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21/05/2014 04:44 CEST | Aktualisiert 21/07/2014 07:12 CEST

Mit voller Kraft ins Digital-Nirwana: Warum Unternehmen bei der Digitalisierung nicht zukunftsfähig aufgestellt sind

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Alle Welt ist digital unterwegs.

Auf dem Weg ins Büro schnell noch die Mails checken, Status absetzen und die schnellste Bahnverbindung raussuchen. Später auf dem heimischen Sofa den Wocheneinkauf ordern, Stilberatung einfordern, Dates klarmachen. Vom Nachbarn das Paket abholen vom Blumen-Abo, Socken-Abo, Rasierklingen-Abo, Kondom-Abo... Es gibt eigentlich nichts, was es nicht online gibt. Denn durch die Digitalisierung kann man mit ein und demselben Produkt ganz neue Käuferschichten ansprechen, wenn man sich nach den neuen Gewohnheiten der Konsumenten richtet. Der moderne Verbraucher ist immer mobil, vernetzt und agiert meist vollständig transparent. Prozesse werden schneller, effizienter, kostengünstiger und besser auswertbar für Unternehmen, wenn ihre Kunden über Apps in Shops oder im Taxi bezahlen oder online Reisen buchen.

Frappierend dabei: Die meisten dieser Dienstleistungen und Produkte aus dem Internet kommen von innovativen Startups. Die Unternehmen wurden oft aus einer coolen Idee heraus gegründet, viele der Gründer waren davor eigentlich branchenfremd oder ohne langjährige Erfahrungen auf dem jeweiligen Markt. Und die Old Economy? Hätte eigentlich das Geld für Innovationen, die Erfahrungen im Marktsegment und einen bestehenden Kundenstamm. Aber anstatt eine Digitalstrategie zu entwerfen - und noch wichtiger, auch umzusetzen - sehen viele alteingesessene Unternehmen noch immer einfach zu, wie der Digitalzug ohne sie abfährt. Sie setzen weiterhin auf ihre Offline-Kundschaft in den Filialen vor Ort, alte Vertriebsmodelle, auf Systeme, die schon immer so Bestand hatten, aber nicht zukunftsträchtig sind. So verschlafen es die großen Konzerne regelrecht, mit neuen innovativen Geschäftsmodellen neue Märkte zu erschließen und neue Käuferschichten zu gewinnen bzw. auf lange Sicht die alte Kundschaft zu halten. Sie verschenken so die Möglichkeit, ihr Unternehmen für die Zukunft seetüchtig zu machen und es sicher in den Hafen der Digitalisierung zu lenken, anstatt geradewegs auf die analoge Klippe des Todes zuzusteuern.

Aber woran liegt es? Haben sie etwa Angst vor der Digitalisierung?

Fest steht: Unternehmen wie Banken, Medienkonzerne, Lebensmittel- oder Automobilhersteller sind weltweit und branchenübergreifend von der Digitalisierung betroffen. Heute sind Amazon und Zalando die mächtigen Goliaths, dem der schwächelnde stationäre Handel mutig als David entgegentreten muss. Dabei sind die Möglichkeiten und Risiken der Digitalisierung stark von den industriespezifischen Geschäftsmodellen abhängig. Handelsunternehmen sollten sich zum Beispiel damit beschäftigen, wie sie ihre Retourenquote gering halten. Finanzinstitute und Telekommunikationsunternehmen, wie sie ihre Daten schützen - und das auch online. Alteingesessene Unternehmen sind zwangsläufig mit der Online-Welt konfrontiert und dürfen nicht die Augen vor der Digitalisierung verschließen. Im Gegenteil: Sie müssen sich den Marktveränderungen stellen und sich zukunftsfähig aufstellen. Dazu gehört es beispielsweise, die hausinterne Bürokratie abzubauen und Firmen mit einem Digitalvorstand zu versehen oder einem Geschäftsführer, der sich mit der Digitalisierung und den zukünftigen Märkten auskennt und beschäftigt und den Erfolg so auch in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts sichert. Denn möchten Old Economy Unternehmen auch in den nächsten Jahren auf Erfolgskurs bleiben, müssen sie jetzt beginnen, ihre bisherigen Strategien zu überdenken und neue Überlebensstrategien wählen.

Katharina Wolff auf Twitter folgen: https://twitter.com/katharina_wolff

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