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09/04/2016 08:39 CEST | Aktualisiert 10/04/2017 07:12 CEST

Ich bin dann mal allein - Der Weg, sich selbst zu finden

Andrew Bain via Getty Images

Wonach suchen wir im Leben? Was ist uns wichtig? Was, wenn wir nicht wissen wonach wir suchen, wen wir suchen oder was? Was, wenn ich gerade nicht sagen kann, warum ich traurig bin. Was, wenn ich nicht sagen kann, warum ich nicht glücklich bin. Ich kann nicht sagen, was oder wer mich gerade glücklich machen könnte. Ich weiß gerade nicht, was und wer mich und mein zartes Herz noch berühren kann. Und so ein Gefühl der Traurigkeit hatte ich noch nie. Irgendwie bin ich einsam. Aber das ist nicht so schlimm, wie die Tatsache, dass ich nicht weiß, wer oder was mir gerade fehlt.

Vielleicht ist es diese „Krise", die jeder 20- jährige, jeder 30- jährige, jede 40- jährige und wahrscheinlich auch jeder 60- jährige hat. Ich weiß, gerade geht etwas zu Ende und ich muss mein Leben neu sortieren. Das ist okay und gut, aber diese Ungewissheit wie ich alles ordnen soll, was ich wegschmeißen soll und, was ich unbedingt beschützen muss, weil es wichtig ist, macht mich fertig. Nicht das Aufräumen an sich, aber die Tatsache, dass ich gerade nicht zwischen wichtig und unwichtig entscheiden kann.

Dass ich gerade nicht weiß, was mir fehlt, um mein Lächeln zu finden, was ich doch so an mir mag. Ich bin ein fröhlicher Mensch, der doch eigentlich so viele Träume hat und sich auf eine Zukunft freut. Zuversichtlich, das ist das richtige Wort. Doch gerade habe ich genau das verloren. Und ich weiß nicht, wo es hin ist. Ich weiß gerade nicht, wofür ich aufstehen möchte, einfach, weil ich nicht weiß wohin ich gehen möchte. Irgendwie fehle ich mir selbst.

Dabei beginnt der längste Weg mit dem ersten Schritt und im Leben ist eigentlich der Weg das Ziel oder anders: das Ziel ist der Weg. Das Ziel oder der Weg kann sich auch jeden Tag, jede Stunde, jede Minute ändern, muss es sogar manchmal. Beim Jakobsweg geht es ja auch um die Reise und darum, sich selbst zu finden. Leider glaube ich nicht daran, dass man sich auf so einer Reise findet. Zum Verständnis: Ich habe nichts gegen Menschen, die den Jakobsweg gehen. Im Gegenteil, ich bewundere sie.

Irgendwie bin ich einsam. Aber das ist nicht so schlimm, wie die Tatsache, dass ich nicht weiß, wer oder was mir gerade fehlt.

Doch ich würde mich nicht in so ein Abenteuer stürzen. Und mich beängstigt der Gedanke an diese körperliche Anstrengung zum einen und dieser „Zwang" sich mit sich selbst beschäftigen zu müssen. Aber irgendwie auch dieser Vorsatz... Ich bin nicht der Typ Mensch, der ein Alibi braucht, einen Weg, um sich mit den eigenen Gedanken zu beschäftigen. Ich glaube, dass man sich selbst im Alltag finden muss und so blöd das klingt, man selbst ist doch immer in sich selbst.

Zu uns finden, das ist etwas, was eigentlich nüchtern betrachtet albern ist. Und doch ist es eine der schwierigsten Aufgaben im Leben, an denen viele Scheitern. Zu mir gehören so viel schöne wie schlechte Erinnerungen. Und die Schlechten, die ich zwar gerne durch Schöne ersetzten würde, gehören dennoch zu mir und machen mich doch auch irgendwie aus.

Was ist mir wichtig? Was will ich werden? Was will ich sein? Wo will ich hin?

