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30/11/2015 10:53 CET | Aktualisiert 30/11/2016 06:12 CET

Ihre Kunst zeigt etwas, das viele Leben retten könnte

YouTube/ GatesFoundation

Das „Art of Saving a Life"-Projekt (AOSAL) ist eine Sammlung von Geschichten, die uns erzählen, wie Impfstoffe den Verlauf der Geschichte kontinuierlich zum Besseren verändern. Über 30 weltbekannte Künstler betrachteten im Rahmen des Projekts Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Immunisierung und geben diese nicht nur in Worten, sondern in den mannigfaltigen Sprachen der Kunst wider.

Auf molekularer Ebene hat die britische Bildhauerin Katharine Dowson den Trimer, der dem tödlichen HI-Virus an der Oberfläche aufsitzt, in dreidimensionaler Gestalt in acht kristallene Würfel geätzt und so den Blick auf die Zukunft eines möglichen HIV-Impfstoffes eröffnet.

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Die Natur spiegelt all ihre Bilder in sich wider. Man findet dieselben Formen und Strukturen immer wieder und wieder. In diesen wiederkehrenden Formen sind Zerbrechlichkeit und Stärke stets nebeneinandergestellt. Jene Zustände ergänzen und widerstreben einander, ganz gleich ob man die Welt aus Mikro- oder Makroperspektive betrachtet.

Die ständige Wiederholung von Formen, Strukturen und Zuständen setzt sich bis auf die Ebene der kleinsten Teilchen fort. Mich fasziniert das Verborgene, die Schönheit und Komplexität der Natur jenseits des Sichtbaren. Als Inspirationsgrundlage dienen meiner Kunst Anatomie und Medizin.

Das Unsichtbare sichtbar machen

Meine Kunst ermöglicht es mir, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Bei meinen Skulpturen geht es darum, das Unfassbare zu fassen, es in etwas Fassbares zu übersetzen und so eine Brücke zu den verborgenen Bereichen des Lebens zu schlagen.

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„Katharine Dowson, ein Fenster zur Zukundt eines HIV-Impfstoffs © 2014 Katharine Dowson“.

Ich habe bereits öfter mit der Technik der 3D-Lasergravur gearbeitet. Vor zehn Jahren habe ich mein eigenes Gehirn mittels Lasergravur abgebildet. 2006 schuf ich so eine Skulptur des Hirntumors eines nahen Verwandten. Ich mag die Flüchtigkeit, die diese Technik erzeugt. Man kann die Strahlen des Lasers nicht sehen und doch entsteht ein sichtbares Bild.

Dieses Bild wiederum existiert in Wirklichkeit gar nicht, sondern ist lediglich leerer Raum in einem Würfel aus Glas. Für die Darstellung des Trimers eignet sich die Technik der 3D-Lasergravur ausgesprochen gut, da der Trimer selbst für das menschliche Auge ebenfalls nicht sichtbar ist.

Trimer und HIV-Virus

Vor kurzer Zeit erst rekonstruierten Wissenschaftler ein Modell des Trimers mit Hilfe von Röntgenverfahren und Stenographie. Der Trimer ist ein pilzförmiges Molekül aus Proteinen, das der Hülle des HI-Virus aufsitzt.

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„Katharine Dowson, ein Fenster zur Zukundt eines HIV-Impfstoffs © 2014 Katharine Dowson“.

In Kristall nimmt die organische Struktur des Trimers eine mutierende schwebende Gestalt an. Sie hat eine wunderschöne Form und erinnert ein wenig an eine atomare Wolke. Die Schönheit dieser Form ist jedoch überaus trügerisch, denn sie stellt - wie die Atombombe - etwas Furchtbares, etwas unsagbar Zerstörerisches dar.

Schwachstelle durchbrechen

Zwischen dem Trimer und der Virushülle existiert eine Schwachstelle. Wissenschaftler hoffen einen Wirkstoff zu entwickeln, der diese Schwachstelle durchbrechen kann und das tödliche Virus von innen heraus eliminiert.

Meine Skulptur ist ein Puzzle aus acht kristallenen Würfeln. Jeder dieser Würfel enthält einen kleinen Teil des Trimers, der zu einem Ganzen wird, wenn man die Würfel zusammenfügt. Jeder dieser Würfel steht nicht nur für ein Fragment des Trimers, sondern stellvertretend für all die vielen Wissenschaftler und Forschungszentren, die an der HIV/Aids-Forschung arbeiten.

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„Katharine Dowson, ein Fenster zur Zukundt eines HIV-Impfstoffs © 2014 Katharine Dowson“.

Weltweit arbeiten Virologen an Einzelbestandteilen des komplexen HI-Virus. Der Trimer ist lediglich ein Puzzleteil dieses abstrakten, wissenschaftlichen Diskurses. Obwohl es bisher weder ein bekanntes HIV-Heilmittel noch eine Impfung gegen das sich ständig verändernde Virus gibt, gibt es stete Fortschritte.

HIV-Impfstoff

Impfungen sind eine der größten Errungenschaften in der Geschichte der Medizin. Sie haben Millionen von Leben gerettet und Menschen weltweit eine bessere Gesundheit beschert sowie Lebensperspektiven eröffnet. Die Geschichte hinter diesen Erfolgen und den zu erwartenden Erfolgsaussichten ist es wert erzählt zu werden.

Ich bin davon überzeugt, dass jeder zum Erfolg von Impfungen beitragen kann. Mein Ziel als Künstlerin ist es Brücken zu bauen - nicht nur zu den verborgenen Seiten des Lebens, sondern zwischen Forschung und Medizin auf der einen Seite und dem öffentlichen Diskurs auf der anderen.

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„Katharine Dowson, ein Fenster zur Zukundt eines HIV-Impfstoffs © 2014 Katharine Dowson“.

Kunst in seinen mannigfaltigen Formen kann diesen hochkomplexen wissenschaftlichen Diskurs der Impfstoffforschung in ein Bild übersetzen, das Grenzen sprengt und Menschen dabei hilft, diese Komplexität zu verstehen und keine Angst vor ihr zu haben.

Impulse für den Diskurs

Ganz gleich, ob diese Kunstwerke als schön wahrgenommen werden oder Neugierde wecken: Mein Beitrag ist die Thematisierung von HIV/Aids. Ein Kunstwerk vermag zwar nicht, die Welt zu verändern - aber es kann Impulse für einen Diskurs setzen.

Gerade beim jetzigen Stand der Forschung ist es unerlässlich, die Diskussion zu beleben, die die Suche nach einem HIV-Impfstoff begleitet. Es war noch nie so wichtig wie jetzt.

Erfahren Sie mehr über The Art of Saving A Life und Katharine Dowsons Favoriten unter den Projekten:

Alexia Sinclair - Die Entdeckung der Pockenimpfung durch Edward Jenner („Edward Jenner's Smallpox Discovery")

Luc Jacquet - Der Wettlauf um Leben („The Race for Life")

Sebastião Salgado - Das Ende von Polio („The End of Polio")

The Art of Saving a Life ist ein Projekt im Auftrag der Bill & Melinda Gates Stiftung.

Wissenschaftlich beraten wurde Katharine von Professor Robin Shattock, Dr. Alethea Cope und Dr. Paul McKay vom Department of Medicine des Imperial College London und Dr. Andrew Ward, Associate Professor des Scripps Research Institute, Kalifornien.

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