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25/11/2015 07:56 CET | Aktualisiert 25/11/2016 06:12 CET

Steht es in den Sternen? Sinn und Unsinn astrologischer Jahresprognosen

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Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen, und damit haben die Auguren Hochkonjunktur. Das war schon immer so, auch wenn Mark Twain einst spottete, „Vorhersagen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen".

Das schmälert keineswegs deren Popularität. Insbesondere um die Jahreswende wollen die Menschen einen Blick in die Zukunft werfen. Bereits die römischen Priester vertrauten dem Vogelflug, den sogenannten Auspizien, oder den Eingeweiden von Opfertieren. Bleigießen, Orakelkarten oder die Glaskugel zählen zum Repertoire dieser Tage, doch der Klassiker unter den Wahrsagemethoden ist seit Jahrtausenden die Astrologie.

Wann genau die Menschen bei der Beobachtung des Himmels erkannt haben, dass es gewisse Zyklen gibt, die mit einiger Erfahrung vorausberechnet werden können, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

Bis zu 7.000 Jahre alte Anlagen wie das Sonnenobservatorium von Goseck in Sachsen-Anhalt oder der Steinkreis von Stonehenge dienten gewiss nicht allein der Himmelsbeobachtung, sondern auch der Deutung; zwei Schritte, die bis zum Beginn der Neuzeit Hand in Hand gingen.

Prognosen als Unterhaltung

Neben den Auguren haben die Skeptiker Konjunktur, die der Überzeugung sind, dass es sich bei der Astrologie um „vielfach widerlegten Aberglauben" handele. Ihre Berichte mit Schlagzeilen wie „Kritiker sehen Orakel-Debakel" oder „Weltuntergang ausgefallen" sind ebenfalls fester Bestandteil des Jahresend-Rituals.

Doch was kritisieren diese Kritiker und was kann überhaupt vorhergesagt werden? Die meisten Jahresprognosen sind in der Tat entweder reißerisch oder banal; oder gleich beides. Sie bedienen das Bedürfnis der Menschen nach konkreten Vorhersagen in einfacher Form.

So kommt es dann zu Prognosen und Ratschlägen wie: „In der ersten Hälfte des Jahres müssen Sie, um wichtige Entscheidungen zu treffen, Verantwortung übernehmen." „Positive Lebensphasen müssen erkannt und genutzt werden, sonst verpuffen sie im Trubel des Alltags." Oder: „2015 können sich aufregende Dinge im Liebesleben der Widder ereignen."

Die Basis derartiger Plattitüden ist allein der Stand der Sonne, das sogenannte Sternzeichen. Ein Beispiel: Jupiter läuft etwa ein Jahr durch ein Sternzeichen - im Moment durch die Jungfrau. Der nach dem Göttervater benannte Planet steht für Expansion, Reichtum und Fülle.

Also wird den Jungfrauen aktuell ein „Superjahr" vorhergesagt: „Möglich ist alles!" „Nur keine falsche Bescheidenheit" und „die Chancen beim Schopfe packen". In Sachen Job und Finanzen gibt Jupiter „praktisch eine Erfolgsgarantie", meinen die Auguren.

Kritiker greifen derartige Pauschalierungen gern auf, um die Astrologie zu diskreditieren. Und wenn dann noch ein paar Prominenten-Prognosen ausgeleuchtet werden, die sich - natürlich - nicht bewahrheitet haben, scheint die Blamage perfekt.

Dabei überschätzen die Kritiker die Bedeutung derartiger Prognosen. Neben dem Bedürfnis nach einem Blick in die Zukunft, dienen sie vor allem der Unterhaltung. Tatsächlich geht die Prognose konkreter Ereignisse über das hinaus, was seriöse Astrologen „Aussagegrenzen" nennen. Das betrifft erst recht Aussagen zum globalen Lauf der Welt.

