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24/08/2015 09:44 CEST | Aktualisiert 24/08/2016 07:12 CEST

Der Frust einer kölner Psychologiestudentin

ullstein bild via Getty Images

Ich habe mein erstes Master-Semester Psychologie an der Uni Köln verbracht und ich kann leider niemandem empfehlen, dort zu studieren. Ich habe mich zum Wintersemester 2014 immatrikuliert. Zum Sommersemester 2015 war ich wieder an meiner Bachelor-Uni.

Für mich persönlich gab es keine andere Wahl, als mich nach einem Semester wieder zu exmatrikulieren. Ich bin zurück nach Österreich gezogen und habe an meiner Bachelor-Uni das mentale Aufatmen richtig genossen. Ich stamme übrigens aus dem Rheinland und hatte mich gefreut, nach vierjähriger Abwesenheit zwecks Bachelorabschluss wieder dort zu wohnen.

Nicht auszuhalten

Die Psychologie an der Uni Köln war für mich jedoch nicht auszuhalten. Die Professoren, die ich in diesem Semester kennen lernte, waren entweder schlecht vorbereitet, nicht am Lernerfolg ihrer Studierenden interessiert, nicht mehr motiviert, ihr Fach zu vermitteln oder unfähig, ihr Fach zu vermitteln, da sie selbst keine Ahnung davon hatten - und manchmal auch alles zusammen.

In Köln habe ich erlebt, wie die Psychologie den Bach runter geht. Die meisten Dozierenden haben keine Freude mehr an ihrem Fach, oder daran, die Inhalte zu vermitteln, erst Recht nicht an Studierende. Die Gestaltung der Seminare, der Weg zum Scheinerwerb und der Aufbau des Curriculums lassen für echte Inhalte aber auch nur wenig Platz.

Anwesenheitspflicht

Die Anwesenheitspflicht in Seminaren wurde mit dem Wintersemester 2014 per Universitätsgesetz abgeschafft. Das gab Anlass zu vielem Stunk, den viele Dozierenden eins zu eins in ihre Seminare trugen.

Niemand geht gern in ein Seminar, in dem er statt Fachwissen einen frustgetriebenen Vortrag zu hören bekommt, was an dem erlassenen Universitätsgesetz doch alles schlecht wäre. Die Ironie daran, den im Seminar anwesenden Personen einen trotzigen Vortrag darüber zu halten, wie wichtig doch Anwesenheit ist, kann man dabei leider keinem der besagten Dozenten bewusst machen (ich hab es versucht).

Referate als Lösung

Die Lösung der Seminarleitung zum Problem der nicht mehr gültigen Anwesenheitspflicht war ähnlich sinnentleert. Damit jeder Seminarteilnehmer wenigstens einmal anwesend sein musste, wurden Referate vergeben, mit denen jeder Teilnehmende eine Seminareinheit zu füllen hatte.

Jede Woche ein eineinhalb-stündiges Referat hören zu müssen, macht den Seminarbesuch natürlich viel erstrebenswerter (Achtung, Ironie!). Viel besser (und der Grund für meine tiefgreifende Frustration) war jedoch die Qualitätsanforderung und die daraus entwachsene Qualität der Referate.

Bedingung für den Scheinerwerb

Die Qualität der Referate war faktisch nicht vorhanden. Wie auch, wenn die einzige Bedingung für den Scheinerwerb ist „Sei anwesend, während du dein Referat hältst". Anwesenheit war das einzige Kriterium, das bei den Referaten beachtet wurde.

Inhaltliche Darstellung, Aufbereitung, Vortrag, nichts davon war wichtig, nichts davon wurde beachtet, kritisiert, bewertet. Und genauso schlecht waren die Referate. Am Abend vorher irgendetwas in Powerpoint geklatscht, copy and paste, vorne hinstellen und irgendwas ablesen. Der Erkenntnisgewinn dieser Referate war bei mir gleich Null. Woche für Woche.

Mini-Referate

Extra frustrierend war, dass die Dozierenden sich auch noch für clever hielten, wenn sie diese Dauerreferate vergaben. Ein Dozent hielt sich für besonders schlau und vergab pro Person zwei Mini-Referate an zwei verschiedenen Tagen, um die Anwesenheit an wenigstens zwei Tagen zu garantieren.

Ironischerweise war der einzige Tag, an dem er selbst vorbereitet war, die erste Einheit, in der uns breit über die Hintergründe seines Seminarentwurfs (das besagte Universitätsgesetz) aufklärte und sogar einen Kurzfilm zeigte, um seine Frustration darüber deutlich zu machen.

