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12/12/2015 04:11 CET | Aktualisiert 12/12/2016 06:12 CET

Ein neuer sozialer Aufbruch

DPA via Getty Images

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In Trier sind derzeit elf von 34 Sporthallen nicht oder nur in begrenztem Umfang nutzbar. Nicht etwa, weil sie für die Unterbringung zu uns geflüchteter Menschen genutzt werden müssen, sondern aufgrund von Baumängeln. Jahrelang wurde dem Verfall zugesehen, um Geld zu sparen - bis es zu spät war.

Dieses Beispiel aus meinem Wahlkreis steht beispielhaft für die aktuelle Situation in Deutschland. Wir leben in einem reichen Land. Deutschland hat eine der höchsten Millionärsdichten der Welt. Gleichzeitig sind immer mehr Menschen arm oder von Armut bedroht.

Viele Kommunen versinken in einem Schuldenberg und müssen dem Verfall ihrer Infrastruktur tatenlos zu sehen. Menschen, die vor Armut und Krieg geflohen sind, müssen monate-, manchmal sogar jahrelang in überfüllten Sammelunterkünften hausen. Eine Situation vor der die Große Koalition in Berlin gerne ihre Augen verschließt.

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Ursächlich für diese Misere ist eine Politik, die sich nicht um die Bedürfnisse der Menschen sorgt, sondern um die Interessen der Reichen und der Wirtschaft.

Es ist kein Geld da, um schimmelnde Schulen zu renovieren. Es ist kein Geld da, um Menschen mit Behinderungen ein gutes, inklusives Leben zu ermöglichen. Es ist kein Geld da, um Hartz-4-Empfängern ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen.

Aber für die Rettung der Banken waren über Nacht Milliarden verfügbar und wenn es um deutsche Kriegseinsätze geht, scheint Geld auch keine Rolle zu spielen. Steuererleichterungen für große Unternehmen sind meist ebenso schnell beschlossen.

Und doch ist nicht alles schlecht. Die riesige Hilfsbereitschaft bei der Aufnahme, Versorgung und Unterbringung geflüchteter Menschen. Die zahllosen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die ihre Zeit und Energie beispielsweise in Kleiderkammern oder Sprachkurse stecken.

Die vielen Menschen die sich in Trier und ganz Deutschland den Aufmärschen von Neonazis in den Weg stellen. Die gut besuchten Demonstrationen gegen die Freihandelsabkommen TTIP und CETA. Sie zeigen, dass es auch anders ginge, dass ein solidarisches Miteinander möglich ist.

Ich hoffe, dass wir 2016 noch viel mehr werden, um einer sozialen Politik endlich zum Durchbruch zu verhelfen, denn so kann es nicht weitergehen.

Von wegen Transparenz: EU-Kommission schwärzt 95 Prozent der Sätze in TTIP-Dokument

Dieser Text ist Teil der Reihe "Wie geht es uns?" Ein Jahr lang hat die Politik in Berlin, die Krise in Syrien und der Konflikt mit Moskau die Schlagzeilen beherrscht. Wie aber geht es Ende dieses irren Jahres den Menschen in Deutschland? Wie blicken die Menschen in unserem Land in die Zukunft? Das will die Huffington Post herausfinden - und hat alle Redakteure als Reporter durch das Land geschickt. Sie führen Interviews, besuchen Menschen, denen sonst niemand zuhört - und berichten über Menschen, die dabei helfen, die größten Probleme zu lösen.

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