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02/05/2015 08:02 CEST | Aktualisiert 02/05/2016 07:12 CEST

Dieser Frosch aus Thailand soll Erdbebenopfern in Nepal helfen

2,8 Millionen Menschen in Nepal sind nach dem Erdbeben ohne ein Dach über dem Kopf. Mehr als 6.500 Tote sind bisher geborgen worden. Für die Überlebenden gibt es zu wenig Zelte, Essen und Trinkwasser. In Thailand, 2.300 Kilometer vom Epizentrum des Erdbebens entfernt, ist die Solidarität groß. Der hier populäre Chatdienst Line nutzt die Vorliebe der Thailänder für Emoticons zu einer schlauen Spendenaktion.

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Plötzlich taucht er in meinem Line-Chat auf: Ein grüner Frosch, der in einer großen Sprechblase "Cheer Up" brüllt und eine rote Fahne schwenkt. "Mit diesem Emoticon kannst Du Nepal helfen", schreibt der Chatdienst Line. Ich bin verduzt und schaue genauer hin. Ah ja, in der roten Fahne erkenne ich die Flagge Nepals.

Wer viele Emoticons besitzt, hat die Nase vorn

Line ist neben dem Facebook-Messenger der populärste Chatdienst in Thailand. Über 33 Millionen aktiver User sind hier registriert und chatten was das Zeug hält. Chatten auf Thailändisch bedeutet vor allem, dass man sich jede menge "Sticker" (so heißen hier Emoticons) hin und her schickt. Übrigens sind Sticker eine gute Geldquelle für den Chatdienst. Wer das größte Repertoire an Stickern hat, kann seine Freunde beeindrucken. Die besten Sticker muss man natürlich kaufen. Dafür hat Line eine eigene Währung geschaffen (Line Coins).

Für mich als Ausländerin schwer zu verstehen, welcher Sticker wann angemessen ist. Ich behelfe mir immer mit einem niedlichen Hasen, der freundlich dreinschaut. Bisher habe ich noch keine Beschwerden bekommen.

Der Hase betet für Nepal

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Nun haben sich meine Sticker-Optionen erweitert. Für nur 0,99 US-Dollar kann ich mir ein Stickerset kaufen, in dem neben erwähntem Frosch auch mein niedlicher Hase vorkommt. Er drückt die Pfoten aneinander, über seinem Kopf steht Pray for Nepal. Kitsch für die gute Sache. In einem offiziellen Statement vermeldet Line, dass die Erlöse aus dem Verkauf der Sticker dem Roten Kreuz übertragen werden.

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Grundsätzlich gefällt mir die Idee, mit einem Spendenaufruf im Chatdienst möglichst viele Nutzer zu erreichen. Ähnliche Initiativen kenne ich bisher nicht. Wenn man einfach mal damit rechnet, dass jeder zweite Line-Nutzer dem Frosch folgt, dann sind schnell 16 Millionen US-Dollar Spenden angehäuft. Das ist sehr viel mehr Geld, als die 200.000 US-Dollar, die die Thailändische Regierung bisher der Erdbebenhilfe zur Verfügung gestellt hat.

Line liest mit - Kritik am Chatdienst

Allerdings gibt Line an, dass von jedem Sticker-Verkauf Bearbeitungsgebühren abgezogen werden. In welcher Höhe, wird nicht angegeben. Das macht mich stutzig. Der Dienst - ursprünglich in Japan entwickelt - steht auch an anderer Stelle in der Kritik: Der Thailändische IT-Minister Pornchai Rujiprapa sagte auf einer Pressekonferenz im Dezember 2014: "Wir können die 40 Millionen Line-Messages, die Thailänder täglich verschicken, mitlesen". Später dementierte der Chat-Anbieter diese Aussage.

Klar ist, dass die Thailändische Regierung den Chat-Dienst für eigene PR-Zwecke nutzt. So hat beispielsweise die Polizei eine Reihe an 12-Stickern entwickelt, die sie in ein gutes Licht rücken sollen. Die Entwicklung von weiteren Propaganda-Stickern hat große Kritik ausgelöst.

Zurück zum Frosch? Lieber zu betterplace.org

Mein Fazit: Auch wenn der Frosch lustig ist und mir die Idee gefällt: Wer dafür sorgen will, dass 100 Prozent seiner Spende an die Erdbebenopfer in Nepal gehen, der spendet lieber bei betterplace.org.

Video: Weltkulturerbe zerstört: Schweres Erdbeben erschüttert Nepal

Video: Urgewalt in Nepal: Unsinns-Dreh wird plötzlich dramatisch, als die Erde bebt

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe "lab around the World".

Weitere Informationen finden Sie hier.


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