Um zu zeigen, wie viel er zu bieten hatte, sagte er in den verbleibenden Seminareinheiten wenig bis gar nichts, damit die (aus oben genannten Gründen schlecht vorbereiteten) Referenten zu Wort kamen. In jeder selbstorganisierten Interessengemeinschaft kommt es zu einem größeren Erkenntnisgewinn.

Kein Teilnehmer hörte zu

Ich muss dazu sagen, dass es nicht möglich war, gute Referate zu halten, und selbst wenn man sich Mühe gab, so war diese vergebens. Kein Teilnehmer hörte zu, die Seminarleitung war gänzlich uninteressiert und im Nachhinein kann man sich nur ärgern, dass man nicht so „schlau" war, wie die übrigen Referenten und einfach nur den minimalsten Einsatz gebracht hat.

Nach meinem ersten, gut ausgearbeiteten Referat, bei dem der Dozent mich zweimal für dreißig Minuten unterbrach, um sein Stammtischgespräch mit dem Kurs zu führen, erstarb auch in mir der gute Wille und mein nächstes Referat war genauso schlecht, wie es unter solchen Umständen zu erwarten ist. Es gibt ja keine Konsequenzen!

Exmatrikulation

Der Grund für meine schlussendliche Exmatrikulation war übrigens die Studiendekanin selbst. Ich hatte die große Freude, sie als Dozentin in einem meiner Seminare zu haben, wo sie uns metaphorisch gesprochen jeden Morgen auf den Tisch kackte, indem sie uns ihre zunehmende Unzufriedenheit und Frustration über die Seminarsituation und das neu erlassene Studiengesetz zur nicht mehr gültigen Anwesenheitspflicht spüren ließ.

Ihre Frustration war zu großem Teil daraus geboren, dass statt den gewohnten 20 bis 25 Anmeldungen für ihr Seminar nur 12 Anmeldungen für dieses Semester zu verzeichnen waren. Ich finde es sehr fair, dass sie diesen Umstand uns 12 Teilnehmern zur Last legte und ihren Unmut darüber an uns ausließ (Vorsicht, Ironie).

Unmut

Ihr Unmut wurde zusätzlich noch dadurch vergrößert, dass von diesen 12 Personen sich nie mehr als 8 Leute im Kurs zeigten und selten mehr als 6 gleichzeitig. Andere Dozenten würden diesen Umstand vielleicht feiern, statt überfüllter Seminarräume mal einen kleinen Kurs zu haben, indem man intensiv und interessengeleitet arbeiten kann.

Die Studiendekanin zeigte uns aber lieber, dass sie selbst das erlassene Universitätsgesetz nicht verstanden hatte, indem sie uns schimpfte, wir hätten es nicht verstanden und sie dürfte sehr wohl auf Anwesenheit bestehen. Was in einem Seminar definitiv nicht der Fall war.

Wie sehr sie sich für uns Studierende interessierte, zeigte sie uns, indem sie uns in der letzten Einheit noch eine Namensliste von unserem Kurs erstellen ließ, da sie nach einem Semester mit nie mehr als sechs Personen in einem Raum immer noch nicht unsere Namen kannte. Wörtlich „Ich weiß ja überhaupt nicht, wer Sie sind und wen ich überhaupt für diesen Kurs bestätigen soll."

Diese Kostprobe hat gereicht

Natürlich kann ich mich hier nur auf eine Auswahl an Dozierenden aus einem Semester beziehen. Diese Kostprobe hat aber gereicht, um dem ersten Semester kein zweites folgen zu lassen.

Es tut mir leid, um die wenigen Dozierenden an der Uni Köln, denen noch Lust an der Psychologie, Spaß an der Lehre und Engagement für die Studierenden erhalten geblieben ist und die Verständnis für meine Belange hatten. Diese baten mich auch, meine Erlebnisse öffentlich zu machen.

In dieser Schilderung müssen sie leider zu kurz kommen. Denn auch die wenigen Momente mit diesen Hoffnungsträgern reichten nicht aus, um mich an der Uni Köln immatrikuliert zu halten. Und einen doppelten Umzug, wie ich ihn gemacht habe, möchte ich jedem ersparen.

Vor allem, wenn wirklich jeder mit dem ich gesprochen habe, mit dem dortigen Studium unzufrieden ist und auf Nachfrage nur von einem Psychologie-Studium an der Uni Köln abraten kann.


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