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03/04/2016 07:31 CEST | Aktualisiert 04/04/2017 07:12 CEST

"Lasst mal unser Leben leben"

Tetra Images via Getty Images

Wir leben in einem Zeitalter des höher weiter, schneller, besser Prinzips. Höher springen, weiter laufen, schneller leben, besser sein. Gut ist nicht genug. Jeder ist ein Einzelkämpfer. Und, wenn ich mich frage: Wie soll das funktionieren? So bleibt die Gesellschaft still.

Wie soll ich meine Träume verwirklichen, wo ich doch das träumen verlernt habe. Wir jagen ständig neusten Entspannungs-, Ernährungs-, Fashiontrends hinterher. Ich bin noch beim Yoga nicht angekommen und schon überrollt mich die Detoxwelle.

Und warum die Frauen des Sommers 2015 grau sein wollten und 2016 pink, verstehe ich nicht. Sonst will doch auch niemand dem Spiegel des Alters ins Gesicht blicken.

Wir leben in einer Welt in der Nervenkitzel „Buildering" heißt. Wie weit muss es noch kommen? Was, wenn bald auch nicht mehr die höchsten Gebäude reichen, um uns Nervenkitzel zu geben. Was, wenn bald nicht mehr Yoga, Pilates hilft, damit wir Ruhe finden? Was, wenn Schokolade die Trauer über diese anonyme Welt nicht vergessen lässt. Was, wenn es bald Home- office gibt und Facetime das neue Chillen ist. Was, wenn niemand einander mehr kennt. RICHTIG kennt. Wie soll ich lernen meine Gefühle auszudrücken, wenn ihr mich sowieso nur noch über Whats App versteht.

Ein trauriger Blick in die Zukunft.


Sry... Ich bin jetzt mal weg. Ich träume mich weg von hier. Ich will nicht vereinsamen. Ich will nicht die letzte Generation sein, die Kühe kennt, die auf der Straße gespielt hat und mit Kreide Häuser gemalt hat. Ich will nicht die letzte Generation sein, die ohne Handy das zehnte Lebensjahr beendet hat. Bitte, Bendzko halte die Welt an. Ich brauche das Gefühl von Sicherheit.

Etwas erreichen ist in dieser Massengesellschaft unmöglich. Es gibt doch schon alles. Es gibt genug Sänger, Philosophen, Künstler, Moderatoren, Piloten. Um ehrlich zu sein auch genug Menschen, eigentlich zu viele. Und doch zu wenig Ehrliche, Freundliche, Sanfte.

Wovon es zu wenig gibt sind ehrliche Worte, richtige Fantasie, Wärme und Liebe. Maxim singt vom Blick in den Rückspiegel. Erst zu spät bemerkst du, dass du die Abfahrt Glück schon längst verpasst. Ein umdrehen ist nicht mehr möglich, und jetzt stecken wir in der düsteren Gegenwart mit dunkler Zukunft fest? Hoffentlich nicht!

Gesellschaft, das sind doch wir alle.


Ich für meinen Teil kann mich noch entschuldigen, habe Empathie und Vertrauen. Ich bin noch nicht entfremdet von meinen Träumen, meinen Freunden, meiner Familie. Ich weiß wer ich bin, was ich kann. Ich habe Augen, mit denen ich alles Schöne sehen kann. Ich habe Ohren mit denen ich die Melodie des Herzens hören kann.

Ich habe einen Mund, mit dem ich reden kann. Ich kann sagen, was ich sagen will und wem ich es will. Davon kann mich auch kein Erdogan abhalten. Und ich kann stolz sein, auf mich und was ich werden will. Ich kann an meinen Träumen festhalten. Natürlich gibt es genug Journalisten, Psychologen, Ärzte und auch Sportpädagogen. Aber es gibt mich noch nicht. Ich bin einzigartig.

Wir sollten raus gehen. Die Augen aufmachen und das Leben leben. Ich muss nicht jedes Foto teilen, ich muss nicht erst auf lovoo gehen und hot or not anklicken, um mein Ego zu pushen.

Kommt lasst es uns genauso machen, lasst uns die Augen öffnen und einmal das sehen, was wir sonst nicht sehen.

Lasst uns mal das hören, was wir sollen und nicht das, was wir wollen. Lasst uns die Menschen gegenüber akzeptieren. Lasst uns sagen, was wir denken. "Lasst mal an uns selber glauben", wie einst Julia Engelmann sagte. Lasst uns gemeinsam träumen. Vielleicht haben wir ja die gleiche Vision. Lasst uns uns ein Vorbild sein. Nur so kann es besser werden.

Los lebe jetzt, nicht für Trends, nicht für Facebook, sondern nur für dich selbst!

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