - schockierend, was mit ihnen passiert sein soll