Qualität der Zeit

Was allerdings sehr wohl vorhergesagt werden kann, ist die Qualität der Zeit, und das ist die Basis der Astrologie. Die alten Griechen unterschieden zwischen „chronos", der gemessenen Zeit, die unaufhörlich und gleichmäßig weiterläuft und „kairos", der Zeitqualität, dem günstigen Zeitpunkt.

Auch im Alten Testament sagt der Prediger Salomons: „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Ernten...".

Dazu ein Beispiel aus meiner Praxis. Ich werde bisweilen auch um astrologische Jahresprognosen gebeten. Für das nun zu ende gehende Jahr habe ich prophezeit, dass es zum Jahresende erschütternde Enthüllungen geben wird, die das Vertrauen der Menschen in allseits anerkannte Autoritäten massiv erschüttern werden.

Ich habe nicht konkret vorhergesagt, dass ein Weltkonzern durch eine ans Tageslicht geförderte gigantische Manipulation fast in die Knie gezwungen wird. Ich habe auch nicht vorhergesagt, dass das deutsche Sommermärchen von 2006 seinen Glanz verliert und sogar der unangefochtenste deutsche Kaiser seit Karl dem Großen vom Sockel gestürzt wird. Und ich habe ebenso wenig vorhergesagt, dass einer der größten Leichtathletik-Verbände der Welt von allen internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen werden soll, weil sein systematisches Doping ans Tageslicht gekommen ist.

Dennoch finde ich, ich kann mich mit der Vorhersage sehen lassen, denn das, was in diesen Wochen und Monaten enthüllt wird, geht weit über die gewöhnlich aufgedeckten Skandale hinaus.

Meine Prognose habe ich astrologisch abgeleitet: Wir erleben gerade ein Saturn-Neptun Quadrat, das zunächst bis zum Beginn des neuen Jahres wirkt und von Juni - September 2016 noch einmal exakt zurückkehrt. In der Zeit dürfen wir weitere, tiefgreifende und erschütternde Enthüllungen erwarten, die ebenso über das gewöhnliche Maß an aufgedeckten Skandalen hinausgehen.

Saturn symbolisiert die feste Ordnung, Klarheit, Struktur. Unter seiner Herrschaft erscheint alles für die Ewigkeit angelegt. Neptun erscheint uns zunächst als der Illusionär, er vernebelt das, was wir als Realität wahrnehmen und lässt uns erahnen, dass es hinter der vermeintlichen Realität noch etwas anders gibt.

Lassen wir uns auf ihn ein, wandelt sich die illusionäre Kraft in eine Energie, die alles, was nicht echt und authentisch ist, unterhöhlt. Schöner Schein, Lug und Betrug, selbst wenn sie in noch so strahlender Form daher kommen, haben nicht länger Bestand, wenn zwei derartig unterschiedliche Energien wie Saturn Neptun zusammentreffen.

Dazu noch ein historisches Beispiel, das selbst Astrologie-Skeptiker zum Nachdenken bringen sollte: Eine der größten Erschütterungen der jüngeren Vergangenheit war zweifellos die Aufdeckung des Watergate-Skandals von US-Präsident Nixon, die schließlich zum einzigen Präsidenten-Rücktritt in der Geschichte der USA geführt hat. Als die Enthüllungen in Gang kamen (Jahreswechsel 1972/73) standen Saturn (im Zwilling) und Neptun (im Schützen) in Opposition zueinander!

Mit meinen Zeitqualität-Prognosen bin ich nicht alleine. Der Schweizer Astrologe Claude Weiß zum Beispiel hat die wirtschaftliche Krise von 2008 - 2010 sehr genau vorhergesagt.

So schlecht stehen die seriösen Astrologen also gar nicht da, wenn es um Prognosen geht; sie müssen nur ihre Aussagegrenzen akzeptieren und sich von dem Bedürfnis nach der Vorhersage konkreter Ereignisse lösen.

Was im individuellen Bereich auf seriöse Weise prognostiziert werden kann, soll in einem weiteren Blog erläutert werden.

Klemens Ludwig

Seid ihr schlauer?: Kaum die Hälfte der Weltbevölkerung kann diese Frage richtig beantworten

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