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24/01/2017 11:52 CET | Aktualisiert 25/01/2018 06:12 CET

Warum ich kein Patriot bin

dpa

Liebe Freunde,

das Schaulaufen der Nationalisten in Koblenz, diese für Frau Petry veranstaltete Kür der "Europäischen Nationalen Front", deren sprachliches Vermögen auch hier in stupidem "Merkel- muss-weg-Gebrüll" ihren traurigen Höhepunkt findet, hat mich zu folgendem Text veranlasst:

Warum ich kein Patriot bin?

Weil ich gut ohne Patria leben kann, ohne eine in einen Nationalstaat gezwängte  Heimat, ohne Vaterland. Weil die ganze Welt, ja das ganze Universum,  meine Heimat ist  und weil ich mich den Tieren fernster Kontinente manchmal näher fühle als gewissen Menschen meines Heimatlandes.

Weil ich da zu Hause bin, wo ich mir in der Stille selbst begegnen kann, wo herzliche und offene Menschen meinen Weg säumen, egal wo mich das Schicksal gerade hin verschlagen hat.

Weil mir mein Klavier heimatlicher ist als ein grenzbewehrtes, von Uniformierten bewachtes Land.

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Weil ich meine von Kindheit erlernte Sprache überall hin mitnehmen kann und weil sie mich, selbst wenn ich nicht verstanden werde, immer versteht.

Ich bin kein Patriot, weil Patriotismus ein erster Schritt ist zu Überheblichkeit und letztlich zu bewaffneten Auseinandersetzungen.

Weil gerade wir Deutschen doch gelernt haben sollten, wie wichtig die Bewältigung und zwar die immerwährende Bewältigung der Schuld ist. Einer Schuld, die aus Patriotismus und Nationalismus geboren wurde.

Die Welt darf nie aufhören über den Holocaust nachzudenken, denn er hat uns gezeigt, zu welchen Schreckenstaten wir Menschen fähig sind Es ist nicht vorbei, es schlummert ständig in uns allen.

Nationalismus ist eine lebensbedrohliche Seuche und der Patriotismus dasselbe in folkloristischem Gewand.

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Ich bin kein Patriot, weil nur Idioten wieder diesem billigen Lockmittel verantwortungsloser Menschenfänger auf den Leim gehen.

Ich bin nicht stolz ein Deutscher zu sein, denn was kann ich schon dafür in dieses Land geboren worden zu sein. Was hab ich dafür getan?

Im Nationalismus liegt keine Freiheit, wie es uns die Parolen brüllenden Populisten der Rechten einreden wollen. Der Nationalismus ist der Anfang vom Ende der Freiheit.

Mein Credo?

Kein Volk, kein Staat, kein Vaterland.

Freie Menschen brauchen keine Krücken, die aus geschichtsvergessener Dummheit geschnitzt sind.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Wecker.de.

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