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19/02/2016 09:11 CET | Aktualisiert 19/02/2017 06:12 CET

Trauer bleibt ein Leben lang: Abschiedsbrief an meinen Lieblingsmensch

Sally Anscombe via Getty Images

Es gibt Momente, in denen du an das Vergangene denkst. Mit Vergangenem meine ich das, was nicht wiederkommt. Das, was für immer verloren ist. Menschen, die uns fehlen.

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Wenn der Tod kommt, dann ist man nicht immer bereit dafür. Vor allem, wenn er nicht dich sondern einen geliebten Menschen trifft. Egal ob dein Opi 82 Jahre geworden ist und ein schönes Leben hatte und eigentlich schon länger sterben wollte...

Der Schmerz und die Trauer bleiben. Und, seien wir mal ehrlich, sie bleiben ein Leben lang. Ich wünschte ich könnte etwas anderes sagen, aber Opi, ich werde dich immer vermissen und es wird immer ein Schmerz bleiben. Und dieser Schmerz ist zumindest jetzt (noch) so groß, dass ich ihn manchmal nicht ertrage.

Wenn ich an dich denke, wie du unser Leben bereichert hast, dann umhüllt mich eine große Traurigkeit. Wenn ich daran denke, dass der Platz, auf dem du sitzen solltest, in dem Haus, was längst verkauft ist, immer leer bleiben wird, dann erstickt mich eine Leere, in der ich kaum atmen kann. Ich vermisse Dich.

Mein Opi war mein Held, mein Tröster, mein „Ich- glaube- immer- an- dich" und „Ich- bin- so- stolz- auf- dich- Opi".

Es gibt Momente, in denen du dir wünscht, einmal in den Himmel schauen zu können und zu sehen, diesem besonderen Menschen geht es gut. Zu wissen, er schaut auf dich herab und passt auf. So wie es Kindern erzählt wird.

Ich hoffe, dass diese Vorstellung realer ist, als die Existenz des Weihnachtsmanns. Mein Opi ist im Himmel und er weint mit mir und lacht mit mir.

Du hast mich immer zum Lächeln gebracht.

Lieber Opi ich vermisse dich so sehr.


Zu wissen er sieht, dass ich an seinem Geburtstag ein Eis mit der Familie esse. Alleine ihm zu Ehren. Weil es nicht viele solcher ehrlicher Menschen gibt und für mich war er mein Held, mein Tröster, mein „Komplimente-Macher" und mein „Ich- glaube- immer- an- dich" und „Ich- bin- so- stolz- auf- dich- Opi".

Ich vermisse es mit dir zu Lachen, bei dir war das Leben so leicht. In deinem Garten konnte ich unter dem Schutz der Apfelbäume schlafen. Ich habe mir Geheimwege gesucht durch deine prächtigen Blumen und obwohl ich alles zertrampelt habe, warst du nicht böse.

Ich war deine Prinzessin. Mit dir habe ich Enten gezählt. Mit dir habe ich jede Schaukel in der Umgebung ausprobiert.

Und bei keinem habe ich mich mehr geborgen gefühlt, von keinem mehr verstanden. Keiner hat mehr an mich geglaubt.

Du hast mit mir Schach und Mühle gespielt. Wie man die Buchstaben gerade schreibt, hast du mir gezeigt. Und wir haben zusammen Lesen gelernt. Obwohl du immer viel besser lesen konntest als ich. Du konntest die besseren Geschichten erzählen und die Märchen besser vorlesen. Von dir habe ich das Träumen gelernt.

Du bist „mein Engel" hast du zum Schluss gesagt. Und egal ob du vergessen hast, wo deine Brille ist, wo dein Portmonee ist und egal ob es manchmal auch dein Name oder dein Alter war oder ob du mich nach deiner Mutter gefragt hast mit deinen 81 Jahren. Du hast mich immer erkannt. Dafür danke ich dir noch mehr.

Ich hätte mir keinen besseren Opi wünschen können. Es tut mir Leid, dass ich dich zum Schluss nicht öfter besucht habe. Lieber Opi, ich liebe dich.

Ich passe auf mich auf und mache dich stolz. Aber ich weiß, dafür muss ich nicht mehr tun als glücklich sein. Dir ist es egal, was ich studiere, wen ich heirate und was ich mache. Das hast du mir beigebacht, dass man das Leben genießen soll und nur auf sich gucken soll.

Ich muss nicht die beste Studentin sein, ich muss nicht viel Geld verdienen. Nur meine Mitmenschen gut behandeln.

Du bist und bleibst mein Lieblingsmensch und der beste Opa.

Ich verspreche dir, ich passe gut auf Omi auf, so lange du das nicht kannst.

Danke für alles.

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