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27/04/2015 08:59 CEST | Aktualisiert 27/06/2015 07:12 CEST

Als Digitale Nomadin in Thailand

Wenn man E-Mails aus der Berliner Badewanne schreiben kann, warum dann nicht auch von Bangkok aus?

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Berufsforscher nennen mich eine digitale Wissensarbeiterin. Denn meine Arbeit besteht hauptsächlich aus E-Mails beantworten, Texte schreiben, online recherchieren und virtuell Kontakte knüpfen. Das meiste was ich tue, kann ich also von überall aus erledigen. Umso besser, wenn mich meine Arbeit an Orte führt, die das digitale Arbeiten besonders einfach und angenehm machen.

Gerade bin ich in Thailand und teste das Leben als digitale Nomadin. Ich bin eine von vielen. Das Konzept kursiert schon seit langem. Mittlerweile gibt es bereits Digital Nomad Academien und

Konferenzen.

Das Leben in Thailand ist angenehm - gutes Wetter, leckere Mangos, entspannte Leute. Die Lebenskosten sind überschaubar, die Internetverbindungen sind gut und gerade Bangkok hat sich mit unzähligen Coworkingspaces und Hipster-Cafés zu einem Hub für digitale Nomaden entwickelt. Auf einer informellen Rangliste beliebter Arbeitsorte für digitale Nomaden liegt Thailand auf Rang drei - hinter den Philippinen und Belize.

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Internationale Travel-Apps machen das Ankommen einfach

Die digitale Infrastruktur in Thailand macht es mir leicht, mich hier einzufinden und schnell mit der Arbeit loszulegen. Meine Unterkunft buche ich mit AirBnB - Angebote gibt es in Hülle und Fülle. Das schönste Café in meiner Nähe finde ich über Tripadvisor, wo sich die Bewertungen nur so überschlagen. Der Kellner bringt mir den W-Lan Code zusammen mit dem Cappuccino. Ich öffne mein Google Drive und lege los mit dem redigieren eines Textes.

Meine Kollegin ist gerade auf Zypern und bekommt meine Kommentare per live-Chat. Mit mir sitzen internationale und thailändische Gäste im Café, sie haben alle ganz selbstverständlich ihren Laptop dabei und tippen in Ruhe vor sich hin. Vermutlich bauen sie Websites, pflegen Blogs, verkaufen ihre Designleistungen. Die Klimaanlage brummt dezent im Hintergrund, es läuft französischer Jazz, der Kellner kommt nur gelegentlich mal und fragt zurückhaltend ob man noch was möchte.

Die Zeitverschiebung spielt mir in die Hände

Um fünf gehen fast gleichzeitig alle Laptops zu und das Café leert sich. Ich habe produktiv gearbeitet, die Zeit verging wie im Flug, keine Telefonanrufe oder Gespräche mit Kollegen haben mich unterbrochen, die Zeitverschiebung sorgt dafür, dass ich noch nicht viele neue E-Mails habe, alle alten habe ich abgearbeitet. Trotzdem - irgendwie fühlt sich das merkwürdig an. Ich habe den ganzen Tag fast kein Wort gesprochen.

Das kann ich ändern. Über Facebook melde ich mich zu einer interessante Veranstaltung an - ich treffe mich mit Recycling Aktivisten und baue aus Plastikflaschen einen selbstbewässernden Garten. Bepflanzen kann ich ihn leider nicht, denn in wenigen Wochen muss ich schon wieder zurück in Deutschland sein.

Mein Fazit nach einem Tag als digitale Nomadin - mir fehlt was

Ich könnte hier bleiben, ich könnte meine Redakteurinnen-Dienste über Plattformen wie oDesk verkaufen, für 400 Euro im Monat ein schönes Apartment mit Swimmingpool bewohnen und jeden Morgen Mango frühstücken und nach ein paar Wochen ins nächste Land weiterziehen.

Ich könnte unabhängig von Zeit und Raum das tun, was ich sonst auch machen würde. Aber mir fehlt was: Ich möchte Teil der Gesellschaft sein, in der ich lebe. Ich möchte einen Garten pflanzen und auch bewässern können, Freunde finden und mit ihnen ernten was wir gepflanzt haben.

Das Experiment geht weiter

Meine Arbeit im betterplace lab ist zum Glück oft auch mehr als E-Mails und Blogs - und deshalb werden meine nächsten Tage ganz anders aussehen. Ich werde Menschen treffen und interviewen, die mit ihren Ideen das Land verändern wollen, sich für Bildung, Geschlechtergerechtigkeit und Transparenz einsetzen. Und die mich zumindest für eine kurze Zeit Teil ihrer Gesellschaft werden lassen. Ein Gefühl, dass vielleicht vielen Digitalen Nomaden fehlt.

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe "lab around the World".

Weitere Informationen finden Sie hier.

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Video: Soziales Engagement: Der betterplace lab Jahresfilm 2014


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