Das alles, das weiß ich gerade noch nicht. Ich finde in meinem Kopf, Bauch und Herz gerade keinen Platz darüber nachzudenken, weil da so viel drin ist. Umgedreht ergeben die Fragen für mich mehr Sinn, also, was die anderen sagen und denken. So rum kann ich die Fragen viel besser beantworten.

Ich kann mit Sicherheit sagen, wem ich wichtig bin. Das ist auch gut und die meisten wollen auch nur das Beste für mich. Aber um ehrlich zu sein, kann ich auch ganz genau sagen, was andere von mir wollen. Was andere in mir sehen und, wo andere wollen, dass ich hin (gehen) soll. Zumindest eins wird mir gerade klar, ich habe zu oft das getan, was andere von mir wollen.

Was ist mir wichtig? Was will ich werden? Was will ich sein? Wo will ich hin?

Und auf die Frage mit der Zukunft ... Vielleicht sollte ich mich gerade nicht so unter Druck setzen (lassen). Erwachsene würden jetzt sagen: Die Zeit regelt das. Mein Prof würde jetzt sagen: Genieß einfach das Leben. Meine Eltern würden mich dann noch einmal daran erinnern, dass das nicht kappt, wenn ich nicht genug Geld verdiene, wenn ich nicht einen guten Abschluss mache und, wenn ich mich nicht endlich entscheide, was ich will und wo ich hin will. „Denk an die Zukunft!" steht auf ihrer runzelnden Stirn, wie ein fetter Stempel.

Und vielleicht ist da genau der Fehler. Denn die anderen Leben ja nicht mein Leben. Und vielleicht macht das den Jakobsweg auch etwas attraktiver und in der Sache zu sich selber finden erfolgreicher, denn da ist niemand. Auch im Ausland ist niemand Bekanntes, der dich beeinflusst.

Lass sie los - die Stempel auf den Stirnen der anderen. Mach dir selbst einen auf die eigene. Vielleicht etwas wie: Ich bin toll. Ich bin klug. Ich bin stark. Ich bin ich und stolz drauf. Ich schaffe das!

Ich für meinen Teil bin 21 und ich will sein, wer ich bin und suchen, wo ich hin will und erfahren, was in mir steckt. Allein. Und vor allem ohne Druck. Also an alle, fragt mich bitte nicht. Ich will das mal selbst entscheiden. Wenn ihr es so wollt: Lasst mich mal mich selbst finden. Lasst mich mal ich selber sein. Das ist ja schließlich die Person, die ihr so schätzt.

Ich bin der Überzeugung, dass jeder seine Methode hat, sich zu finden.

Und, wenn ich jetzt noch nicht die ganzen Fragen beantworten kann, dann ist das so. Vielleicht kann ich das morgen oder in einem Jahr, weil ich vielleicht erst noch einmal weg bin. Wie hat Mark Forster mit Sido noch gleich gesagt: „Mit dem Gummiboot bis nach Alaska." Vielleicht bin ich gerade so traurig und ziellos, weil ich nicht auf mich hören kann, weil ich gerade dank der vielen Menschen um mich herum meine Basis verloren habe. Aber ich denke, das geht Jedem mal so. Mein Papa hat auch sein Mathestudium aufgehört und meine Mama hat gleich zweimal studiert (verschiedene Fächer).

Ich bin der Überzeugung, dass jeder seine Methode hat, sich zu finden. Sei es den Jakobsweg zu gehen oder im Alltag in kleineren Schritten, indem man Musik hört, Joggen geht, Fahrrad fährt, tanzt, schreibt, malt,... was auch immer. Ich denke nur, es ist wichtig, sich sich selbst zu stellen. Sich einzugestehen, wenn man traurig ist. Vielleicht auch ab und zu an die Vergangenheit zu denken, auch an die traurigen Momente, denn die gehört genau so zu uns.

Man ist selbst sein kritischster Gegner, also sollte man sich erst damit auseinandersetzen, bevor man auf andere hört. Und eigentlich ist das ja genau der Weg, sich selbst zu finden, also mal nicht auf andere zu hören und sich nicht beeinflussen zu lassen.

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